Beim Gang durch eine der Werkhallen zeigt Seniorchef Karl-Heinz Späth beiläufig auf kaputte Zimmertüren aus einem Altbau. „Das müssen wir jetzt auch wieder richten“, sagt der 61-jährige Zimmermeister und Dachdecker. „Von der kleinsten Flickarbeit bis zu den größten Gebäuden“ reiche das Spektrum seines Traditionsbetriebs Holzbau Späth. Seit rund 130 Jahren gibt es den Familienbetrieb in Allensbach. Und es sollen weitere Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit folgen. Denn seit dem Sommer sei nun sein Sohn Tobias Späth der eigentliche Chef – in der fünften Generation.

Ein Einstieg vor bereits fünf Jahren

Der 30-jährige Zimmer- und Dachdeckermeister war bereits 2016 in die Geschäftsführung der Holzbau Späth GmbH eingestiegen, er war schon für EDV, Technik und Maschinen zuständig, aber vor allem auf Baustellen im Einsatz. Nach und nach habe er nun die diversen Jobs im Büro und in der Verwaltung der Firma übernommen – wie Arbeitsvorbereitung, Kundenbesuche, Auftragsabwicklung. „Nach außen hin bin ich jetzt der Frontmann“, sagt Tobias Späth. Auf Baustellen sei er eigentlich nur noch zum Kontrollieren oder wenn jemand krankheitsbedingt ausfalle. Sein Vater bleibe zwar in der Geschäftsführung, wirke aber im Hintergrund.

Die energetische Sanierung von Dächern macht einen immer größeren Teil der Arbeit aus bei Holzbau Späth. Mit diesem Modell kann der ...
Die energetische Sanierung von Dächern macht einen immer größeren Teil der Arbeit aus bei Holzbau Späth. Mit diesem Modell kann der Betrieb Kunden zeigen, wie die Dämmung aufgebaut wird. | Bild: Zoch, Thomas

Aber nicht nur der erneut familieninterne Wechsel an der Spitze spricht dafür, dass der Traditionsbetrieb viel Zukunft vor sich haben könnte. „Wir sind gut ausgelastet“, erklärt Karl-Heinz Späth. Zum einen liegt der Holzbau seit Jahren im Trend. Und Tobias Späth ist sicher: „Das wird immer mehr Thema werden.“ Holz sei nicht nur ein hochwertiger, sondern eben auch ein natürlicher, nachhaltiger Baustoff. Während etwa bei der Herstellung von Beton viel CO2 anfalle, nehmen Bäume bekanntlich den klimaschädlichen Stoff auf und speichern diesen. Mittlerweile würden auch schon Werkhallen oder hohe Häuser aus Holz gebaut.

Mehr Produktion in der Werkstatt

Und der Holzbau habe den Vorteil, dass viel in der Werkhalle vorgearbeitet werden könne – etwa Wände, Dachstühle oder Gaupen. Das gehe im Betrieb besser und schneller, sei sicherer und weniger wetterabhängig als auf der Baustelle, wo dann nur noch montiert werden müsse. Für Bauherren habe das zudem den Vorteil, dass ein Haus dann in wenigen Tagen aufgebaut werden könne. Karl-Heinz Späth erklärt, er habe deshalb schon in den 1980er-Jahren den Versuch begonnen, so viel wie möglich in der Werkstatt vorzuproduzieren. Was in ihrem Betrieb zudem in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe, seien Sanierungen, berichten die Späths, vor allem die energetische Modernisierung von Dächern und Fassaden.

Für Tobias Späth ist das ein sehr wichtiger Beitrag zum Klimaschutz: „Wenn man sieht, was aus den Dächern herausgeheizt wird – da ist sehr viel Potenzial, um die Klimaziele zu erreichen.“ Wobei Karl-Heinz Späth erklärt, dass sie auch als Dämmmaterial vor allem Holzweichfaser anstatt Styropor oder Mineralwolle verwenden. Und das Holz, das der Betrieb verarbeite, stamme in der Regel aus der Region. Wobei Holz im vergangenen Jahr wie manch andere Rohstoffe und Materialien zeitweise knapp war, weshalb die Preise stark stiegen. Mittlerweile sei Holz zwar wieder gut verfügbar, aber der Preis habe sich „auf hohem Niveau eingependelt“.

Was zudem für die Zukunft des Familienbetriebs spricht, ist sein Motto: „Alles aus einer Hand.“ Karl-Heinz Späth berichtet, dass das Leistungsspektrum nach und nach ausgebaut worden sei: um Dachdeckung, Flachdachbau, Baublechnerei. Mittlerweile könne das Unternehmen beim Hausbau etliche Gewerke abdecken: vom Dach inklusive Fenster über die Wände bis zum Innen- und Trockenausbau mit Böden, Türen, Treppen. Das mache die Abläufe einfacher und schneller, sagt der Seniorchef, und habe für Bauherrn den Vorteil, dass dieser nur einen Ansprechpartner habe.

Viele große Projekte in der Region

In den vergangenen Jahrzehnten hat Holzbau Späth so schon bei vielen größeren Projekten in Allensbach und der Region maßgeblich mitgewirkt. So habe man zum Beispiel die Dächer gemacht im benachbarten Neubaugebiet am Mühlbach, berichtet Karl-Heinz Späth, die Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet gebaut, die Zimmer- und Dacharbeiten bei der Rathaussanierung vor einigen Jahren gemacht, arbeite viel für den Konstanzer Spar- und Bauverein bei der energetischen Sanierung alter Häuser. Und habe zum Beispiel auch bei der Moschee in Konstanz vor rund 20 Jahren die Kuppel und Minarettspitze gefertigt – das seien mit Blech verkleidete Leimholzkonstruktionen.

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Die Pandemie erschwere natürlich auch in ihrem Betrieb die Arbeit. Es sei logistisch eine Herausforderung, weil zum Beispiel nur maximal zwei Mitarbeiter in einem Fahrzeug sitzen dürfen. Hinzu komme der Zeitaufwand zum Beispiel für die häufigen Tests. Es seien zwar alle im Betrieb geimpft, sagt Karl-Heinz Späth, aber die Firma biete auf freiwilliger Basis zusätzlich Tests an. Ein bis drei Mal die Woche setzte das jede Mitarbeiter um. „Es wird angenommen“, sagt der Seniorchef, „die Mannschaft ist vernünftig.“ Und Tobias Späth erklärt, dass es zwar ein paar Mal Ausfälle gegeben habe, weil Mitarbeiter als Kontaktperson von Infizierten in Quarantäne mussten, aber bisher habe es keinen keinen positiven Corona-Fall in der Belegschaft gegeben.

Es arbeiten 24 Kollegen bei dem Unternehmen

Die stetige Ausbildung des Nachwuchses sei wichtig, erklärt Karl-Heinz Späth. Zumal es auch in diesem Handwerk schwierig sei, Fachkräfte zu finden. Das betreffe auch ihren Familienbetrieb, weil etliche Mitarbeiter schon viele Jahre dabei seien und nun nach und nach einige in Rente gehen. Wobei der neue Chef Tobias Späth auch gerne selbst, wie einst, wieder mehr selbst Hand anlegen würde: „Das Handwerk fehlt mir schon. Das ist mein Fleisch und Blut. Ich schau‘ schon, immer wieder mal eine Lücke frei zu schaufeln, damit ich raus kann. Aber das ist selten“, sagt er.