Ingrid Hassenstein schreibt schon seit ihrer Jugend. Das hat die pensionierte evangelische Pfarrerin ihr ganzes Leben über begleitet – von ihrer Heimat in der ehemaligen DDR bis nach Bodman, wo sie seit dem Jahr 2011 lebt. Sie schrieb im Lauf der Jahrzehnte zum Beispiel für Kirchenzeitungen und war Herausgeberin eines Gemeindeblatts. In den vergangenen 16 Jahren hat sie mehrere Bücher veröffentlicht. Gedichte von ihr sind in Sammelbänden zu finden und sie war auf internationalen Buchmessen, zum Beispiel in New York und Wien. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober erscheint der dritte Teil einer Gedichtband-Reihe, in dem ganz neue Gedichte der 75-Jährigen enthalten sind.

Die Veröffentlichungen waren aber nicht immer leicht, die Resonanz auf die Werke ebenfalls nicht. "Die meisten Verlage zahlen nicht alles", sagt Ingrid Hassenstein über die Veröffentlichungen. Die Autoren hätten oft Eigenanteile, die zu stemmen seien. "Katzenselbstgespräch und Engelsgeflüster", ihr erstes Werk von 2002, brachte sie mit komplett eigenen finanziellen Mitteln auf den Markt. Es erschienen bis jetzt fünf Auflagen und das Buch sei heute international übersetzt, erhältlich und nachgefragt, erzählt sie. Es brachte ihr aber auch hier und da Kritik ein. Sie sei auch wegen einem Buch angezeigt worden. Die 75-Jährige eckte auch schon lange vor der Wende aufgrund ihrer Ansichten oftmals an. Sie veröffentlichte ihre Texte deshalb damals teilweise anonym oder unter ihrem Ehenamen.

Ingrid Hassenstein war nach einer Scheidung alleinerziehende Mutter. Später verlor bei einer rechtlichen Auseinandersetzung ihre Existenz. Ohne Besitz und nur mit ein bisschen Geld in der Tasche kam die ehemalige Pfarrerin schließlich nach Bodman. Die 75-Jährige hat sich mit Ahnenforschung beschäftigt und entdeckt, dass in der Gemeinde am Bodensee die Wurzeln ihrer Familie liegen. "Wenn schon alles aufgeben müssen, dann wenigstens in einer schönen Landschaft leben", sagt sie außerdem über ihre Entscheidung, hierher zu ziehen.

Heute kämpft Ingrid Hassenstein immer noch mit den Nachwirkungen. Sie sucht seit Jahren eine Wohnung und wohnt seit ihrer Ankunft in Bodman dort, wo es gerade möglich ist. Derzeit ist sie im Hotel Anker, wo sie mit den Besitzern freundschaftlich verbunden ist. Sie schlage sich mit ihrem Verhandlungsgeschick und ihrer Rente durch, sagt sie. Und sie schreibt. Das liegt ihr im Blut und neben einem Gedichtband arbeitet sie momentan auch an einem weiteren Werk. "Ich habe immer geschrieben und das bleibt auch so."

Die Autorin machte im Laufe der Jahre immer wieder Lesungen, auch hier in der Region. Teilweise stand sie dabei mit Literaturpreisträgern auf einer Bühne. Sie könnte sich vorstellen, weitere Lesungen aus ihren Büchern zu machen, es fehle aber ein geeigneter Ort, sagt sie.