Ein bisschen Fasnet darf und wird es geben in den Gemeinden Allensbach und Reichenau. Aber die Bürgermeister Stefan Friedrich und Wolfgang Zoll betonen, dass die Narretei natürlich nur im Rahmen der geltenden Corona-Verordnung erlaubt sei. Und deshalb hätten die Gemeinden auch keine Veranstaltungen genehmigt. „Da haben wir keinen Ermessensspielraum“, klärt Friedrich auf. Das habe er den Narrenpräsidenten kommuniziert, „ich habe Vertrauen in die Vereine.“

Die Reichenauer schmücken ihre Häuser, so wie es sich an Fasnacht gehört. An der Hauswand, wie könnte es anders sein, eine Fahne der Grundel.
Die Reichenauer schmücken ihre Häuser, so wie es sich an Fasnacht gehört. An der Hauswand, wie könnte es anders sein, eine Fahne der Grundel. | Bild: NV Grundel/Ralf Blum

Bürgermeister sieht keinen Verstoß

Dass in Allensbach bereits Bändel über den Straßen hängen und am Wochenende ein Narrenbaum beim Adler heimlich gestellt wurde, sehe er nicht als Verstoß, sagt Friedrich: „Der Narrenbaum tut ja keinem weh.“ Die Verwaltung habe ja selbst den Weihnachtsbaum vor dem Rathaus zum Narrenbaum umgestaltet, weil dieser ohnehin schon stand. Also könnten Narrenbaum und Bändel auch dort bleiben. Wenn sich dort allerdings Gruppen zum Feiern versammeln sollten, müsste die Gemeinde dagegen vorgehen. Doch darauf achte man generell – auch vor und nach der Fasnacht. „Es gilt gleiches Recht für alle“, betont Friedrich. Da spiele es keine Rolle, ob die Leute Häser tragen oder nicht. Der Ordnungsdienst der Gemeinde habe nicht die Anweisung, an der Fasnacht verstärkt zu kontrollieren.

Narren suchen keine Schlupflöcher

Es sei selbstverständlich, dass die Narren Wege suchen werden, ihr närrisches Gemüt zu zeigen, sagt Stefan Friedrich. Aber sie würden dabei nicht nach Schlupflöchern suchen, ist er überzeugt. Eine Machtübernahme im Rathaus werde es jedoch nicht geben. „Dem Narrenverein fehlt die Legitimation, einfach so ins Rathaus zu marschieren.“ Er sei zwar anwesend am Schmotzige Dunschtig, aber: „Es ist nichts geplant und ich erwarte nicht, dass was passiert“, sagt Friedrich.

Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich: „Der Narrenbaum tut ja keinem weh.“
Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich: „Der Narrenbaum tut ja keinem weh.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Er finde es zudem schön, dass etliche Leute in Allensbach und den Ortsteilen bereits ihre Häuser und Gärten närrisch geschmückt haben. „Wir wollten ja, dass die Leute sich dem Thema Fasnacht kreativ annehmen.“ Dass das Rathaus am Fasnetmäntig geschlossen sei, obwohl keine richtige Fasnacht stattfinden darf, habe verwaltungstechnische Gründe, erklärt Friedrich. Die Verwaltung habe bereits im Herbst mit dem Personalrat den Kalender abgesprochen, an welchen Tagen geschlossen sei. Das solle jetzt nicht kurzfristig geändert werden.

Das ist los auf der Reichenau

Eine Machtübernahme hatte der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll zunächst mit den Narrenvereinen Grundel (Insel) und Pfaffenmooser (Waldsiedlung) besprochen. Dass einige Elferräte in den Klosterhof kommen und die Verwaltung an den Fenstern sein könnte. Er habe zunächst gedacht, dass dies unter Einhaltung der Regeln machbar sei, so Zoll. „Aber dann ist mir klar geworden, dass das nicht im kleinen Kreis möglich ist und Leute anzieht.“

Reichenaus Bürgermeister Wolfgang Zoll: „Regeln müssen gelten.“
Reichenaus Bürgermeister Wolfgang Zoll: „Regeln müssen gelten.“ | Bild: Optik Photo Hepp

Es wäre das falsche Signal gewesen, dass doch närrische Veranstaltungen möglich seien und Regeln außer Kraft gesetzt würden. „Regeln müssen gelten“, betont Zoll, so auch beim Narrenbaum, den der Narrenverein natürlich nicht im üblichen Rahmen aufstellen könne. Aber es gebe Überlegungen, dass dies eine Handwerkerfirma im Auftrag der Gemeinde an einem unbekannten Zeitpunkt unter Einhaltung der Regeln übernehme. Das sei in der Adventszeit mit den Weihnachtsbäumen ja auch möglich gewesen.

