Innen pfui, außen hoffentlich hui, so lautet sozusagen das Motto der Fasnacht 2021 auf dem Bodanrück. Eine Saalfasnacht wird es nicht geben, also keine Bunten Abende, Bälle oder Partys in Hallen. Aber wenigstens im Freien wollen die Vereine kleinere, dorfinterne Veranstaltungen abhalten – ohne Werbung und immer unter dem Vorbehalt, was im Februar angesichts der Corona-Pandemie erlaubt sein wird.

Das sagen die Alet in Allensbach:

Die Allensbacher Narren wollen die Fasnacht zumindest eröffnen – traditionell am 11.11. am Mühlebach. „Der Fisch wird aus dem See geholt“, kündigt (Noch-)Präsident Ludwig Egenhofer an. Die Narrenräte fangen hierzu immer einen Alet im Bach. Doch es sollen nur kleine Abordnungen der Allensbacher Narrengruppen dabei sein, erklärt Egenhofer. Es werde kein verdienter Narr ausgezeichnet, der Fanfarenzug werde nicht spielen, es gebe keinen Ausschank, es werde kein Fasnetprogramm und kein Fasnetmäntig-Motto verkündet.

Alet aus Kaltbrunn: Es winkt Präsident Ludwig Egenhofer, links Peter Sonntag im Hanselehäs und rechts Sonja Wieser als Galgenvogel.
Alet aus Kaltbrunn: Es winkt Präsident Ludwig Egenhofer, links Peter Sonntag im Hanselehäs und rechts Sonja Wieser als Galgenvogel. | Bild: Zoch, Thomas

Es soll keinen Massenauflauf geben

Und das Narrenvolk werde auch nicht aufgefordert, am Mühlebach mit dabei zu sein. „Wie viele dann da sind, wird man sehen. Es soll keinen Massenauflauf geben“, sagt Egenhofer. Die Eröffnung könne nur stattfinden, wenn die Gemeinde das genehmige. Am 5. November gebe es zum Thema Fasnacht eine Besprechung mit Bürgermeister Stefan Friedrich und Vertretern der Vereine aus den Ortsteilen. Denn es soll möglichst eine einheitlich geregelte Fasnacht in allen Dörfern geben.

Einige Ideen für Narretei im Freien

An der eigentlichen Fasnet im Februar könne sich der Narrenverein Alet „draußen, je nach aktueller Situation, die eine oder andere Veranstaltung vorstellen“, sagt der Präsident. „Wir haben schon ein paar Ideen. Diesmal ist die Spontaneität gefragt.“ Und am Schmotzige Dunschtig wolle man am Wecken, an der Absetzung des Bürgermeisters sowie am Narrenbaumstellen festhalten. Einen Hemdglonkerumzug werde es aber wohl nicht geben. Und zum traditionellen Fasnetmäntig-Umzug erklärt Ludwig Egenhofer: „Stand heute: eher nicht.“ Es werde aber auf jeden Fall ein Narrenblatt geben. Und der Alet rufe die Bevölkerung auf, vom Schmotzige bis Dienstag Narrenhäser zu tragen. „Es ist ja Fasnet“, sagt Egenhofer.

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Das sagen die Schlafkappen Hegne:

Auch im Schatten des Klosters ist eine Fasnacht­eröffnung am 11.11. geplant. „Die Schlafkappe wecken wir auf“, erklärt Präsident Simon Malkmus. Und der Verein wolle dann auch einen Umzug durchs Dorf veranstalten mit dem fahrenden Tuk-Tuk-Bett. „Damit die Leute merken: Jetzt geht‘s los“, sagt Malkmus. Aber auch hier gelte: Nur wenn es die Gemeinde erlaubt. Und für den Februar kündigt Malkmus an: „Die Hegner Narren werden eine Fasnacht fürs Dorf machen, aber die wird ganz anders werden als sonst.“ Klein, fein und draußen solle das sein. „Wir werden alles, was man unter freiem Himmel machen kann, durchführen.“

