Die Gustav Prym wird künftig nicht mehr in Bodman liegen. Der Förderverein Yachtsport Überlingen erwirbt das historische Dampfschiff. Dieses wird sein neues Zuhause daher bei der gläsernen Kellerwerft in Überlingen finden, die der Verein kürzlich eröffnet hat. Damit geht für Bodman eine Ära zu Ende, denn die Gustav Prym diente zuletzt 20 Jahre lang als Ausflugsboot. Zu verdanken ist das Karl Sailer, der das Boot Mitte der 1980er-Jahre auf einem Schrottplatz in Konstanz entdeckte. Sailer, von Beruf Raumausstatter, hat das 1916 gebaute Schiff in liebevoller Arbeit restauriert. 8000 Stunden Arbeit habe er investiert, zehn Jahre lang benötigt, bis es wieder seetüchtig war. Sailers Herz hängt sehr an dem Fahrgastschiff.

Die „Gustav Prym“ wurde zunächst als Personenschiff auf dem Rhein betrieben. Nach dem Krieg diente es noch einige Zeit als Feuerwehrschiff, bevor es ausgemustert wurde. Sailer wundert sich, dass die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen den Wert nicht stärker geschätzt, vielmehr ihm rund zweieinhalb Tausend Euro jährlich für den Liegeplatz in Rechnung gestellt habe. Gesundheitsbedingt kann er es selbst nicht mehr halten; nun sei er glücklich, im Zwölfer-Club, eben dem Förderverein Yachtsport Überlingen, einen Käufer gefunden zu haben, der das Boot nun nicht nur in der neuen Werft überholt, sondern es für die Zukunft erhält. „Etwas Besseres kann dem Boot und mir nicht passieren“, freute sich Sailer: „Die Zukunft sieht gut aus.“

Zwei Männer, die sich verstehen: Jochen Meyer (links) vom Vorstand des Fördervereins und Karl Sailer aus Bodman.
Zwei Männer, die sich verstehen: Jochen Meyer (links) vom Vorstand des Fördervereins und Karl Sailer aus Bodman. | Bild: Hilser, Stefan

Die gläserne Kellerwerft in Überlingen, wo die Gustav Prym nun hinkommt, soll Geist und Atmosphäre der historischen Kellerwerft nachahmen. Das Vorbild wurde 1912 gegründet. Bootsbauer Bela Waldecker wird in der neu errichteten Werft in nächster Zeit die Arbeit aufnehmen und alte Boote herrichten. Damit dient die Einrichtung wieder ihrem ursprünglichen Zweck. Von der Gaststätte aus kann man dem Bootsbauer bei der Arbeit zuschauen.

Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte bei der Eröffnung der Kellerwerft, dass die sieben Gründungsmitglieder waghalsige mutige visionäre seien, „die einige Millionen in das Projekt investiert haben“. In sensationell kurzer Zeit sei die Werft nach längerer Projektphase in nur einem Jahr gebaut worden. Besonders hervorzuheben sei, dass alle Anlagen öffentlich zugänglich und nutzbar sind.

Gebaut worden sind die Dalben der Steganlage von der Bodmaner Firma Stahlbau Rettich, bei der Eröffnung vertreten durch Simone Bickel. Sie sagte am Rande der Eröffnungsfeier, dass es spannend gewesen sei zu sehen, wie unterschiedlich der Seegrund hier beschaffen ist. Mal Fels, und damit schwierig, die Dalben einzurammen. An anderer Stelle seien sie fast widerstandslos im Schlick versunken. Deshalb ragen die Dalben derzeit noch unterschiedlich hoch aus dem Wasser, würden aber noch auf Länge gesägt.

Die Vereinsmitglieder frönen einerseits ihrer Liebe zu historischen Schiffen. Andererseits wollen sie die Öffentlichkeit an ihrem Hobby teilhaben lassen. Vorsitzender Niklaus Wasers Einladung an Besucher lautete: „Wir wollten uns ein neues Wohnzimmer bauen. Aber nicht nur für uns, sondern für uns alle.“