Im Rahmen des baden-württembergischen Modellprojekts „Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten“ hat Allensbach die Chance, das Ortszentrum seines Ortsteils Kaltbrunn attraktiver und zu einem zentralen Treffpunkt zu machen. Der zentral gelegen Kapellenplatz sei keine Begegnungsstätte, so Ortsvorsteherin Elisabeth Müller. „Es wäre schön, wenn sich dort die Leute treffen.“ Aktuell wird der kleine Platz meist zum Parken genutzt.

Doch die Allensbacher Verwaltung, der Ortschaftsrat und der Lokale-Agenda-Arbeitskreis Wir in Kaltbrunn (AK) hätten die Ortsmitte etwas weiter gefasst, erklärt Müller. Es gehe auch um die Markelfinger Straße (westliche Ortsdurchfahrt), um die Straße Im Bündt mit Spielplatz und um das Kinderhaus. Begleitet und beraten werden die lokalen Akteure von einem auswärtigen Planungsbüro, das vom Land finanziert wird.

Bürgerbeteiligung ist gefragt

Die Agenda-Beauftragte Brigitte Bautze betont, dass bei diesem Projekt die Bürgerbeteiligung wichtig sei. Und so habe als erster von drei Projekt-Bausteinen im Juli eine Ortsmitten-Veranstaltung stattgefunden, die sehr gut besucht war. Müller meint: „Die Kaltbrunner sind sehr interessiert, was mit ihrem Dorf passiert, und haben gute Vorschläge gemacht.“

Zum Teil seien diese auch sehr konkret und gut umsetzbar. Wobei es beim Kapellenplatz geteilte Meinungen gebe, ob dort weiter Autos parken sollen. Gewünscht worden sei zum Beispiel eine Sitzbank beziehungsweise mehrere Bänke auch an anderen Stellen im Ort.

Stolperfallen im Pflaster

Brigitte Bautze erklärt, dass auch Stolperfallen im Pflaster moniert worden seien, die durch die Wurzeln des dortigen Baums entstanden sind. Das Pflaster ist aber auch an anderen Stellen schadhaft. Denkbar wäre als größere Lösung also auch ein neuer Belag. „Da warte ich auf die Vorschläge der Planer“, sagt Elisabeth Müller. Denn diese würden die Vorschläge sammeln und ordnen und daraus eine Planungsvorlage erstellen.

Für sie als Ortsvorsteherin sei es aber wichtig, dass der Platz weiter von der Feuerwehr für deren Kappelenplatz-Fest genutzt werden könne. „Es sollten bewegliche Gegenstände auf dem Platz sein. Aber ich denke, da finden wir eine gute Lösung.“

Tempo 30 für Markelfinger Straße?

Ein großes Anliegen im Ort sei zudem eine verkehrsberuhigte Markelfinger Straße – zum Beispiel mit Tempo 30 und Parktaschen, so Ortsvorsteherin Müller: „Den Wunsch gibt es schon lange. Das wird bei Verkehrsschauen aber immer wieder vom Landratsamt (LRA) abgelehnt.“ Und dieses müsste zustimmen, weil es eine Kreisstraße ist, betont die Ortsvorsteherin.

Sie habe aber die Hoffnung, dass das LRA den Wünschen der Bürger eher Gehör schenke, wenn das Planungsbüro die Vorschläge mache. Wobei klar sei, dass die Straße auf jeden Fall für den landwirtschaftlichen Verkehr weiter befahrbar sein müsse.

Befragung im Kinderhaus

Die Agenda-Beauftragte Brigitte Bautze erläutert weiter, dass als zweiter Projekt-Baustein Mitte September das Personal und vor allem auch die Kinder des Kinderhauses nach ihren Vorschlägen befragt werden sollen. Denn diese seien oft im Kaltenbrunner Zentrum unterwegs. Auch das soll in die Vorlage des Büros einfließen.

Bis Ende des Jahres sollte dieser Entwurf vorliegen. Und mit den gesammelten Erkenntnissen sollen sich dann zunächst der Ortschaftsrat und Mitglieder der Lokalen Agenda in einer moderierten, aber nicht-öffentlichen Veranstaltung befassen. Müller fügt an, dass anschließend der Gemeinderat darüber entscheiden müsse. „Dann geht es darum, welche Vorschläge nimmt man, was ist umsetzbar, und wie hoch ist die finanzielle Förderung des Landes.“ Denn Letzteres wisse man aktuell noch nicht.

Kräuterbeet auf dem Spielplatz

Wobei die Ortsvorsteherin lächelnd anfügt: „Wir warten nicht nur darauf, dass von oben alles geregelt wird.“ So habe sie zusammen mit dem Agenda-Arbeitskreis bereits eine Anregung aufgegriffen, die vor einem Jahr beim AK-Gründungsabend von Bürgern gekommen sei: Ein kleines Kräuterhochbeet wurde auf dem Spielplatz angelegt.

Das Kräuterbeet auf dem Spielplatz: Ein Beitrag der Agenda-Gruppe Wir in Kaltbrunn.
Das Kräuterbeet auf dem Spielplatz: Ein Beitrag der Agenda-Gruppe Wir in Kaltbrunn. | Bild: Thomas Zoch

Die Umrandung aus Holz habe ein Bauhof-Mitarbeiter in seiner Freizeit gebaut, AK-Mitglieder hätten das Beet bepflanzt, nachdem sie zuvor verschiedene Standorte dafür geprüft hätten, so Müller. „Der Spielplatz ist ideal“, meint die Ortsvorsteherin. Dann könnten die Kinder sehen und lernen, wie Kräuter wachsen, aussehen und riechen.

Bücherschrank an der Bushaltestelle

Außerdem sei man bereits dabei, einen Bürgervorschlag aus der Juli-Veranstaltung umzusetzen, so Müller und Bautze. Das habe man ganz unbürokratisch angeleiert: An der Bushaltestelle gegenüber des Kinderhauses werde ein Bücherschrank aufgestellt.

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Da könne man sich ein Buch nach Wahl nehmen – und im Gegenzug auch gerne wieder eines rein stellen, so wie das andernorts schon praktiziert werde. „Der ist für alle frei zugänglich und wird von jemand betreut“, so Elisabeth Müller. Sie selbst werde ein paar Bücher für den Grundbestand spenden. Wann der Schrank aufgestellt wird, ist noch offen.