„Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da“ – der alte Schlager erklingt aus einem Lautsprecher im Garten des Pflegeheims Maria Hilf in Hegne. Clownin Kleo und Clown Hans Im Glück tänzeln zur Musik über den Rasen, schwenken die Arme und schneiden Grimassen. Bei einer Heimbewohnerin, die im Rollstuhl sitzt, bewegen sich die Lippen. Sie singt wohl ganz leise mit. Und lächelt leicht, ebenso wie die betagte Schwester, die neben ihr in einem Gartenstuhl sitzt – und mit den Füßen sanft im Rhythmus wippt.

Die Heimbewohnerinnen verfolgten aufmerksam das lustige Treiben der Clowns. Mit ihren Auftritten wollen die Clowns ein Stück Leichtigkeit vermitteln.
Die Heimbewohnerinnen verfolgten aufmerksam das lustige Treiben der Clowns. Mit ihren Auftritten wollen die Clowns ein Stück Leichtigkeit vermitteln. | Bild: Zoch, Thomas

Andere Heimbewohnerinnen sitzen auf der Terrasse der Cafeteria, weitere stehen oder sitzen an den Fenstern und erfreuen sich an den Späßen und Liedern der beiden Rote-Nasen-Clowns. Und ihre Freude haben auch Schwester Regina Teresa Zimmermann, die Oberin des Pflegeheims, Heimleiter Florian Loewenberg, Claus Lehmann vom sozialen Dienst, der die Visiten koordiniert, sowie weitere Schwestern und Mitarbeiter. Ganz besonders gegen Ende der gut halbstündigen Show, als Kleo und Hans mal ganz große, mal viele kleine Seifenblasen mit Schnüren an Stöcken hervorzaubern und in die Luft werfen. Da geht schon mal ein leichtes Raunen durch den Garten. Heimleiter Loewenberg erklärt: „Das befreite Lachen bei uns im Haus tut so gut – nach all den Entbehrungen für Mitarbeitende und vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner.“

Die Clowns Hans im Glück und Kleo zauberten viele Seifenbasen aus ihren Schnüren und warfen diese in die Luft.
Die Clowns Hans im Glück und Kleo zauberten viele Seifenbasen aus ihren Schnüren und warfen diese in die Luft. | Bild: Zoch, Thomas

Für die Bodenseeregion im Einsatz

Kleo, alias Sandra Schüssler, und Hans im Glück, der im wahren Leben Carlos Lumbrera Calvo heißt, gehören zu einem sechsköpfigen Clown-Team, das für den in Berlin ansässigen Verein Rote Nasen Deutschland in der Bodenseeregion im Einsatz ist. Seit Mai 2019 macht das Team alle zwei Wochen eine Visite im Pflegeheim des Klosters Hegne. Außerdem besuchen die Mitglieder regelmäßig das Franziskus-Zentrum in Friedrichshafen, erklärt Sandra Schüssler, die als Projektleiterin des Clown-Teams fungiert. Weitere Heime in der Bodenseeregion könnte man gern auch besuchen. „Mit sechs Clowns kann man noch gut ein paar Häuser dazu nehmen“, erklärt sie.

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Auch an den Fenstern des Pflegeheims verfolgten Schwestern die Späße und Lieder der Clowns im Garten.
Auch an den Fenstern des Pflegeheims verfolgten Schwestern die Späße und Lieder der Clowns im Garten. | Bild: Zoch, Thomas

Sie seien alles professionelle und vielseitige Künstler und auch medizinisch geschult. In den Pflegeheimen machen die Rote-Nasen-Clowns normalerweise ihre Visiten in den Zimmern der Bewohnerinnen und Bewohner. „Wir sind ausgebildet für eine Eins-zu-Eins-Begegnung“, erklärt Sandra Schüssler. Der nahe Kontakt sei ein Anliegen, „damit die Clown-Visiten das erreichen, was sie erreichen sollen: Leichtigkeit, Lachen, eine Herzensbegegnung. Wir sind so was wie Krisen-Künstler.“ Es gehe darum, über einen Perspektivenwechsel einen anderen Impuls zu geben.

Direkter Kontakt fehlt

Wegen der Corona-Pandemie gab es allerdings zeitweise gar keine Clown-Visiten im Hegner Pflegeheim, und seit Kurzem gibt es sie wegen der nach wie vor geltenden Besuchsverbote nur noch im Freien als Fenster-Visiten. „Es ist schön, aber es ersetzt den direkten Kontakt nicht“, sagt Schüssler. Und erklärt: „Wir machen jetzt mehr Shows mit den großen Gefühlen und Farben.“ So wie mit den schillernden Seifenblasen, die diesmal die betagten Bewohnerinnen besonders erfreuten. Das sei immerhin ein Vorteil der Freiluft-Visite, so die Clownin lächelnd. Denn: „In den Zimmern geht das mit den Seifenblasen nicht.“