Bodman-Ludwigshafen Archäologen setzen auf westlichen See

Forscher lieben das Ufer im Raum Bodman-Ludwigshafen: Denn hier, so glauben sie, schlummern noch viele Geheimnisse aus der Bronze- und Steinzeit.

Prähistorische Pfahlbauten gehören zu den wichtigsten archäologischen Quellen für die frühe Menschheitsgeschichte des 9. bis 1. Jahrhunderts vor Christus. Im Sommer 2011 hat das Unesco-Welterbekomitee die "Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen" zum universellen Erbe der Menschheit erklärt. Von 111 nominierten Stationen befinden sich 15 in Baden-Württemberg, darunter auch das so genannte Schachenhorn zwischen Bodman-und Ludwigshafen, wo in einem verlandeten Mündungsbereich der Stockacher Aach zwischen 1854 und 1866 eine Pfahlbausiedlung entdeckt wurde, die für die Früh- und Mittelbronzezeit wichtige Erkenntnisse über die Metallverarbeitung liefert. Und die Erforschung des Seegrundes nach prähistorischen Überresten ist noch lange nicht zu Ende.

Aus keiner anderen Pfahlbausiedlung des Bodensees seien so viele Funde geborgen wie am See-Ende, sage die Archäologen Helmut Schlichtherle und Joachim Köninger. Wie Tauchuntersuchungen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg ergeben, sind aber immer noch große Siedlungsbereiche unter Wasser und unter Uferauffüllungen erhalten. Im Seegebiet zwischen Bodman und Ludwigshafen liegen mindestens sieben sogenannte Uferrandsiedlungen Bodman-Schachen. Hier liegt ein Stück weit im See ein etwa 3000 Meter langes Pfahlfeld, das in die Unesco-Welterbeliste Eingang fand. Nach den bisher bekannten Funden wurde die Siedlung im Neolithikum (Jungsteinzeit) gegründet und reichte in die frühe Bronzezeit hinein. In der Bucht nördlich des Schachenhorns lassen auf eine größere Fläche verteilte Funde auf eine steinzeitliche Siedlung schließen. Auf dem Gelände des Campingplatzes Schachenhorn lag eine steinzeitliche Siedlung. Soweit noch erhalten, sind die Reste der Siedlung unter Aufschüttungen verschwunden.

Westlich der Gemarkungsgrenze Bodman-Ludwigshafen liegt ein 200 bis 300 Meter langes Pfahlfeld einer steinzeitlichen Siedlung, die bis zur Halde in den See hinaus reicht. Vor dem Strandbad Ludwigshafen, an der "Seehalde", liegt ebenfalls ein 200 bis 300 Meter langes Pfahlfeld einer steinzeitlichen Siedlung. Dort stießen Taucharchäologen auch auf Reste eines Kulthauses aus der Zeit um 3860 vor Christus, was einer archäologischen Sensation gleichkommt. Unweit der Ruine Kargegg fand man auf der schmalen Strandplatte hinter der Halde Reste von Holzpfählen, auf denen steinzeitliche Hütten gestanden haben. Am Bodmaner Seeufer "Im Weiler" und "Neustücker", westlich der Schiffslände ,liegt ein etwa 300 Meter langes Pfahlfeld einer steinzeitlichen und bronzezeitlichen Siedlung, aus der eine große Menge an Steingeräten, Tongefäßen und Gegenständen aus organischem Material geborgen werden konnten.

Die Auswertung der am Schachenhorn entdeckten Funde ergab, dass hier innerhalb von 500 Jahren vier Dörfer errichtet wurden, die jeweils nur für einige Jahrzehnte bestanden. Die teilweise umzäunten Pfahlbaudörfer umfassten bis zu neun Häuser, die in zwei Zeilen angeordnet waren. Und auch für die Zukunft darf man gespannt sein, was die Region Bodman-Ludwigshafen noch an Erkenntnissen über die frühen See-Siedler liefert.

Bodmaner Becher

Am Schachenhorn gibt es auch Keramikfunde aus der Bronzezeit. charakteristisch sind unter anderem unverzierte Henkelgefäße, die sogenannten Bodmaner Becher. Für die Keramik der späten Bronzezeit des 17. Jahrhunderts vor Christus ist an sich mit Ritzmotiven reich verzierte Keramik typisch. Die Funde vom Schachenhorn sind "der wichtigste Baustein zur Gliederung der Frühbronzezeit-Keramik des westlichen Bodenseegebietes sowie der Nord- und Ostschweiz", schreibt Bodo Dieckmann vom Landesamt für Denkmalpflege in einer Fachpublikation. (fws)

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