Bodman-Ludwigshafen Bodmaner Tüftler beeindrucken bei Oldtimertreffen mit Knutschkugel

Sie war früher der BMW-Isetta-Konkurrent, hat 9,2 PS und eine Front-Tür: die Henkel Kabine. Michael Zeiser und Walter Schwarz haben eines der seltenen Exemplare liebevoll restauriert.

Beim diesjährigen internationalen Oldtimertreffen in Ludwigshafen waren die Oldtimerfans baff erstaunt, als plötzlich , wie aus heiterem Himmel , eine "Knutschkugel" aus dem Gründerjahr 1956 auf der Rampe auftauchte: eine Heinkel Kabine. Ihr entstiegen die beiden Bodmaner Michael Zeiser und Walter Schwarz. Der als Flugzeugentwickler bekannte Professor Ernst Heinkel hatte sich schon Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit besonders aerodynamischen und schnellen Flugzeugen einen Namen gemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es ihm recht schnell, mit dem Wiederaufbau seines Unternehmens zu beginnen.

Heute fast vergessen, gehörten Heinkel-Fahrzeuge schon bald fest zum Straßenbild in Deutschland. Es handelt sich um einen Einzylindmotor mit zunächst 174, später 198 ccm mit atemberaubenden 9,2 oder zehn PS Leistung. Die Heinkel Kabine, ein Dreirad-Rollermobil mit Fronttüreinsteiger und einem gebläsegekühlten Einzylinder-Viertaktmotor (im Volksmund auch "Knutschkugel", genannt weil man nicht wie auf dem Roller hintereinander, sondern nebeneinander sitzen konnte), wurde 1956 als erster Pkw der Ernst Heinkel AG in Stuttgart-Zuffenhausen herausgebracht. Im Juni 1958 wurde die Produktion eingestellt wegen Verlusten gegenüber der BMW Isetta. Wenig später gehörte die Heinkel Kabine der Vergangenheit an.

Michael Zeiser und Walter Schwarz hatten sich schon früher um die Restaurarierung alter Rollerfahrzeuge gekümmert. Der Zufall wollte es, dass Zeiser bei einem Aufenthalt in Herisau (Schweiz) einen großen Teilehaufen dieses Dreirad-Mobils, in Kisten zerlegt, entdeckte: Karosse (lackiert), Motor, Achse, Bremsen, alles im Rohzustand. Ganz so, wie es anno 1956 einmal gefahren wurde. "Nachdem ich nach längeren Preisverhandlungen mit dem Besitzer verkaufseinig war, brachte ich im Frühjahr 2015 nach einer aufwendigen Zollabwicklung die Teile-Kisten nach Bodman und machte mich Walter Schwarz sofort an die Arbeit", erzählt Michael Zeiser. Während der passionierte Schrauber Walter Schwarz den Motor zusammenbaute und auf einem von ihm extra gebauten Gestell zum Laufen brachte, kümmerte sich Zeiser um Karosserie, Elektrik, Innenanlage bis hin zum Verdeck. "Dankenswerterweise bekamen wir auch noch Unterstützung von der Heinkel Club-Teile GmbH," erinnert sich Zeiser.

Im Juli stand die große TÜV-Abnahme an. Das Fahrzeug nahm diese Hürde. "Walter und ich freuten uns wie die Schneekönige und als auch die Zulassungsstelle uns kein Hindernis in den Weg stellte, war für uns Weihnachten und Ostern auf ein Mal. Für die Versicherung musste eine Fahrzeugbewertung mit Zustandsnote erstellt werden und ,Kabinchen' bekam die Note 1.0", so Zeiser. Das rote Heinkel 3-Rad, Baujahr 1956, 9,2 PS 4-Gang plus Rückwärtsgang in Kulissenschaltung, 2, 66 Meter lang, 1,37 Meter breit, 1,32 Meter hoch und immerhin 86 km/h schnell, zugelassen für drei (sehr schlanke) Personen, war bei seinem ersten Auftritt in Ludwigshafen der Hingucker – und dürfte dies auch fortan sein.

Drei Räder und eine Tür

Als die Heinkel Kabine als Dreiradfahrzeug mit Fronttüreinstieg im Jahr 1956 erstmals vorgestellt wurde, besaß das Modell einen gebläsegekühlten Einzylinder-Viertaktmotor mit 175 ccm Hubraum, der 6,8 Kilowatt (9,2) PS) leistete und seine Kraft über ein Vierganggetriebe an das einzelne Hinterrad weiterleitete. Der Wagen hatte eine sogenannte mittragende Karosserie – nämlich Blech auf Rohrgestell – mit Fronttür und serienmäßigem Klappdach. Im Gegensatz zur berühmten, ebenfalls zu der Zeit angesagten BMW Isetta war die Lenksäule fest montiert und schwenkte nicht mit der Tür nach außen. Alle drei Räder hatten Schraubenfedern. Die hydraulische Fußbremse wirkte nur auf die Vorderräder, die Handbremse mechanisch auf alle Räder. (fws)

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