Wer beim Segeln an einen elitären Club älterer Herren denkt, dem beweist der Yachtclub Ludwigshafen Bodensee (YLB) in den nächsten Monaten das Gegenteil. Dann absolvieren wieder bis zu sechs Teilnehmer den Jüngstensegelscheinkurs. "Kinder fangen bei uns mit sieben Jahren an zu segeln", erklärt Vereinspräsident Andreas Rietschel. Es sei prägend für einen jungen Menschen, auf dem Wasser den Umgang mit Wind, Wellen und Segel zu lernen und zu erfahren, dass er für sich selbst verantwortlich ist. Auch wenn erfahrene Trainer in Reichweite sind: Im Einsteiger-Segelboot sitzt der Segelschüler allein.

Nicht alles klappt beim ersten Mal

Schief gehen kann da aber nichts, sagt der Präsident des Yachtclubs. Jeder Segelschüler habe einen Trocken- oder Neoprenanzug, Neoprenschuhe und eine Rettungsweste. Dies stellt der Verein ebenso zur Verfügung wie die Optimisten. Das sind die Einstiegs-Segelboote mit nur einem Segel, sie sind laut Rietschel quasi unsinkbar. Dass kleinere Missgeschicke passieren, gehöre aber dazu. Und so lacht Rietschel, wenn er an seine ersten Segelversuche zurückdenkt. Da sei auch mal eine Träne geflossen, wenn etwas nicht geklappt hat. "Sie lernen zum Beispiel, damit umzugehen, wenn der Opti umkippt", sagt er über Segelschüler. Sobald das Boot wieder steht, haben die Kinder dann etwa zehn Minuten Zeit, um sich zu beruhigen. So lange dauere es nämlich, mit einem Pütz, das ist ein kleiner roter Eimer, das stehende Wasser aufzupützen. In solchen Situationen sei dann besonders der Trainer gefragt, den Kindern auch im psychologischen Sinne Sicherheit zu geben. Beim YLB übernehmen diese Aufgabe der Jugendwart Michael Begher sowie Dietmar Glück und Alexandra Aicheler.

Grundregeln in Theorie und Praxis

Ausgebildet werden die Kinder dann in Theorie und Praxis. Die Theorie wird im Hotel Krone in Ludwigshafen vermittelt, dann geht es etwa um den Wind: Woher kommt er, wie entsteht er, wie gehe ich damit um? Grundbegriffe wie Lee und Luv sollen gelernt werden – Lee steht für die dem Wind abgewandte Seite, Luv für die dem Wind zugewandte. Auch Grundregeln des Bootfahrens sind bei der Theorieausbildung gefragt, beispielsweise die Vorfahrtsregelung auf dem Bodensee – Lee vor Luv. Im wöchentlichen Training am YLB-Hafen können die Teilnehmer ihr Wissen dann anwenden und auch Manöver wie eine Wende üben. "Sie lernen das Boot kennen", fasst Rietschel zusammen. Der Jüngstenschein ist schließlich Nachweis für eine Grundausbildung – offiziell können Kinder damit an geeigneter Stelle alleine mit einem Optimisten in See stechen.

Mithilfe von Eltern gefragt

Wie andere Vereine auch habe der Segelsport mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, sagt Rietschel. Der Jüngstensegelscheinkurs vermittle die Liebe zum Segeln und sei eine Chance, womöglich neue Mitglieder zu gewinnen. Von durchschnittlich sechs Teilnehmern würden bis zu zwei dem Verein erhalten bleiben, sagt der Vereinspräsident. Er erklärt das teils nachlassende Interesse damit, dass beim Segeln auch die Eltern gefragt sind. "Der Opti ist eigentlich ein Dreimannboot: Das Kind segelt, der Papa baut auf und die Mama betreut", sagt Rietschel mit einem Lachen. Die Eltern seien mindestens beim Auf- und Abbau gefragt. Vorwissen bräuchten sie aber nicht: Die nötigen Handgriffe lerne man schnell.

Verein und Schnuppern

  • Der Yachtclub Ludwigshafen Bodensee (YLB) hat 250 Mitglieder und 114 Liegeplätze, dazu kommen etwa 40 Jugendliche. Der Jahresbeitrag bis zum 18. Lebensjahr kostet 50 Euro, bis zum Alter von 26 Jahren zahlen Mitglieder dann die Hälfte des üblichen Jahresbeitrags: 100 statt 200 Euro. Der YLB bietet sämtliche Stationen der Segelausbildung: Nach dem Jüngstenscheinkurs des Deutschen Seglerverbands gibt es die Klasse der Regattasegler, der Optisegler B und dann A. Mit 14 oder 15 Jahren geht es für Segler auf die größeren Schiffe: 420er, 29er oder Laser sowie mit zunehmendem Alter und Kenntnis weiter auf die 470er oder 49er.
  • Ein Schnuppersegeltag für Neulinge ist am Freitag, 27. Juli, ab 11 Uhr. Treffpunkt ist am Hafen des YLB in Ludwigshafen gegenüber des Bahnhofs. Parkmöglichkeiten gibt es am Bahnhof Ludwigshafen. Ansprechpartner ist Jugendwart Michael Begher, erreichbar per Mail an m.begher@ylb.de.
  • Der Jüngstenschein-Kurs beginnt mit einem fünftägigen Einführungsblock von Mittwoch, 5. September, bis Sonntag, 9. September. Über das folgende Schuljahr gibt es mehrere Wochenendtermine. Der Kurs endet mit einer Prüfung in den Pfingstferien 2019. Um erfolgreich am Kurs teilzunehmen, müssen die Teilnehmer an zwei Drittel der Termine anwesend sein und die Prüfung bestehen. Voraussetzung für den Kurs ist ein Freischwimmerabzeichen oder eine schriftliche Bestätigung der Eltern, außerdem die Unterstützung der Eltern sowie eine Kursgebühr von 50 Euro. Teilnehmer sollten zwischen sieben und zehn Jahre alt sein und Jugendmitglied in einem der kooperierenden Vereine aus Sipplingen, Bodman, Ludwigshafen oder Stockach sein. Anmeldeschluss für den Jüngstenscheinkurs ist am Sonntag, 12. August. (isa)