Simon Malkmus von den Hegner Schlafkappen: „Die Hegner Narren werden eine Fasnacht fürs Dorf machen, aber die wird ganz anders werden als sonst.“
Simon Malkmus von den Hegner Schlafkappen: „Die Hegner Narren werden eine Fasnacht fürs Dorf machen, aber die wird ganz anders werden als sonst.“ | Bild: Zoch, Thomas

„Das Schlimmste, was man machen kann, ist, wenn man nichts macht.“

Denn dann würden die Leute möglicherweise in andere Dörfer gehen, wo etwas stattfindet, und diese würden dann vielleicht überrannt. Am Schmotzige Dunschtig soll es in Hegne ein Wecken geben, eine Schulbefreiung unter Einhaltung des Mindestabstands und ein Narrenbaumstellen ohne Anschluss im Gemeindesaal. Man wolle einfach alles machen, was möglich sein wird, nur etwas anders. „Vielleicht entdecken wir ja neue Events“, sagt der Präsident. Sollte gar nichts erlaubt sein, wollen die Schlafkappen auf jeden Fall Narrenbändel in die Straßen hängen.

Das sagen die Ducherle in Kaltbrunn:

Präsident Peter Waidele geht davon aus, dass die Bunten Abende nicht stattfinden werden. „Wir versuchen, ein bisschen Straßenfasnacht zu machen, sofern es dann möglich ist“, sagt er. Am 11.11. wollen die Ducherle die Fasnacht am Dorfbrunnen eröffnen, in kleinem Rahmen und ohne Hock danach im Feuerwehrhaus. Wie die anderen Narrenvereine, wollen auch die Kaltbrunner am Schmotzige Dunschtig das närrische Volk wecken.

So sehen sie aus, die Ducherle aus Kaltbrunn.
So sehen sie aus, die Ducherle aus Kaltbrunn. | Bild: Oliver Hanser

Musik im Stillstand und mit Abstand

Nach aktuellem Stand dürfte der Fanfarenzug mit Abstand spielen, aber nicht im Laufen, sondern nur während eines Halts. Oder die Narren machen Krach mit Töpfen und Pfannen, sagt Waidele: „Da kann man ja ein bisschen kreativ sein.“ Auch der Kindergarten soll befreit werden und wenn möglich, die Ortsvorsteherin entmachten und einen Narrenbaum stellen. Eine Kinderfasnacht im Feuerwehrhaus werde es nicht geben, aber vielleicht im Freien. „Wir haben uns über manche Szenarien Gedanken gemacht, aber das noch nicht final besprochen“, sagt Waidele, „wir lassen es auf uns zukommen.“

So soll es in Langenrain-Freudental laufen:

Einen Maskenball am Fasnachtssamstag wird es nicht geben, sagt Lothar Bottlang, Dirigent der Musikkameradschaft Langenrain-Freudental. Und wohl auch keinen Kinderball am Dienstag. Ob am Schmotzige ein Narrenbaumstellen und närrisches Treiben in den Dörfern stattfinden kann, sei noch nicht besprochen und entschieden, erklärt Bottlang. Er ist froh, dass im zurückliegenden Februar noch der nur alle vier Jahre stattfindende Fasnet-Johrmarkt wie geplant möglich war.

Michael Niebling, Zunftmeister der Kuckuck in Litzelstetten: „Wir machen gar nichts. Das ist alles zu heiß.“
Michael Niebling, Zunftmeister der Kuckuck in Litzelstetten: „Wir machen gar nichts. Das ist alles zu heiß.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Das sagen die Kuckuck in Litzelstetten:

„Wir machen gar nichts. Das ist alles zu heiß“, hat Michael Niebling, Zunftmeister der Litzelstetter Narrenzunft Kuckuck entschieden. Am 11.11. würde der Verein normalerweise den Kuckuck am Brunnen beim Rathaus einfangen und damit die Fasnachtsaison eröffnen. „Wir sind betrübt. Schade drum. Aber wir haben Verständnis dafür. Die Gesundheit ist wichtiger als alles andere“, erklärt Niebling. Der Zunftmeister sagt, dass es eine enge Abstimmung mit dem Fanfarenzug Kuckuck gebe. Dessen Präsident Holger Feldmann äußert sich zuversichtlicher: „Wenigstens am Schmotzigen wollen wir etwas machen.

