Wie wohl überall am See zog es am sommerlichen Wochenende auch in Allensbach und auf der Insel Reichenau viele Einheimische und Gäste ins Freie und vor allem ans Seeufer. Viele machten Picknicks auf Bänken oder Decken und holten sich Essen zum Mitnehmen in einem Restaurant – verbunden mit einigem Verpackungsmüll.

Dabei stellten sich sowohl Touristiker als auch Gastronomen und Gäste bis zur Entscheidung des Landes an Christi Himmelfahrt die Frage, wann wenigstens die Außengastronomie wieder öffnen darf.

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Karl Wehrle: „Klare Perspektive fehlt“

Der Reichenauer Tourismuschef Karl Wehrle meint, dann würde das alles auch geordneter ablaufen. Es gebe ja die Hygienekonzepte. „Ich frage mich schon, warum man das nicht umsetzt. Es ist eine zu lange Wartezeit. Das erzeugt Müdigkeit, Frust über das lange Hinauszögern.“ Zumal in den angrenzenden Ländern Schweiz und Österreich schon wieder mehr möglich ist.

Außerdem hätten andere Bundesländer wie Bayern wenigstens eine Öffnungsstrategie mit Terminen, was in Baden-Württemberg fehle. „Man kann uns nicht einfach ständig hinhalten. Es braucht klare Daten und längere Vorlaufzeiten“, betont Karl Wehrle. „Es fehlt eine klare Perspektive.“

Die Regelungen mit den Inzidenzen seien viel zu kompliziert, meint der Tourismuschef. Die Betriebe in Gastronomie und Hotellerie könnten nicht von heute auf morgen aufmachen, sie bräuchten ja auch geeignetes Personal. Und davon sei in den vergangenen Monaten schon mancher in andere Berufe abgewandert.

Das könnte auch zukünftig für Probleme sorgen, weil es noch schwieriger werde, gutes Personal zu finden. Und auch die Tourist-Informationen und Kommunen müssten sich auf die Öffnung vorbereiten können – zum Beispiel mit genügend Testkapazitäten.

Campingplatz Sandseele: Aus Situation lernen

Beim Campingplatz Sandseele ist Pächterin Caroline Motz zuversichtlich, dass die Außengastronomie bald wieder öffnen dürfe. Doch sie bestätigt: „Mit dem Personal von Null auf 100 hochzufahren ist schwierig.“ Bei ihr auf dem Platz seien auch noch nicht alle Mitarbeiter, diese seien teils noch im Ausland und müssten dann möglicherweise nach der Einreise erst noch in Quarantäne.

„Wir sind immerhin schon gut organisiert durch das To-Go-Geschäft“, so Caroline Motz. Seit rund drei Wochen biete man Essen zum Mitnehmen, die Karte habe man etwas umgestellt auf mehr Fingerfood oder Wraps. Allerdings öffne man die Küche nur bei schönem Wetter – wie eben zuletzt am Wochenende. Vor allem am Sonntag sei viel los gewesen, viele Gäste hätten sich etwas zum Essen geholt, aber zu voll sei es nicht gewesen, erklärt Caroline Motz. „Unser Strand ist ja groß. Da saß keiner dem anderen auf dem Schoß.“

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Wobei die erfahrene Campingplatz-Betreiberin anmerkt, dass man aus der besonderen Situation auch einiges lernen könne. So habe man zum Beispiel auf recycelbare Verpackungen umgestellt und das Recup- und Rebowl-System eingeführt, also Pfandbecher und -schüsseln. „Das kommt super an. Das wollen wir beibehalten.“ Und was sich im Selbstbedienungs-Restaurant ebenfalls bewährt habe, sei, dass die Leute mit Abständen Schlange stehen – und sich nicht wie früher eine Menschentraube um die Theke bilde. „Das funktioniert reibungsloser“, hat Caroline Motz festgestellt.

Noch schwieriger als die Lage in der Gastronomie finde sie das Thema Campingplatz – vor allem die Frage, wann und unter welchen Bedingungen Durchgangscamper kommen dürften, so Motz. Da gehe es darum, ob sie die Sanitäranlagen für die Gäste öffnen dürfe oder ob dieser autark in ihrem Fahrzeug sein müssten. Die nötige Hygiene könne man eigentlich nur gewährleisten, wenn die Sanitäranlagen offen seien. So oder so fehlten dem Campingplatz aber wie schon im Vorjahr bereits wieder die Einnahmen von zwei Monaten.

Seegarten-Restaurant: „Gastronomen-Herz tut weh“

Im Seegarten-Restaurant in Allensbach hat Pächter Rainer Brandt ähnliche Erfahrungen gemacht. Essen zum Mitnehmen laufe gut bei schönem Wetter, weil dann viele unterwegs seien. Und sein Restaurant lebe von der Laufkundschaft. Gerade am Muttertag seien viele gekommen und hätten sich dann mit ihrem Essen auf Bänke oder Decken auf die Wiese gesetzt.

Wobei Brandt betont, er könne es absolut nicht nachvollziehen, warum er dann nicht seine Terrasse mit Abstand zwischen den Tischen öffnen dürfe. Dann könne man das Geschehen entzerren. „Natürlich tut mit das Gastronomen-Herz weh, wenn die Terrasse leer ist. Das ist für die Gäste nicht nachvollziehbar. Man kann‘s den Leuten nicht erklären. Es warten alle Gäste darauf, dass sie wieder auf die Terrasse dürfen.“

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Schließlich habe das mit dem Corona-Hygienekonzept im vergangenen Sommer einwandfrei funktioniert. Die Gäste hätten sich sicher und wohl gefühlt; und es habe auch keinen einzigen Corona-Fall gegeben, betont Restaurant-Betreiber Rainer Brandt. Die Crux sei für ihn die Gleichbehandlung aller Gastronomiebetriebe. Die Terrasse im Seegarten sei ja nicht das gleiche wie beispielsweise eine Kellerbar in Konstanz. Und zudem habe er noch weiter investiert, zum Beispiel in Desinfektionsspender und fange jetzt außerdem mit der Luca-App an.

Auch der Seegarten-Pächter hat in dieser Saison nun das Pfandgeschirr-System Recup und Rebowl eingeführt. Und wie die Familie von Caroline Motz auf der Reichenau hat er zwar noch nicht wieder alle Mitarbeiter in seinem Betrieb, aber die meisten, um gerüstet zu sein, wenn die Öffnung möglich sei. Seine Leute würden halt in Kurzarbeit jeder ein paar Stunden am Tag arbeiten, erklärt Rainer Brandt: „Wir fangen nicht bei null an.“ Wobei auch er trotz ordentlicher Nachfrage beim To-Go-Geschäft betont: „Es läuft gut, aber es ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“