Die Gemeinde Allensbach möchte mehr für den Klimaschutz tun. Im vergangenen Jahr wurde bereits ein Klimarat gebildet, um entsprechende Themen besser diskutieren zu können. Und nun ist ein Klimaplan in Arbeit, der Ziele und Maßnahmen zur CO2-Einsparung benennen soll.

Einen Entwurf hierzu habe der Arbeitskreis Energie, Ressourcen, Klimaschutz der Lokalen Agenda ausgearbeitet, erklärt Brigitte Bautze, die Agenda-Beauftragte der Gemeinde. Es sei geplant, dass der Gemeinderat im Herbst darüber diskutiere und entscheide. Bautze meint, es sei an der Zeit, „dass wir mal die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Die Aufgaben, die anstehen, sind konkret im Klimaplan beschrieben.“

Ehrgeizige Ziele bereits 2006

Zumal sich der Gemeinderat bereits 2006 ehrgeizige Klimaziele gesetzt hatte. Bis 2020 sollte der CO2-Ausstoß in der Gesamtgemeinde um 50 Prozent gegenüber 2002 reduziert werden, und bis 2050 um 83 Prozent. 2010 wurden dann die Ziele für öffentliche Gebäude noch einmal verschärft. Hier sollte es bereits bis 2020 eine Reduktion um 83 Prozent geben.

Brigitte Bautze, Lokale-Agenda-Beauftragte der Gemeinde Allensbach.
Brigitte Bautze, Lokale-Agenda-Beauftragte der Gemeinde Allensbach. | Bild: Thomas Zoch

Diese Ziele seien aber bisher nicht erreicht worden, erklären Brigitte Bautze und der Energieexperte Stefan Werner vom AK Energie. Umso ambitionierter klingt nun der Entwurf des Klimaplans. Bautze meint: „Das muss es sein, sonst kriegen wir nichts hin.“ Wobei die Gemeinde doppelt aktiv werden solle: Zum einen soll sie selbst Maßnahmen umsetzen und als Vorbild dienen, zum anderen bei den Bürgern für mehr Engagement in Sachen Klimaschutz werben.

Bis 2045 komplette CO2-Kompensation

Im Entwurf des Klimaplans steht als Leitziel, dass die Gemeinde bis 2030 eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 75 Prozent gegenüber 2020 erreichen soll, und bis 2045 eine komplette CO2-Kompensation. Hierzu soll zum einen die Leistung von Photovoltaik-Anlagen bis 2030 ausgebaut werden. Zur Beschaffung der Liquidität für Investitionen in den Klimaschutz soll der Aufbau lokaler Institutionen möglichst bis 2022 vorbereitet werden.

Besonders ehrgeizig klingt das Ziel beim motorisierten Verkehr. Dieser soll bis 2030 zu mindestens 75 Prozent mit regenerativen Energien angetrieben werden. Zudem sollen Fahrten mit privaten Autos reduziert werden, und der Umweltverbund Fuß, Fahrrad, Bus und Bahn gestärkt.

Lokaler Ökostrom für Allensbach

Ferner steht ein lokaler Ökostrom-Tarif im Entwurf: Spätestens ab 2023 soll es in Allensbach klimafreundlichen Strom zu kaufen geben, der zu einem Großteil in Anlagen in der Gemeinde selbst erzeugt wird. Ein weiteres Ziel lautet: Bis 2030 werden alle Heizungen auf Basis von Öl und Gas auf Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerke beziehungsweise Brennstoffzellen umgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Relativ leicht umsetzbar klingt das nächste Ziel: Zur Steuerung flexibler Anlagen je nach dem Angebot erneuerbarer Energien und zur Vermeidung von Überlastungen des Netzes soll bis 2025 das Stromnetz der Gemeindewerke Bodanrück durch moderne Technik „intelligent“ werden, Smart Grid genannt. Zudem soll der Heizenergiebedarf der Gebäude durch Dämmung bis 2030 um mindestens 20 Prozent gesenkt werden.

Nahwärme und Wasserstoff

Ein weiteres Ziel lautet, dass die Gemeinde bis 2030 in allen geeigneten Quartieren Nahwärmenetze installieren sollte. Und ferner heißt es im Entwurf: Zur Förderung der Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energien wird ein Förderprojekt initiiert, das bis 2025 umgesetzt wird.

Zudem soll die Gemeinde den Energieverbrauch der öffentlichen Gebäude und Fahrzeuge bis 2026 zu 100 Prozent aus regenerativen Energien decken. Um zu sehen, ob die Ziele erreicht werden, soll die Gemeinde für jedes Jahr eine maximale CO2-Ausstoßrate festlegen und regelmäßig überprüfen.

Personal reicht nicht aus

Über den Entwurf des Klimaplans hatte der Klimarat schon im Juli gesprochen. Bürgermeister Stefan Friedrich wies darauf hin, dass die Aufgaben nicht mit dem bestehenden Personal bewältigt werden könnten. Es bräuchte einen extra Klimaschutzmanager. Darüber solle der Klimarat in seiner nächsten Sitzung diskutieren und das Ergebnis dann dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen. Falls dieser zustimmt, wäre eine Besetzung der Stelle wohl frühestens Anfang 2022 möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Im Klimarat wurde außerdem über eine Solaroffensive der Gemeinde gesprochen, so Brigitte Bautze. Hierfür seien bereits alle öffentlichen Gebäude erfasst und klassifiziert worden. „Manche Gebäude erscheinen für die sofortige Umsetzung möglich.“ Bei anderen – wie etwa den Campingplätzen oder der Riesenberghalle – fehlten noch statische Berechnungen. Favorisiert für ein Solardach werde momentan der Bauhof, so Bautze. Ein solches gibt es seit 2004 auf der Bodanrückhalle. Es wurde vom Agenda-AK Energie als Bürgersolardach initiiert und realisiert.