Frau Hofer, Ihr aktuelles Album heißt „Faith“ (Glaube/Vertrauen). Warum dieser Titel?

Faith steht hier für Hoffnung. In der Zeit, in der ich die Songs geschrieben habe, ist der Begriff für mich zu einem wichtigen Thema geworden. Ich bin aktive Tierrechtlerin und setze mich viel mit dem Leid in der industriellen Nutztierhaltung auseinander. Um da positiv gestimmt zu bleiben, brauche ich selbst die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Inwiefern unterscheidet sich das Album vom 2014-er Debüt „Yasi“?

Das neue Album ist definitiv „schwerer“ als mein Debüt, was daran liegt, dass ich hier eine siebensaitige Gitarre eignesetzt habe. Um mich selbst herauszufordern, habe ich auch viel mit unterschiedlichen Taktarten gearbeitet. Außerdem klingt das Album erwachsener – vor allem gesanglich ist eine Steigerung hörbar, denke ich.

War die Arbeit am zweiten Album schwieriger?

Es war viel schwerer. Da waren plötzlich Erwartungen, die ich dachte, erfüllen zu müssen. Das ist natürlich alles selbst gemachtes Kopfkino. Aber davon wieder wegzukommen und keine Angst zu haben, die Musik könnte nicht gefallen oder nicht gut genug sein, war nicht leicht. Dazu kommt, dass mit mehr Aufmerksamkeit auch mehr Leute von außen kommen, die meinen, alles besser zu wissen und mir den Weg weisen wollen. Ich musste mich davon komplett lösen, den Kopf freibekommen.

Die meisten Songs sind instrumental.

Ich sehe mich schon primär als Instrumentalistin. Ich verbringe die meiste Zeit damit, Gitarre zu spielen. Ich höre auch zum größten Teil Instrumental-Musik. Der Gesang wird für mich aber immer wichtiger und in Zukunft wohl auch eine zentralere Rolle spielen, da ich denke, dass ich wirklich was zu sagen habe.

Zu Anfang haben Sie Geige gelernt.

Ja, das stimmt und ich glaube, ich war damals sechs Jahre alt. Ich fand die Geige recht bald aber ziemlich uncool und war auch wirklich nicht gut darin.

Wann kam der Wechsel zur Gitarre?

Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich den Song „Eye of the Tiger“ von Survivor gehört und gedacht: Wie cool ist das denn! Von dem Moment an war mir klar, dass ich auch E-Gitarre spielen muss.

Mit 14 Jahren wurden Sie von US-Gitarrengenie Steve Vai zum Jammen auf die Bühne geladen – wie kam’s? dazu

Ich habe nach fünf Monaten angefangen, Steve Vai-Songs zu lernen. Anschließend habe ich Videos davon auf YouTube geladen und Kontakt zu Steve Vai aufgenommen. Er hat tatsächlich geantwortet und mir in E-Mails praktische Tipps und Übungen geschickt. Eines Tages kam von ihm die Anfrage, ob ich Lust hätte, bei einem seiner Gastspiele in Ulm auf die Bühne zu kommen, um mit ihm seinen Klassiker ‚Answers’ zu spielen.

Was bedeutet Steve Vai für Sie?

Steve Vai ist mein Mentor: Er hat mir immer gute Ratschläge gegeben und meine Fragen beantwortet. Seine Musik hat mich inspiriert und dazu gebracht, täglich stundenlang zu üben. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Haben Sie heute noch Kontakt zu ihm?

Ja, ich habe ihn Anfang des Jahres zu Hause in Kalifornien besucht und wir waren zusammen auf der NAMM-Show-Musikmesse in Anaheim.

Mit 15 brachen Sie die Schule ab, um an die Musikhochschule Stuttgart zu gehen. Was haben Ihre Eltern gesagt?

Die waren genauso wie ich davon überzeugt, dass es das Richtige für mich ist. Sie haben jeden Tag gesehen, wie viel Zeit und Arbeit ich in die Musik und das Üben stecke. Die wussten schon, dass ich dort meinen Weg gehen werde.

Warum haben Sie nach drei Semestern das Studium abgebrochen?

Mein Traum war schon mit 12 Jahren, irgendwann an das Berklee College Of Music in Boston zu gehen, da alle großen Gitarristen dort waren – wie auch Steve Vai. Nachdem ich die Zusage und das Stipendium dafür bekam, habe ich sofort meine Koffer gepackt.

Wieso sind Sie dann nach einem Jahr wieder zurückgekehrt?

Ich habe es dort geliebt und es war die bisher beste Zeit meines Lebens. Aber leider waren die Lebenskosten auf Dauer kaum zu stemmen. Da ich als internationale Studentin dort kein Geld verdienen durfte, waren nach einem Jahr die Konten leer.

Haben sich Ihre Erwartungen dennoch erfüllt?

Ja, sie wurden sogar übertroffen. Berklee ist wirklich der beste Ort für Musiker, die die Musik lieben und leben und die möglichst beste Ausbildung haben wollen. Es hat sich wirklich alles nur um Musik gedreht und ich habe unfassbar viel gelernt. Man hat jede Woche irgendwo Tests und Prüfungen und muss wirklich viel machen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Kann man in Deutschland von so einer Musik leben?

Den Markt einzuschätzen ist schwer, dazu kenne ich zu wenig Künstler, die ähnliche Musik machen. Ich bin aber überzeugt, dass man hier Geld damit verdienen kann. Man wird sicher nicht reich, aber das ist ja auch nicht der Grund, warum ich das mache.

Und was dürfen Besucher Ihres Konzerts von Ihnen erwarten, wenn Sie im Zollhaus spielen?

Ein sehr spaßiges, vielseitiges und intensives Musikprogramm.

Fragen: Thorsten Hengst
 

Zur Person

Yasmin Hofer – genannt Yasi – wurde 1992 geboren und wuchs in Ulm auf. Mit 12 tauschte sie die Violine gegen die E-Gitarre und übte täglich. Der US-Gitarrenmagier Steve Vai förderte ihr Talent. Sie brach vorzeitig die Schule in Ulm ab, um ein Studium an der Musikhochschule Stuttgart aufzunehmen. Yasi Hofer erhielt ein Stipendium für das renommierte Berklee College Of Musik in Boston, wo sie ein Jahr lang studierte. Nun hat die mittlerweile im Allgäu lebende Musikerin ihr Album "Faith" veröffentlicht.