Es ist schon viel geschafft, aber der komplette Glasfaserausbau in Bodman dauert noch viele Jahre. Das war eine der Kernbotschaften beim Infoabend zum aktuellen Stand, zu dem rund 40 Bürger kamen.

  • So sieht es aus: Bürgermeister Matthias Weckbach sowie Nicolai Ottenbacher und Markus Egle von Netcom BW umrissen, wie momentan die Verfügbarkeit von schnellem Internet in Bodman ist. Vor rund drei Jahren ging der erste Dslam von Netcom im Bereich der Weilerkapelle in Betrieb. Dslam steht für Digital Subscriber Line Access Multiplexer und ist ein Verteilerschrank für schnelles Internet. Ein zweiter Dslam steht neu bei der Metzgerei, um auch im hinteren Bereich von Bodman bessere Bandbreiten zu ermöglichen. In Teilbereichen des Orts liegt bereits Glasfaser, aber zwischen dieser Leitung und den Häusern selbst sind noch überwiegend Kupferkabel. Die verfügbare Internetgeschwindigkeit hänge einerseits von der Art und dem Zustand der Kabel im Boden ab und andererseits von der Entfernung des Hauses zum Dslam. Ottenbacher sagte aber ganz klar: "Sie bekommen bei uns auf jeden Fall eine schnellere Leitung."
  • Das fragten die Bürger: Der Infoabend zeigte deutlich, wie ungeduldig sich die Bodmaner schnelles Internet ersehnen. Viele wollten detailliert zu ihrer Hausnummer wissen, welche Bandbreiten heute schon möglich sind und wie lange es dauern könnte, bis speziell ihr Haus Glasfaser bekommt. Zum Beispiel Bürger, die im Bereich "In der Stelle" wohnen, fragten nach den Leerrohren, die dort seit rund elf Jahren im Boden liegen. "Wir warten seit Jahren", sagte eine Anwohnerin. Das Problem: Es seien Rohre, die heute nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und deshalb nicht verwendet werden können, so der Bürgermeister. Da die Straße aber erst 2007 erneuert worden sei, "werden wir sie nicht so schnell öffnen", sagte Weckbach. Nicolai Ottenbacher stellte aber in Aussicht, dass dort ab Juli 30 000 Kilobit pro Sekunde mit der vorhandenen Leitungssituation möglich sein könnte. Denn es solle ab dann Änderungen im Bereich Stelle geben. Ottenbacher wies darauf hin, dass mit der Verfügbarkeitsabfrage auf der Internetseite von Netcom hausgenau geschaut werden könne, welche Bandbreite möglich ist. Außerdem betonte er, wie wichtig bei einem Anbieterwechsel das richtige Ausfüllen des Portierungsformulars für die Rufnummern sei, damit nichts schiefgehe.
  • Wie es weitergeht: In der Kaiserpfalzstraße orientiert sich die Glasfaser-Erschließung an den vier Bauabschnitten der Sanierung in den kommenden Jahren – in jeden Abschnitt kommen Leerrohre in den Boden. Klar sei, dass dort beim Ausbau auf jeden Fall die Hausanschlüsse kämen, so Weckbach. "Wir wissen noch nicht, wo es als nächstes weitergeht", sagte er allgemein zum Rest des Orts. "Aber je mehr sich für Netcom und Glasfaser entscheiden, desto eher können wir mit dem Ausbau weitermachen." Alle Bürger, die sich innerhalb des kommenden Jahrs für die Verlegung eines Glasfaseranschlusses zu ihrem Grundstück entscheiden, erhalten einen Nachlass von der Gemeinde (siehe Infokasten). Aber bereits die Normalkosten seien "ein politischer Preis, weil wir wollen, dass es vorangeht", erklärte Weckbach. Wann genau wo in die bereits verlegten Leerrohre Glasfaser eingeblasen werde, könne er momentan nicht sagen, erklärte Ortsbaumeister Ralf Volber. Viele Firmen, mit denen Netcom arbeitet, seien überlastet. Die Ortsverwaltung sei mit Netcom deshalb so verblieben, dass die Gemeinde nun selbst schaue, ob Unternehmen aus der Nähe schneller einen Auftrag umsetzen könnten.

 

Geschichte und Kosten

Bürgermeister Matthias Weckbach umriss beim Infoabend die Entwicklung des Breitbandausbaus in Bodman. Vor rund zehn Jahren habe die Kostenschätzung bei etwa 1,7 Millionen Euro gelegen, inzwischen sei diese doppelt so hoch. 2015 sei begonnen worden, die Struktur zu schaffen und mit dem Kooperationspartner Netcom BW werde der Ort schrittweise ausgebaut. Die Telekom habe kein Interesse gehabt, Bodman mit Glasfaser zu erschließen. Die Gemeinde bezuschusst im ersten Jahr die Hausanschlüsse: Private kosten 900 (statt 1500) Euro, gewerbliche kosten 1900 (statt 2500) Euro. (löf)