Unter den stetig steigenden Corona-Zahlen und den immer schärferen Beschränkungen durch die Politik leiden insbesondere auch Vereine, deren Aktivitäten immer mehr zum Stillstand kommen. Edwin Braun und Karl Wehrle, die Vertreter der Vereine aus Allensbach und Reichenau, befürchten durch das nicht absehbare Ende der Pandemie einen nachhaltigen Schaden für das Vereinsleben in den beiden Gemeinden.

Das sagen die Vereinsvorstände

„Die Hoffnung fehlt“, meint Braun, der eine kleine Umfrage unter Vorständen gemacht hat. „Der Optimismus ist heute auf einem ganz anderen, niedrigeren Niveau als vor einem Jahr.“ Schon damals hatten er und Wehrle berichtet, wie der soziale Zusammenhalt und die Motivation durch den Lockdown gelitten hatten. „Wir waren zuversichtlich, dass 2021 wieder vieles möglich ist“, erklärt Wehrle. Im Sommer habe es auch Hoffnung gegeben, das Vereinsleben sei wieder in Gang gekommen. Entgegen der Befürchtungen seien die meisten Mitglieder bei der Stange geblieben. „Wir dachten, wir sind mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen“, so Wehrle, der die jetzige Situation bildlich ausdrückt: „Das ist wieder ein Niederschlag wie beim Boxen. Der zweite ist schlimmer als der erste. Es ist nichts mehr überschaubar und planbar.“ Und mancher werde sich da sagen: „Ich fahre nicht mehr auf Sicht – ich lass‘ es sein.“

Die Verteretr der Vereine Karl Wehrle (Reichenau/links) und Edwin Braun (Allensbach) berichten, dass mittlerweile durch die Pandemie immer mehr Probleme enstehen bei der ehrenamtlichen Arbeit – zunehmend auch finanziell. Deshalb sei es dankesnwert, dass die Sparkasse Reichenau 60.000 Euro augeschüttet habe für die Vereinsarbeit.
Die Verteretr der Vereine Karl Wehrle (Reichenau/links) und Edwin Braun (Allensbach) berichten, dass mittlerweile durch die Pandemie immer mehr Probleme enstehen bei der ehrenamtlichen Arbeit – zunehmend auch finanziell. Deshalb sei es dankesnwert, dass die Sparkasse Reichenau 60.000 Euro augeschüttet habe für die Vereinsarbeit. | Bild: Zoch, Thomas

Braun betont: „Ein großes Thema ist der soziale Zusammenhalt.“ Die Vereine hätten kaum noch die Möglichkeit, wenigstens in kleiner Runde zusammenzusitzen – höchstens noch mit 2G-Regel und Abstand. Von Veranstaltungen ganz zu schweigen. Da werde es immer mühsamer, Mitglieder und vor allem auch Jugendliche zu motivieren. „Das ist sehr schwierig, wenn ich nichts bieten kann“, so Braun. Er nennt als Beispiel die Ringer des Kraftsportvereins und den Musikverein bei der Ausbildung des Nachwuchses. „Mit Kindern und Jugendlichen beginne ich nach zwei Jahren von Neuem.“ Dabei gebe es Bedenken, ob die Kinder dann überhaupt für einen zweiten Anlauf bereit seien. Durch den Wegfall von Veranstaltungen stelle sich die Frage, wer sich später mal noch als Helfer zur Verfügung stellt.

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Wehrle fügt an: „Was man merkt, ist das Problem des sozialen Auseinanderdriftens.“ Musiktreibende Vereine zum Beispiel würden in der Regel auf ein paar Konzerte im Jahr hin proben. So habe etwa der Männergesangverein Badenia einen Auftritt im Münster geplant und die Bürgermusik ein Konzert in der Inselhalle. Und nun: „Alles abgesagt. Der Lohn ist ja oft auch der Applaus, die Anerkennung. Das fehlt. Das ist auch ein sozialer Aspekt.“ Manch älteres Mitglied höre als Aktiver vielleicht früher auf als eigentlich geplant. „Es wird für Vereine sicher eine personelle Problematik nachfolgen.“ Man könne nur hoffen, dass viele Mitglieder ihren Vereinen treu bleiben und bei einem Neustart mitmachen, wenn die Pandemie vielleicht mal überwunden sei, so Wehrle, denn: „Vereinsarbeit ist wichtig für das soziale Gefüge in den Gemeinden.“

Braun nennt als weiteres zunehmendes Problem die finanzielle Lage vieler Vereine. Schon voriges Jahr fehlten Seetorfescht, Weinfest und andere Feste als wichtige Einnahmequelle. Damals hätten aber viele auch noch ein kleines finanzielles Polster gehabt. Nachdem erneut Feste ausgefallen sind und des Zuschauerbeschränkungen bei Veranstaltungen gab, ist die Finanzlage schlechter geworden. Wehrle kann dies aus Reichenauer Sicht bestätigen. „Es wird mühsam, wenn man einen längeren Zeitraum überbrücken muss.“

Eine große Geste an die Vereine

Umso dankenswerter finden die Vereinsvertreter gerade in dieser schwierigen Zeit, dass die Sparkasse Reichenau wie in den Vorjahren Spenden an alle, mehr als 100 Vereine in den beiden Gemeinden, ausgeschüttet hat – insgesamt 60.000 Euro. Wehrle sagt: „Das ist außergewöhnlich. Andere Banken, die das auch könnten, tun es nicht.“ Hier zeige sich die besondere Verbundenheit der Sparkasse mit den Vereinen. Letzteres betonten auch die Sparkassen-Chefs Günter Weber und Alexander Bertram bei der symbolischen Scheckübergabe an Braun und Wehrle. Weber betonte, die Vereine seien für das gesellschaftliche Leben wichtig und bräuchten gerade in diesen Zeiten Unterstützung. „Wir versuchen zu helfen, so gut es geht.“ Bertram berichtet: „Das wird sehr gewertschätzt. Die Schreiben, die wir von den Vereinen bekommen, signalisieren das.“