„Die Galgenvögel werden bis kommende Fasnacht wachsen“, meint Stefan Egenhofer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Allensbach (Aga), schmunzelnd und klopft währenddessen der Narrengestalt auf die Schulter.

Natürlich sind die Exponate von Alet, Hansele und Galgenvogel ebenfalls im Archäologie- und Heimatmuseum ausgestellt, schließlich zählt Fasnacht zu Brauchtum und Kulturgut der Gemeinde. Zumal mit dem Galgenvogel ein närrischer Fingerzeig auf die Historie von Allensbach gegeben wird, der aufgrund der aktuellen archäologischen Ausgrabungen des Allensbacher Galgenackers mit Sensationsfunden an Aktualität gewonnen hat. Das gibt den Galgenvögeln natürlich Aufwind und dem Archäologie- und Heimatmuseum Allensbach ebenso.

Auch Akten zum Thema Richtstätte aufgetaucht

„Wenn die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen vorliegen, werden wir diesen Ausstellungsbereich erweitern“, kündigt Stefan Egenhofer an. Dass es einen Galgenacker gegeben hat, war längst bekannt, aber aufgrund der außergewöhnlichen Funde wird es noch mehr Fakten zur Historie geben.

„Jüngst habe ich zufällig beim Aufräumen die Kopie eines Verzeichnisses von Allensbacher Akten gefunden“, erzählt Egenhofer. Unter der Rubrik „Verbrechen“ werde hierin ein Thurgauer namentlich erwähnt, der zum Tod am Galgen verurteilt worden war.

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses Thema ist nur ein kleiner Teil der Ausstellung, welche nicht nur die Archäologie einschließt. Die Steinzeit ist das Steckenpferd von Stefan Egenhofer, selbst begeisterter Sammler steinzeitlicher Funde.

Mit spürbarer Begeisterung präsentiert er die geologische Sammlung, anhand derer er die Entstehung der Landschaft erläutert, denn: „Bis vor 150 Millionen Jahren war hier alles vom Meer bedeckt“, so Egenhofer, der sodann einen seiner Lieblingsfunde zeigt: Das Schulterblatt eines Mammuts, gefunden in Allensbach.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Jungsteinzeit und damit die Pfahlbauten liegen ihm besonders am Herzen, schließlich gehört die Pfahlbausiedlung am Allensbacher Strandbad zum Weltkulturerbe. Originalfunde, aber auch Repliken sind ausgestellt, um auch mit der Herstellung von Steinbeilen, Hornwerkzeug und der Feuersteinbearbeitung vertraut zu machen, um nur wenige Beispiele zu nennen.

1949 gründet sich der Verein, 1962 eröffnet das Museum

Der geschichtliche Bogen spannt sich über die Alemannen bis hin zur jüngsten Vergangenheit der Heimatgeschichte. „1949 wurde der Verein gegründet, um alte Dinge auszustellen“, so Egenhofer. Das Ziel war, nicht nur in Wort und Schrift, sondern auch anhand von Gegenständen aus dem Dorf die Heimatgeschichte aufzuzeigen.

Vor der Gründung des Museums anno 1962 wurden die Bürger aufgerufen, alte Sachen zu bringen. So gelangten beispielsweise zwei Putten und eine Skulptur der einstmaligen Kapelle zu Cappeln ins Museum. Als das Kirchlein 1821 abgebrochen wurde, damit der Friedhof erweitert werden konnte, hätten Nachbarn sakrale Gegenstände mit nach Hause genommen, um ihre Gebäude letztlich zu besonderen Anlässen, beispielsweise Fronleichnam, zu schmücken, erzählt Egenhofer.

Das könnte Sie auch interessieren

Das bunte Allerlei der Heimatgeschichte ist faszinierend. In einer Vitrine liegen beispielsweise das spätgotische Schwert um 1500 und der Florettdegen um 1600 neben dem Säbel von Engelbert Weltin, dem Freischarführer der badischen Revolution anno 1848. „Alles Waffen, die bei Allensbacher Bürgern vorhanden waren“, betont Stefan Egenhofer.

Von der Waffenkunde ist es nicht weit zur Wirtschaftskunde, denn im Heimatmuseum werden auch prunkvolle Reservistenkrüge präsentiert. „Zu Kaisers Zeiten hatten alle Soldaten, die in Ehren heimgeschickt wurden, ihren Krug mit ihrem eigenen Konterfei, den sie im Wohnzimmer aufs Büffet stellten“, erzählt Egenhofer. Über den Krügen hängt passenderweise ein mit „Flirt im Wirtshaus“ betiteltes Gemälde von Albert Kindler, einem bedeutenden Allensbacher Maler.

Kleine Waffenkunde im Heimatmuseum mit historischen Stücken aus dem Fundus von Allensbacher Bürgern.
Kleine Waffenkunde im Heimatmuseum mit historischen Stücken aus dem Fundus von Allensbacher Bürgern. | Bild: Scherrer, Aurelia

Gleichzeitig füllt das Heimatmuseum eine Lücke. Dem Maler und preisgekrönten Schriftsteller Fritz Mühlenweg ist ein eigenes Museum in Allensbach gewidmet. Seine Frau Elisabeth, ebenfalls renommierte Künstlerin, wird dort nur am Rande erwähnt. Das findet Stefan Egenhofer schade.

Sonderausstellung für die Allensbacher Bürger

Während Fritz Mühlenweg ständig in der Weltgeschichte unterwegs war, „hat sie die große Familie versorgt und sich sehr in Allensbach engagiert“, betont Egenhofer und gibt gleich ein Beispiel: „Für jedes Klassenzimmer der Schule hat sie 1960 ein eigenes Kreuz gemacht, passend zur Wandfarbe.“ Ihr ist ein eigener Bereich im Museum gewidmet.

Gerade für Allensbacher interessant ist die aktuelle Sonderausstellung, welche mit zahlreichen Fotografien die baulichen Veränderungen in der Ortsmitte im Verlauf der vergangenen 150 Jahre beispielhaft aufzeigt.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.