Normalerweise ist in den Wochen vor den Ferien in den Gemeinden Allensbach und Reichenau an jedem Wochenende mindestens ein von Vereinen veranstaltetes Fest. Doch wegen der Corona-Pandemie ist trotz aller Lockerungen nach wie vor vieles nicht möglich. Darunter litten zunehmend die Vereine, erklären als deren Vertreter Edwin Braun (Allensbach) und Karl Wehrle (Reichenau). „Das Vereinsleben hat sich noch nicht normalisiert“, betont Braun. Er und Wehrle haben Vereine, die das Seetorfescht und das Wein- und Fischerfest ausrichten, zur Teilnahme an einer Umfrage gebeten. Wehrles Fazit: Lange darf es so nicht weitergehen.

Den Vereinen in Allensbach und Reichenau bereiten die Einschränkungen durch Corona Probleme – fiananziell, sozial und psychologisch. Das erklären deren Sprecher Edwin Braun (rechts) und Karl Wehrle. In ihren Händen halten sie Spendenbriefe an Vereine.
Den Vereinen in Allensbach und Reichenau bereiten die Einschränkungen durch Corona Probleme – fiananziell, sozial und psychologisch. Das erklären deren Sprecher Edwin Braun (rechts) und Karl Wehrle. In ihren Händen halten sie Spendenbriefe an Vereine. | Bild: Zoch, Thomas

Das ist die Situation:

Natürlich fehlen durch den Ausfall der Feste Einnahmen. Wobei dies die Vereine unterschiedlich stark betreffe, sagt Braun. Aber für viele seien die Feste eben eine oder sogar die wichtigste Einnahmequelle. Wobei Braun meint, diesen Ausfall könnten – Stand heute – viele Vereine noch kompensieren, weil sie eher konservativ gewirtschaftet und sich ein Polster angespart hätten. Aber er und Wehrle erklären, dass nun auch Projekte und Anschaffungen zurückgestellt würden, um Kosten zu reduzieren. Aber diese Investitionen in die Zukunft seien irgendwann notwendig. Von Bund oder Land gebe es bisher nichts für Vereine, obwohl manche Politiker schon vor Wochen davon gesprochen hätten, so Wehrle.

Das sagen Allensbacher Vereine:

Doch die Vereinsvertreter betonen, es gehe bei weitem nicht nur ums Geld. Weil Proben und Trainings lange nicht stattfinden konnten, fehlten die sozialen Kontakte, der Austausch – das beklagen laut den Umfrage-Initiatoren viele. Und es gab und gibt keine Auftritte oder Wettkämpfe, erklärt Edwin Braun: „Dadurch gibt es keine Ziele für die Vereine. Deshalb wird es jeden Tag schwieriger, die Mitglieder zu motivieren.“ Das Interesse sinke, und mancher Vorstand befürchte Austritte.

Ein Bild aus dem vergangenen Jahr: Tausende strömen stets zum Wein- und Fischerfest auf der Reichenau. Von links: Bürgermeister Wolfgang Zoll, die Bodensee-Weinprinzessin Pia Dreher und Cheforganisator Karl Wehrle stießen auf die 40. Ausgabe an.
Ein Bild aus dem vergangenen Jahr: Tausende strömen stets zum Wein- und Fischerfest auf der Reichenau. Von links: Bürgermeister Wolfgang Zoll, die Bodensee-Weinprinzessin Pia Dreher und Cheforganisator Karl Wehrle stießen auf die 40. Ausgabe an. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Eine Probe ohne Blasinstrumente

Der Allensbacher Musikverein habe in jüngster Zeit zwar mal wieder geprobt – im Freien mit Sicherheitsabstand, aber ohne Trompeten und Hörner. Und der MV habe ebenso wie der Kraftsportverein (KSV) in den vergangenen Jahren viel getan, um Jugendliche zu gewinnen. Das sei völlig ins Stocken geraten. „Die ersten Jugendlichen haben sich bereits wieder abgemeldet.“ Die KSV-Ringer würden zudem an der nächsten Saison nicht teilnehmen, weil das Risiko einer Ansteckung für die Sportler zu groß wäre. Diese könnten im Fall einer Infektion zudem Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen.

Das sagen Reichenauer Vereine:

Fast dieselben Antworten hat Karl Wehrle bekommen. Der Männerchor Badenia zum Beispiel befürchte, das sich gerade ältere Sänger nun vorzeitig verabschieden. Und der im vergangenen Jahr erst aufgebaute Frauenchor könne ebenso nicht aktiv werden. Badenia und Bürgermusik könnten zwar mittlerweile wieder proben, aber nur im Freien. „Aber was ist im Herbst/Winter?“, fragt Wehrle. Es fehle an ausreichend großen Räumen. Beim Sportverein wiederum täten sich die Ehrenamtlichen mit der Umsetzung der Corona-Verordnungen schwer. Aktuell noch weniger betroffen seien die Narrenvereine als „Saisonbetriebe“. Doch auch hier fehlen die sozialen Kontakte. Und die Ungewissheit, ob es 2021 eine Art von Fasnacht geben wird, belaste. Irgendwann müsse die Planung beginnen.

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Das Fazit der Umfrage:

Mit Blick in die nähere Zukunft fasst Edwin Braun zusammen: Die Vereine wünschen sich, dass sich die Mehrheit der Bürger an die Vorgaben halten, um so die Zahl der Neuinfektionen gering zu halten. Karl Wehrle fügt an, wenn dies nicht so sein sollte, wären für die Vereine die Vorgaben noch schwerer nachvollziehbar und die Mitglieder noch schwieriger zu motivieren. Aber es gebe allgemein die Hoffnung auf eine Besserung und eine absehbare Rückkehr zu einem Normalzustand.

Es gibt einen finanziellen Lichtblick

Braun und Wehrle betonen zudem, dass die Vereine gerade in dieser schwierigen Zeit umso dankbarer seien, dass wenigstens die Sparkasse Reichenau wieder ihre jährliche Spendenaktion mache und einen Zuschuss an die rund 100 Vereine und vereinsähnlichen Gruppierungen in den beiden Gemeinden gebe. „Ich finde das sehr bemerkenswert“, sagt Edwin Braun. „Für die Vereine ist das ein ganz wichtiger Beitrag.“

60.000 Euro für die Vereine

Ebenso Wehrle: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Aber es sei wichtig für die Arbeit der Vereine, die viel für die Jugend und das soziale Leben leisteten. Sparkassendirektor Johann Roth und der zweite Vorstand Günter Weber haben jüngst einen symbolischen Scheck an Braun und Wehrle übergeben – über 60.000 Euro für die Vereine in den Gemeinden. Das obligatorische Fest musste aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Die Summe sei um einen Corona-Bonus aufgestockt worden, so Roth, der anfügt: „Die Sparkasse wird weiter an der Seite der Vereine sein.“