Das Interesse war riesig und der Unmut war groß: Mehr als 70 Ferienwohnungsvermieter und Zweitwohnungsbesitzer waren bei einer Veranstaltung im Seeum, in der es darum ging, was die neuen wohnbaupolitischen Grundsätze für Ferienwohnungsvermieter oder alle, die neue einrichten möchten, bedeuten. Der Abend entwickelte sich aber etwas anders als geplant, denn Bürgermeister Matthias Weckbach musste auch Fragen von erzürnten Zweitwohnungsbesitzern beantworten.

Es zeigte sich schnell, dass viele Punkte des neuen Konzepts der Gemeinde noch unklar waren. Weckbach hatte auch eine Präsentation vorbereitet und umriss noch einmal kurz worum es geht und warum die neuen Regeln gelten. Er erklärte, dass von den 2752 Wohnungen in der Gemeinde rund 700 Zweit- und Ferienwohnungen sind. "Das sind fast drei Mal so viele wie im Neubaugebiet Haiden entstehen werden", sagt er, um einen bildlichen Vergleich geben zu können. Wenn die Ferien- und Zweitwohnungen also ungenutzt seien, stehe in der Gemeinde fast die dreifache Größe des Baugebiets leer. Gleichzeitig sind der bezahlbare Wohnraum knapp und die Kauf- und Mietpreise sehr hoch. Das Konzept soll gegensteuern – und Ferienwohnungen sind ein Teil des Konzepts – "ein kleiner Teil", betonte er. "Es gibt viel stärkere Eingriffe bei Bauherren als bei Ferienwohnungen."

Für alle Ferienwohnungen, die vor dem 26. Juni 2018 ordnungsgemäß gemeldet waren und betrieben wurden, gilt Bestandschutz. An diesem Tag hatte die Gemeinde die Sitzungsvorlage mit dem wohnbaupolitischen Programm veröffentlicht. Alle späteren Neuanträge werden nach dem vom Gemeinderat beschlossenen Konzept bewertet. Für die Altfälle sind allerdings pro forma noch Anträge auf eine Nutzungsänderung nötig, erklärte Weckbach. Denn baurechtlich gesehen, gelten Ferienwohnungen als gewerbliche Nutzung. Eine Ferienwohnung sei kein Wohnen, sondern eine Zweckentfremdung. "Das ist keine Entscheidung der Gemeinde, sondern eine Rechtsentwicklung", erläuterte Hauptamtsleiter Stefan Burger.

Die Gemeinde zielt darauf, alle Umgehungsversuche bei der Einrichtung von Zweit- oder Ferienwohnungen zu unterbinden. Die Folge: Einwohner können weiterhin neue Ferienwohnungen eröffnen, Auswärtige nicht. Neue Zweitwohnungen gibt es nicht."Es gibt einen Entwicklungspfad für Ferienwohnungen", versicherte Weckbach. Die Schaffung von neuen sei nur verlangsamt.

Es kamen sehr viele Fragen auf, vor allem erkundigten sich die Anwesenden nach ihren speziellen Einzelfällen. Einige fühlen sich in ihren Möglichkeiten stark beschränkt. Ein Bürger wollte wissen, warum eine Genehmigung nur widerruflich sei. Dies sei so, falls sich etwas ändere oder eine genehmigte Wohnung mit Mehrwert verkauft werden solle, so Weckbach. Falls die Voraussetzungen nicht mehr stimmen, könne die Gemeinde die Genehmigung zurückziehen. Ein anderer Ferienwohnungsbetreiber beschwerte sich, dass die Kleinen an die Kandare kämen und die großen Geld scheffeln dürften. Weckbach verwies hier darauf, wie stark die neuen Grundsätze Investoren einschränken und dass es eine Bagatellklausel für private Bauherren gebe. Eine Frau machte ihrem Ärger Luft, dass sie eine Wohnung nach dem 26. Juni gekauft habe und eine Ferienwohnung daraus machen wollte, nun die Neuregelung greife und ihr Plan nicht mehr möglich sei. Eine Bürgerin hakte bei den Bedingungen für neue Ferienwohnungen nach und wollte wissen, warum ein Minderjähriger nicht Besitzer sein dürfe. Sie stellte es sich so vor, dass jeder in der Familie zwei Ferienwohnungen besitzen könnte. Weckbach machte aber ganz klar: "Die Person muss mindestens 18 Jahre alt sein."

Ein Zweiwohnungsbesitzer meldete sich noch zu Wort und beschwerte sich, dass dies alles wie ein Schlag ins Gesicht für ihn sei und er sich unerwünscht vorkomme, obwohl er in Stockach geboren worden sei. "Wir wollen keinen, der eine Zweitwohnung hat, verteufeln, aber Wohnraum ist knapp geworden", erwiderte Weckbach. Es gebe keine Guten oder keine Bösen in dieser ganzen Angelegenheit. "Wir wollen einfach eine andere Entwicklung."

Die Diskussion lief schließlich auf eine große Befürchtung von Wohnungsbesitzern zu: Dass sie an Mietnomanden geraten könnten, wenn eine Wohnung keine Ferienwohnung werden könnte oder nach einem Wechsel vom Haupt- auf den Zweitwohnsitz in der Gemeinde die Wohnung als Zweitwohnung nicht erlaubt wäre und eine normale Vermietung die einzige Option wäre. Dabei kam auf, dass manche die Räume dann lieber leer stehen lassen würden, statt zu wenig Geld oder einen Mietnomaden zu bekommen.

Die Gemeinde befinde sich in einem Zielkonflikt, erklärte Weckbach noch. Es gebe den Tourismus, aber die Bürger müssten auch bezahlbaren Wohnraum finden können. Die Gemeinde will die Entwicklungen beobachten und ein Mal im Jahr Bilanz ziehen, wie das wohnbaupolitische Konzept greift. "In fünf Jahren wollen wir dann das gesamte Konstrukt nochmal anschauen", sagte Weckbach. "Die wirtschaftlichen Voraussetzungen könnten in fünf Jahren anders sein. Das Instrument ist dann vielleicht nicht mehr nötig."