Ganz groß, ganz spannend und extrem unterhaltsam feierte die Gemeinde am Seeend mit vielen hundert Gästen den nationalen Unesco-Welterbetag und den Tag der Städtebauförderung. „Mich macht es stolz, wie sich hier bei uns in den letzten 20 Jahren alles entwickelt hat“, sagte Bürgermeister Matthias Weckbach bezogen auf die städtebauliche Entwicklung von der Pfahlbauzeit bis heute.

Zwischen Hüpfburg, Kinderschminken und Essensmeile spielte die Blaskapelle vom Musikverein Ludwigshafen.

Mit zünftiger Blasmusik unterhält der Musikverein Ludwigshafen.
Mit zünftiger Blasmusik unterhält der Musikverein Ludwigshafen. | Bild: Gabi Rieger

Spannendes für Groß und Klein war auf der Wiese beim Zollhaus geboten. „Das Event ist sehr familienfreundlich und alle Angebote für die Kinder sind kostenfrei“, freute sich Besucherin Sandra Theiß, während ihr Sohn Elia seine Geschicklichkeit beim Schnüre zwirnen und Funkenschlagen erprobte.

Die Sonne schien, der See glitzerte, am Himmel fuhr ein Zeppelin vor der Kulisse in diesiges Licht getauchter Alpen. „Wow“ sagte Elke Simon aus Schramberg staunend, als im Rahmen der „Archäologie zum Anfassen“ die Beschaffenheit einer in Bodman gefundenen Kugelkopf-Nadel erläutert wurde.

„Kann ich Mehl machen?“, fragte ein Knirps und rieb Dinkelkörner zwischen zwei Reibsteinen. Zu Hause wolle er damit Kuchen backen. „Das erinnert mich ans Sensen-Dengeln“, meinte Victor Lindenmeier, als Friedrich Palmer mit Geweih und Stein eine Blattspitze aus Feuerstein schärfte.

Die Route des Wissenschiffs

„Das war interessant und anspruchsvoll“, sagte Gabi Zimmerli aus Ludwigshafen, als sie im Pulk mit anderen Passagieren dem Motorschiff Großherzog Ludwig entsteigt. Die Route vom Wissensschiff mit Erläuterungen des archäologischen Forschungstauchers Joachim Königer führte von Ludwigshafen über Bodman, Sipplingen und Überlingen.

Rund 35 Passagiere erleben die Fahrt mit dem Wissensschiff. Auch ein archäologischer Forschungstaucher vom Landesamt für Denkmalpflege ist mit an Bord.
Rund 35 Passagiere erleben die Fahrt mit dem Wissensschiff. Auch ein archäologischer Forschungstaucher vom Landesamt für Denkmalpflege ist mit an Bord. | Bild: Gabi Rieger

Auf dem Weg liegen an den Ufern neben zwei Welterbe-Stationen etwa zehn Pfahlbau-Stationen, bei denen neben den Bodmaner und Sipplinger Pfahlbauten auch der bemalte Wandbewurf von 3850 vor Christus Thema war. Er wurde um 1990 im Strandbad Ludwigshafen im Zuge einer Rettungsgrabung geborgen. „Das sind die ältesten Wandmalereien nördlich der Alpen„, betonte Köninger.

„Was hier am Bodensee relevant ist, ist die Jungsteinzeit“ erläuterte der Archäo-Techniker Friedrich Palmer, der mehr als 100 Werkzeuge aus der Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit präsentierte. „Das sind alles Replikate zur Demonstration“, sagte er und zeigte den Umstehenden, wie unsere Urahnen vor rund 200 000 Jahren aus Feuerstein-Rohmaterial mit Muskelkraft und Schlagsteinen ihre Werkzeuge zur Mammut- und Rentierjagd herstellten.

Eintauchen in die Eiszeit

Spannend und mit ansteckender Passion gestaltete der Experimental-Archäologe Rudolf Walter vom Team der Steinzeithandwerker sein facettenreiches Mitmach-Angebot rund um steinzeitliche Jagdtechniken. Er hatte die späte Eiszeit im Visier: Als sich die Gletscher vor etwa 15 000 Jahren zurückzogen, folgten der neuen Vegetation ihm zufolge riesige Rentier-, Bison- und Wildpferde-Herden.

Experimental-Archäologe Rudolf Walter mit steinzeitlichem Speer.
Experimental-Archäologe Rudolf Walter mit steinzeitlichem Speer. | Bild: Gabi Rieger

Die Zeitreise führte in tausend Jahresschritten von der Moderne bis zurück in die Eiszeit und sogar bis ins Jura, als die Alpen begannen, sich aufzufalten. „Wenn ich das könnte, dann wäre ich mit dem ersten Schritt in der Blüte des Klosters Reichenau, mit dem zweiten bei den Römern, mit dem fünften bei Ötzi und nach etwa 150.000 Schritten bei den Sauriern im Jura-Meer“, sagte Rudolf Walter.