Dem Allensbacher Trinkwasser muss auch weiterhin Chlor beigemengt werden, um jegliches Risiko auszuschließen. „Vorsorglich findet eine Desinfektion statt. Die Konzentration des Chlors an den Trinkwasseranschlüssen liegt dabei aber deutlich unter dem meldepflichtigen Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Liter Trinkwasser“, betont Hauptamtsleiter Stefan Weiss in einer Mitteilung der Gemeindeverwaltung.

Stefan Weiss ist seit fast sechs Jahren in Allensbach Hauptamtsleiter.
Stefan Weiss ist seit fast sechs Jahren in Allensbach Hauptamtsleiter. | Bild: Thomas Zoch | SK-Archiv

Am 8. September war in dem Dorf am Untersee eine Verunreinigung des Trinkwassers gemeldet worden. Die Verwaltung hatte in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises ein Abkochgebot erlassen. Drei Tage später konnte durch den Einsatz des Wasserversorgers Stadtwerke Radolfzell und der Mitarbeiter der Gemeinde Entwarnung gegeben werden. Seither, so Weiss, sei das Trinkwasser wieder bedenkenlos nutzbar.

Neue Verunreinigung nicht ausgeschlossen

Aber es bleibt eine Restgefahr, wie Weiss verdeutlicht: „Bei der Ursachenforschung wurde festgestellt, dass der Brunnenkopf am Tiefbrunnen Setze eine Undichtigkeit aufweist.“ Das Eindringen von Oberflächenwasser in den Schacht des 48 Meter tiefen Brunnens östlich der Bodanrückhalle sei daher nicht mehr ausgeschlossen.

Bild 2: Nicht naturbelassen: Allensbachs Trinkwasser wird weiterhin gechlort
Bild: Müller, Cornelia

Vorsorglich werde deshalb dem Trinkwasser weiterhin eine geringe Menge Chlor beigemischt und somit einer möglichen Verunreinigung entgegengewirkt. Außerdem nehme man regelmäßig Wasserproben – und zwar häufiger, als die Trinkwasserverordnung das vorschreibt.

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Derzeit wird laut Weiss zweimal wöchentlich die Wasserqualität geprüft sowie zusätzlich zweimal wöchentlich der Chlorgehalt im Trinkwasser bestimmt und wenn nötig die Dosierung angepasst. In den nächsten Wochen solle gemeinsam mit den Stadtwerken Radolfzell und Fachplanern eine Strategie zur Sanierung des Tiefbrunnens Setze erarbeitet werden. Ein Termin sei wegen der komplexen Planungen noch nicht absehbar, so Weiß zum SÜDKURIER. Klar ist aber, dass der Brunnen in der Zeit der Sanierung nicht zur Verfügung steht und deshalb eine Notwasserversorgung gewährleistet werden muss.

Versorgt Hegne bald Allensbach?

Auch deshalb prüfe man, ob sich der Hauptort Allensbach zeitweise aus anderen Anlagen, etwa dem Tiefbrunnen Hegne, versorgen lasse. Hegne war ebenso wie die anderen Allensbacher Teilorte Kaltbrunn und Langenrain-Freudental nicht von der Verunreinigung betroffen. Zudem diskutiert die Gemeinde mit dem Gesundheitsamt über eine Alternative zur momentanen Desinfektion mit Chlor.

„Zwar ist die Wasserqualität auch bei Chlorung unbedenklich und unterhalb des Grenzwerts der Trinkwasserverordnung; mit einem andern Verfahren besteht aber die Möglichkeit, dass bis zur Sanierung des Tiefbrunnens auch wieder naturbelassenes Wasser an die Hausanschlüsse geliefert werden kann“, erklärt der Hauptamtsleiter. Und löst auf Nachfrage auf: Gemeint sei eine Behandlung des Wassers mit UV-Strahlen. Anlagen mit Ultraviolettstrahlung gelten als umweltfreundliche lokale Alternative, Keime und Krankheitserreger im fließenden Wasser abzutöten. Die hohe Dosierung des UV-Lichts schädigt den Zellkern von Mikroorganismen und verhindert die Zellteilung. Keime sterben ab.

Bisher kein Krankheitsfall bekannt

Ein Fall von gesundheitlichen Beschwerden durch das kurzzeitig verunreinigte Trinkwasser in Allensbach ist bisher laut Weiss nicht bekannt geworden. Im Wasser waren Kolibakterien festgestellt worden. Deshalb erging am 8. September an alle Bürger im Kernort die Anweisung, das Leitungswasser abzukochen, bevor sie davon trinken oder damit kochen. Eigentlich dürften überhaupt keine derartigen Keime im Wasser nachweisbar sein. Die Grenzwerte lägen bei Null, erläuterte Lars Kießling, Technischer Leiter bei den Stadtwerken Radolfzell.

Schuld an der Verunreinigung waren starker Regen Ende August und ein Kanal, der wegen eines Defekts verstopft war. Dadurch hatte es laut Kießling einen Rückstau des Abwassers gegeben, und Keime waren ins Freie gelangt. Tage später sei dann der undichte Tiefbrunnen mit den Keimen verunreinigt gewesen.

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Was folgte, waren eine gründliche Reinigung der Trinkwasseranlagen und des Leitungsnetzes – und die Feststellung, dass der Brunnen saniert werden muss. Die Beschädigungen befinden sich laut Stefan Weiss im Brückenkopf, also oben am Schacht. Dort sitzen auch die vier Pumpen, die das gesammelte Quellwasser aus der Tiefe nach oben holen.