Die am Samstag, 18. April, veröffentlichte neue Fassung der Landesverordnung zur Corona-Krise lässt die örtlichen Veranstalter von Festen ratlos zurück. „Da ist nichts geregelt“, kritisiert der Reichenauer Kultur- und Tourismusleiter Karl Wehrle. Wie in der Regierungserklärung vom vergangenen Mittwoch heißt es nur, dass bis zum 31. August keine Großveranstaltungen erlaubt sind, aber nicht, bis zu wie viel Personen etwas erlaubt ist. „Es fehlt die Definition“, moniert Wehrle. „Im Moment hängen alle Veranstalter in der Luft.“

Wehrle ist der Hauptorganisator des Wein- und Fischerfests auf der Insel Reichenau (geplant vom 31. Juli bis 2. August). Er verweist auf eine schriftlich nicht fixierte Aussage von Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach der Regierungserklärung am vergangenen Mittwoch, dass Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen in Baden-Württemberg vielleicht möglich sein könnten. Wenn das gelten würde, so Wehrle: „Dann kann das Wein- und Fischerfest nicht an diesem Termin stattfinden.“ Er wolle aber in den nächsten Tagen mit Vertretern der beteiligten Vereine, ob man sich auf einen Ersatztermin im September festlegen solle. „Die Vereine leben zum Teil von diesem Fest“, spricht er die finanzielle Bedeutung an. Wobei eine Verlegung in den September natürlich genauso unsicher wäre, weil niemand wisse, ob das Verbot verlängert werde.

Ludwig Egenhofer kritisiert fehlende Konkretisierung bei Großveranstaltungen

Ludwig Egenhofer, einer der Hauptorganisatoren des Seetorfeschts (geplant 24. bis 26. Juli) der Allensbacher Vereine, kritisiert ebenfalls die fehlende Konkretisierung, was als Großveranstaltung gilt. „Wir warten ab.“ Letztlich könnten das die Vereine sowieso nicht entscheiden, sondern die Gemeinde müsste das Fest genehmigen. Doch Egenhofer meint: „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Seetorfescht stattfindet, ist gering. Nach dem heutigen Stand: eher nein.“

Über ein schönes Kapellenplatzfest in Kaltbrunn freuten sich im Vorjahr (von links) Feuerwehrkommandant Boris Böck sowie die Besucher Jan und Sabine Carstensen mit Romy und Nora, Marco und Susanne Rinderspacher, Sascha Kaiser und Barbara Weltin. Doch Böck erklärt, für dieses Jahr sei das Fest abgesagt.
Über ein schönes Kapellenplatzfest in Kaltbrunn freuten sich im Vorjahr (von links) Feuerwehrkommandant Boris Böck sowie die Besucher Jan und Sabine Carstensen mit Romy und Nora, Marco und Susanne Rinderspacher, Sascha Kaiser und Barbara Weltin. Doch Böck erklärt, für dieses Jahr sei das Fest abgesagt. | Bild: Zoch, Thomas

Zumal wenn tatsächlich 1000 Personen die Obergrenze wäre. „Dann wird das bei uns auch nicht stattfinden.“ Allein von den Vereinen seien bereits rund 150 Personen zur Bewirtung auf dem Festplatz. Auch die neue Fassung der Landesverordnung gilt bis 15. Juni. Wenn dann wieder mehr erlaubt wäre an Festen, dann wäre theoretisch noch Zeit das Seetorfescht zu organisieren. Allerdings würde das dann davon abhängen, was es an Auflagen zur Sicherheit und Hygiene gäbe. Und wenn in der Region alle Feste angesagt würden, dann könne auch kein Seetorfescht stattfinden, meint Egenhofer.

Kaltbrunner Kapellenplatzfest bereits abgesagt

Die Feuerwehr-Abteilung Kaltbrunn hat derweil am Samstag,, 18. April, ihr Kapellenplatzfest (20.21. Juni) abgesagt. „Wir haben entschieden, dass wir es ausfallen lassen“, erklärt Kommandant Boris Böck, selbst wenn es erlaubt wäre, wie er anfügt. „Man muss es nicht darauf anlegen.“ Es gehe auch um die Verantwortung für potenziell Betroffene. Die Einnahmen werden zwar für die Kameradschaftspflege fehlen, doch: „Der Verlust ist verschmerzbar“, so Böck. Man überlege aber, ob man im Herbst spontan ein Kirbifest mache, was es früher gab. Freilich mit dem Zusatz: „Es ist noch nicht klar, ob das möglich wäre.“

Sehr fraglich ist auch das Gartenfest der Musikkameradschaft Langenrain-Freudental (geplant 26. bis 28. Juni). Dirigent Lothar Bottlang erklärt zwar, dass müsse man noch intern und mit der Gemeinde besprechen, aber: „Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.“ Wenn es eine Obergrenze von 1000 Personen gäbe, dann läge man mit dem Gartenfest wohl gerade so an der Grenze. Aber eine solche Zahl allein sage ja nichts aus. Man könne beim Gartenfest am Waldrand nicht den Zugang kontrollieren und auch nicht gewährleisten, dass Abstandsregeln eingehalten würden. „Das spielt sich auf dem ganzen Festplatz ab.“

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