Die Bodmaner Narrenzunft Bosköpfe feiert in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen. Doch Fasnet wurde, wie in der ganzen Landschaft, seit "unfürdenklichen Zeiten", wie es in einer Chronik heißt, auch in Bodman begangen, ohne dass man sich bemüßigt fühlte, darüber etwas schriftlich niederzulegen. Es sei denn, dass bei einem fasnächtlichen Anlass irgendetwas Außergewöhnliches passierte. Einer der ältesten Belege zum Terminbegriff und die erstmalige Nennung des Wortes Fasnacht in der Bodenseelandschaft überhaupt ist ein im Gräflich von Bodman'schen Archiv befindlicher Kaufvertrag, datiert auf Samstag, "vor aller manne vasnaht" 1296, Februar 11", was dokumentiert, dass bereits damals die Fasnacht als bedeutsamer Meilenstein innerhalb des jährlichen Festkreises im Bewusstsein der Menschen fest verankert war.

Ein weiteres anschauliches Zeugnis fasnächtlichen Treibens Ende des 16. Jahrhunderts überliefert uns der Überlinger Chronist und Bürgermeister Jakob Reutlinger. Am 26. Februar 1576 holten die Sipplinger in Bodman mit einem Ruderboot ihre Fasnachtsküchle. Dabei feierte man fröhlich und wahrscheinlich zu ausgiebig. Auf der Heimfahrt kenterte das Schiff und elf Sipplinger ertranken im Bodensee. Die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee nahm dieses Ereignis zum Anlass, seit 1976 eine in regelmäßigen Abständen die Fasnetküchlefahrt zu veranstalten.

Den nächsten Hinweis auf die Bodmaner Fasnacht finden wir rund 270 Jahre danach. Am 7. Januar 1850 bereiste der Stockacher Oberamtmann Marquard Georg Metzger die Gemeinde Bodman und ordnete an, dass die Fasnachtstänze nur an einem Tag gehalten werden dürfen. Militär-Polizei-Kommandantur und Gendarmerie mussten zur Überwachung vermehrt Patrouillengänge absolvieren. Demnach müssen die Bodmaner ihre Fasnacht mehrere Tage gefeiert haben.

Fasnacht wurde in Bodman allgemein, das heißt ohne Bestehen eines Narrenvereins gefeiert. Die bestehenden Vereine, wie Turnverein, Militärverein und Feuerwehr veranstalteten Fasnachtsveranstaltungen, auch ein Narrenbaum wurde aufgerichtet. Das blieb so bis zum Jahre 1938, als der Narrenverein Bosköpfe Bodman gegründet wurde. Der Name erinnert an eine Apfelsorte, den Boskoop, dessen Anbau in den 1920er-Jahren die Landwirtschaft am westlichen Bodensee belebte. In den 1950er-Jahren sollte der Boskopf auch als Maske dargestellt werden. Es dauert aber bis 1981, ehe die ersten überdimensionalen Äpfel im Fasnachtstreiben nach einer Idee des in Bodman ansässigen Bildhauers Reinhard Siecke präsentiert werden konnten.

Wie Boskopf-Präsident Wilhelm Wagner mitteilte, wird das 80-jährige Bestehen der Bosköpfe schlicht unter dem Motto "Der 80. Geburtstag" stehen, der am Fasnachtssonntag, 11. Februar, mit einem Festbankett im Seeum und mit einem anschließenden Umzug mit geänderter Wegführung begangen wird. Der an diesem Tag sonst übliche gemeinsame Umzug der Bosköpfe mit den Ludwigshafener Seehasen wird durch die Beteiligung der Narrenzünfte Sipplingen, Bonndorf und Espasingen sowie einer Guggenmusik aus dem Hegau eine größere Dimension erhalten. Es soll auch eine Festschrift erscheinen.

Die Narrenzunft

Boskopf-Ahoi lautet der Bodmaner Narrenruf, der bei der Gründung der Zunft gewählt wurde. Sie wird von einem Narrenrat, dem Boskopf, geleitet, dem ein Präsident vorsteht. Seit über 20 Jahren ist dies Bootsbaumeister Wilhelm Wagner. Zum Rat gesellen sich die Kopfträger (Boskopf-Maskenträger), die Laubnarren, eine Gruppierung, die sich aus Frauen und dem närrischen Nachwuchs zusammensetzt, sowie die Boskopf-Mädle, eine Kinder-Tanzgruppe. Als Traditionsfigur darf auch das Nebelmännle, eine Sagengestalt, nicht fehlen. Schließlich gibt es die Gruppe der Zimmerer, die am Schmotzigen Dunschtig den Narrenbaum setzt. (fws)