Das Wecken dürfte kein Problem sein

Da gibt es wenig Publikum, und die Abstände können eingehalten werden.“ Denkbar sei auch eine Befreiung der Schule und des Rathauses, eventuell auf dem Schulhof, der ja groß genug sei; und das Narrenbaumstellen. „Wenn es einigermaßen möglich ist und mit aller Vorsicht – und es hängt auch vom Wetter ab“, schränkt Feldmann ein. „Wir werden keine Werbung machen, nicht, dass das Dorf auseinanderbricht“, bekräftigt der Präsident. Er macht sich Sorgen um die langfristigen Folgen für den Verein. „Wenn es kein Ziel gibt, dann ist die Gefahr recht groß, dass alles auseinanderbricht“, mahnt er.

Das sagt die Hofnarrenzunft Paradiesvögel:

Der Leitspruch der Hofnarrenzunft Mainauer Paradiesvögel „Allen wohl und niemand weh“ lässt sich auch auf die Corona-Pandemie anwenden. Daher werde es 2021 keine öffentlichen Fasnachtsveranstaltungen auf der Insel Mainau geben, erklärt Pressesprecherin Andrea von Maur in einer Mitteilung. „Um das Brauchtum dennoch zu pflegen, sollen nun ein kleiner Narrenbaum gestellt und der Kindergarten befreit werden, alles an der frischen Luft“, sofern die gesetzlichen Corona-Vorgaben dies zulassen, schreibt sie weiter.

Das sagen die Ala-Bock Dingelsdorf:

Das traditionelle Treffen am Narrenbaumloch wird wohl ausfallen – und auch das damit verbundene Programm samt Ehrungen, erklärt Dingelsdorfs Ala-Bock-Präsident Florian Rossknecht. „Da kommen dann schnell 50 Leute. Das kannst du nicht bringen“, begründete er die Entscheidung. Einen Bunten Abend oder gar das Festzelt auf dem Dorfplatz wird es ebenfalls nicht geben. Dagegen seien das Bändelaufhängen, das Wecken am Schmotzigen Dunschtig und vielleicht die Zylinderparade denkbar. Fraglich sind auch die Befreiungen von Schule und Rathaus. „Das wird sich alles erst zeigen“, erklärt Rossknecht.

Das sagen die Bohland-Biber Dingelsdorf:

Patrick Romer ist der „zweite Bräsi“, also der Vize-Präsident, der Dingelsdorfer Bohland-Biber. „Wir halten uns ehrlich gesagt an die Ala-Bock. Die Boh­land-Biber wären am 11.11. für die Musik zuständig gewesen. Vorbereitungen für die kommende Fasnacht gibt es nicht. „Da wäre Energie, Zeit und Geld investiert. Das fangen wir erst gar nicht an“, bekräftigt er. „Vielleicht gibt es eine Online-Fasnacht mit gemeinsamem Schunkeln. Das wäre ein interessantes Experiment“, sagt Patrick Romer lachend.

Die Dettinger Moorschrat kümmern sich besonders gerne um die Zuschauer in der ersten Reihe – hier auch mit Abstand, wie in den vergangenen Jahren bei einem Umzug gesehen.
Die Dettinger Moorschrat kümmern sich besonders gerne um die Zuschauer in der ersten Reihe – hier auch mit Abstand, wie in den vergangenen Jahren bei einem Umzug gesehen. | Bild: Aurelia Scherrer

Das sagen die Moorschrat Dettingen-Wallhausen:

„Der 11.11. ist abgesagt und die Veranstaltungen auch“, fasst Marina Lehmann, Betriebsleiterin der Narrenzunft Moorschrat aus Dettingen-Wallhausen zusammen. Vielleicht lasse sich etwas Kleines organisieren. „Aber dazu können wir noch nichts sagen. Das hängt ja von der konkreten Situation ab. Auf jeden Fall ist Kreativität erforderlich“, erklärt sie. Vielleicht kann es ein Narrenbaumstellen ohne Zuschauer geben. Auch die Bändel könnten wohl aufgehängt werden, so Lehmann.

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