Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Das erste von zwei Rettungsbooten für das Motorschiff Oesterreich ist in der Bodmaner Bootswerft Wagner fast fertig. Spätestens im April soll das 1928 gebaute Schiff nach seiner Generalsanierung als Museumsschiff den Betrieb auf dem Bodensee wieder aufnehmen. Mit den Beibooten aus Bodman.

Die Oesterreich war das erste große Dieselmotorschiff am See und als einziges komplett im Stile des Art-Deco ausgestattet. Der Freundeskreis Motorschiff Oesterreich, dem auch der Bodmaner Karl Sailer angehört, kümmert sich darum, es wieder in den Ursprungszustand von 1928 zurückzuversetzen. Es liegt momentan in der Werft in Fußach (Österreich).

Bodmaner Werft war schein bei der Hohentwiel mit am Werk

Und wozu die kleinen Boote aus Bodman? Jedes Passagierschiff muss mit Rettungsbooten ausgestattet sein, um im Notfall die Menschen, die sich an Bord befinden, aufnehmen zu können.

Für den Bau dieser Boote am Museumsschiff Oesterreich ist Karl Sailer verantwortlich. Da er auch bei der Restaurierung des Schiffs Hohentwiel mit dieser Aufgabe betraut worden war und dafür die Bootswerft von Bootsbaumeister Wilhelm Wagner gewinnen konnte, lag es für ihn nahe, diese Werft wieder mit der Herstellung zweier Rettungsboote zu beauftragen. Die Boote hatten seinerzeit bei den Experten allgemein Anerkennung gefunden.

Holz als Werkstoff

Nun sind seit einigen Wochen zwei ausgebildete Schiffsbauer mit der Herstellung der Beiboote beschäftigt. Das erste steht kurz vor der Vollendung, das zweite liegt bereits auf Kiel. Da die Zeit drängt, wird mit Hochdruck gearbeitet. Bootsbaumeister Wilhelm Wagner, der selbst mit Hand anlegt, baut die beiden Boote nach den neuesten Erkenntnissen im Bootsbau. Sie bestehen komplett aus Holz.

Verwendet wird dabei Khaya, ein afrikanisches Mahagoni-Holz. Wagner legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass das verwendete Holz keinesfalls aus Urwald-Kahlschlägen stammt, sondern extra aus Plantagen, die für Zwecke des Schiffbaus angelegt sind. "Die Hölzer sind alle mit einem entsprechenden Zertifikat versehen und unterliegen strengen Kontrollen. Anderes Holz wird in meiner Werft nicht verarbeitet", betont Wilhelm Wagner.

Spätestens im März sollen die Boote auf das Schiff

Derzeit werden acht Spanten, tragende Bauteile zur Verstärkung des Rumpfes, in den Bootskörper eingesetzt. Sie bilden anschaulich die Rippen und sind entlang der Innenseite der Bootwand angebracht. Das klassische Material für Spanten ist Holz, zum Beispiel Eiche. Die Verbindung zwischen Spanten und Außenhaut erfolgt mit Bolzen, Schrauben oder Nieten. Das Innere wird lackiert, das Äußere bleibt unbehandelt. In einem Boot ist bequem Platz für sechs bis acht Personen, notfalls auch für mehr.

Hafenfest geplant

Spätestens im März will Wilhelm Wagner für die beiden Rettungsboote Vollzug melden. Sie werden dann vom Wagner-Hafen gegenüber der Werft zum Gemeindehafen beim Seeum gerudert, wo sie im Gemeindehafen von der Oesterreich übernommen werden. Bis jetzt steht aber noch kein Datum fest, wann das Schiff von Fußach beziehungsweise Bregenz Kurs Richtung Bodman nimmt. Die Abholung der Rettungsboote soll aber mit einem kleinen Hafenfest gefeiert werden, wie Karl Sailer verspricht.