"Viele Architekten wundern sich, wie schnell wir wieder weg sind", betonte der Archäologe Georg Häußler bei seinem Vortrag im Bodmaner Seeum. Als Frühgeschichtler erläuterte er dezidiert Fragen zu Schichtabfolgen und Grundlagen der Feldarchäologie sowohl mit geophysikalischen wie klassischen Methoden. Lediglich archivfähige Informationen sind zur Erhaltung des Dokumentenwerks wichtig.

Als kompetenter Referent legte Häußler, Geschäftsführer der privaten Grabungsfirma Archaeotask, seinen Schwerpunkt auf den Grabungsalltag und die technischen Methoden der modernen Archäologie am Beispiel der beiden jüngsten Grabungen in Bodman-Ludwigshafen. So war beispielsweise zu erfahren, wie die Koordinierung von Ausgrabungen auf Großbaustellen funktioniert. In Bodman-Ludwigshafen musste kurzfristig auf die schweren Unwetter reagiert werden. "Wir mussten spontan Abläufe verändern, um den Notfall-Hochwasserschutz für Ludwigshafen umsetzen und gleichzeitig die Überreste vom mittelalterlichen Ludwigshafen retten zu können."

Archäologie kann förderlich für den Tourismus sein

Bodenverfärbungen zeigen an, wo die Gebäude der alten Ludwigshafener um 800 nach Christus einst standen. "Wir interessieren uns generell für das Thema", erklärte die Ingenieurin Regina Modenbach, warum sie zu diesem inspirierenden Vortrag gekommen war. Ihr Mann Thomas, mit dem sie seit zweieinhalb Jahren in Bodman lebt, habe sich vor seiner Ausbildung zum Techniker mit dem Gedanken getragen, Archäologie zu studieren. "Das höre ich sehr oft", sagte der Referent schmunzelnd, "die meisten studieren dann aber etwas anderes, denn Archäologie genießt den Ruf der brotlosen Kunst." Wie vielseitig und spannend und durchaus wirtschaftsfördernd für den Tourismus Archäologie sein kann, wurde bei diesem Vortrag in Variationen deutlich.

Große Veränderungen gebe es derzeit in Baden-Württemberg in der Denkmalpflege. So dürften inzwischen die meisten Grabungen unter der Aufsicht des Landesdenkmalamts von privaten Firmen durchgeführt werden. Häußler nutzte die Gelegenheit, die positive Sozialkompetenz seiner Firma mit derzeit 14 Mitarbeitern zu betonen.

Drohnen ermöglichen schnelleres Arbeiten

Warum Archäologen mittlerweile gern mit Drohnen arbeiten? "Damit erspart man sich viel Zeit für Vermessungen von archäologischen Überresten", betonte der Referent. Er stellte dar, wie der Stand der Technik den Archäologen ein schnelleres und genaueres Arbeiten ermöglicht. Häußlers Äußerung: "Der Traum jedes Archäologen ist die Latrine" zählte zu den Bonmots am Rande. Die Funde von Alltagsgegenständen dort sind am aussagekräftigsten.