Wolfgang Zoll lobt Ideenreichtum

Und auch der Reichenauer Bürgermeister lobt den Ideenreichtum der Narren, unter diesen Umständen ein bisschen Fasnachtsatmosphäre zu schaffen – vor allem mit dem seit Samstag laufenden Grundel-Rennen. „Das finde ich kreativ und gut“, sagt Zoll. Aber auch an den Stationen müssten natürlich die Regeln eingehalten werden, betont er. Der Gemeindevollzugsdienst (GVD) werde durchaus präsent sein auf der Insel, habe aber keine extra Anweisung, verstärkt zu kontrollieren. Damit wäre der GVD überfordert. Kontrollen angekündigt habe aber die Polizei – auch mit Kräften von auswärts.

Ludwig Egenhofer: „Regeln müssen gelten.“
Ludwig Egenhofer: „Regeln müssen gelten.“

Die Ankündigung des Konstanzer Polizeipräsidiums, dass die Polizei sehr restriktiv vorgehen werde, stößt allerdings auch bei den Narrenvereinen in Allensbach und Reichenau auf Unverständnis. Man schließe sich der Presseerklärung an, die die Verbandspräsidenten am Wochenende veröffentlicht haben. „Ich bin mehr als irritiert, wie auf die Narren in diesen Tagen Druck gemacht wird“, sagt Alet-Präsident Ludwig Egenhofer. Das sei nicht verhältnismäßig. „Von den Bürgerinnen und Bürgern wird immer eigenverantwortliches Handeln verlangt. Und wenn es dann zum Schwur kommt, wird der Bürger in einer Art und Weise entmündigt, wie ich dies bisher nicht kannte. Warum ausgerechnet an der Fasnet verstärkt Corona-Kontrollen durchgeführt werden sollen, verstehe ich nicht“, betont Egenhofer.

„Die jungen und älteren Narren werden sich an die Corona-Regeln halten, wie sie dies tagtäglich tun“, ist Egenhofer überzeugt. „Wie oft hören wir, welchen Stellenwert das Ehrenamt und die Vereine in unserer Gesellschaft haben. Diese speziell für die Fasnet verschärften Maßnahmen sind ein Schlag ins Gesicht, das wird bei den Ehrenamtlichen Spuren hinterlassen“, meint der Alet-Präsident.

Fasnetsonntag des Alet

An die frische Luft dürfe man ja auch an der Fasnet gehen, und dies solle man dann im Häs machen und andere mit Ho Narro! grüßen, so sein Appell. Als zusätzliche Aktion hierfür lade der Alet am Fasnetsonntag zu einem Familienumzug ein (siehe Info). „Der Alet wird an der Fasnet nicht im Gnadensee untertauchen, er wird seinen Kopf vorsichtig aus dem Wasser strecken“, kündigt Egenhofer an.

Grundel-Elfer Ralf Blum: Wir versuchen, unsere Gelassenheit zu behalten. Wir haben noch eine ganz gute kleine Lösung.“
Grundel-Elfer Ralf Blum: Wir versuchen, unsere Gelassenheit zu behalten. Wir haben noch eine ganz gute kleine Lösung.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Ralf Blum, der Fasnachtsbetriebsleiter der Reichenauer Grundel, erklärt, der Elferrat wolle sich nicht weiter äußern zur Ankündigung der Polizei. Er unterstreiche die Stellungnahme der Verbandspräsidenten, meint Blum lapidar: „Wir versuchen, unsere Gelassenheit zu behalten. Wir haben noch eine ganz gute kleine Lösung.“

Frustration in Dettingen-Wallhausen

Bändelaufhängen oder gar einen kleinen Narrenbaum aufstellen, lasse sich vermutlich mit den derzeit geltenden Beschränkungen durch das Ausgehverbot nicht vereinbaren, ist Marina Lehmann überzeugt. Die stellvertretende Zunftmeisterin und Betriebsleiterin der Narrenzunft Moorschrat aus Dettingen-Wallhausen hört sich sichtlich frustriert an, als sie dem SÜDKURIER berichtet. „Sprachlos und ratlos“ seien sie und ihre Narrenratskollegen manchmal. Es werde laufend analysiert, was möglich sei. Digital ist einiges möglich, wie ein Bunter Abend mit den Lieblingsbeiträgen der vergangenen Jahre. Diese stehen seit Samstag auf der Homepage der Moorschrat. „16 Beiträge sind es; Dauer zwei Stunden und 45 Minuten“, verkündet Marina Lehmann stolz. Die Stücke seien so ausgewählt und zusammengestellt, dass der Ablauf einem echten Bunten Abend ähnelt.

An SÜDKURIER-Wettbewerb teilgenommen

Erfreulich ist laut der Betriebsleiterin, dass bereits einige Bewohner dem Aufruf bereits gefolgt seien, Häuser und Gärten fasnächtlich zu schmücken. Marina Lehmann rechnet damit, dass bis zum Schmotzigen Dunschtig noch weitere dazukommen. Beim SÜDKURIER-Wettbewerb um das schönste Fasnachtsvideo ist die Narrenzunft Moorschrat ebenfalls dabei.