Bodanrück – Gemeinhin bezeichnet der Konstanzer und Umgebungsbewohner mit Bodanrück ja die Hügelkette, die sich am südlichen Ufer des Überlinger Sees von Litzelstetten bis zum westlich von Bodman gelegenen Mühlberg zieht. Tatsächlich ist die Ausdehnung „Bodenseerückens„ aber noch deutlich größer.

Denn genau genommen werden auch der Fürstenberg und der Taborberg in Konstanz dazugerechnet. Und eigentlich ist mit Bodanrück sogar die gesamte Landzunge zwischen dem Untersee und dem Überlinger See gemeint, erläutert Hans-Joachim Zimmermann, der als Lehrer über drei Jahrzehnte lang am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Konstanz Erdkunde und Französisch unterrichtet hat – also Experte ist.

Badbesucher hüpfen vom Rücken herunter

Ein ausgewiesener Fachmann ist auch Diplom-Geologe Jürgen Koberstein vom Ingenieurbüro Geopro in Stockach. „Die Spitze bildet das Horn in Konstanz„, sagt er. Wer am Strandbad Hörnle ins Wasser springt, hüpft also genau genommen vom Bodanrück herunter in den Obersee.

Hier am Horn in Konstanz endet der Bodanrück.
Hier am Horn in Konstanz endet der Bodanrück. | Bild: Lukas Ondreka

Der Fuß dieser Landzunge etwa 20 Kilometer davon entfernt – also die andere Seite – verlaufe unregelmäßig zwischen dem nordwestlichen Seeufer von Bodman-Ludwigshafen und dem Ende des Markelfinger Winkels in einem Bogen östlich an Stahringen vorbei.

Und dann – Achtung! – wird es wissenschaftlich. „Beim Bodanrück handelt sich um einen Rücken aus Oberer Meeres­molasse aus dem Erdzeitalter des Tertiärs, über den dann mehrfach die eiszeitlichen Gletscher drübergerutscht sind und ihre Hinterlassenschaften wie Drumlins, Grund- und Endmoräne haben liegen lassen“, fasst Koberstein mehrere Millionen Jahre regionale Erdgeschichte zusammen.

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Hügelzonen älter als Niederungen

Auffällig für den Bodanrück sind laut Hans-Joachim Zimmermann die Wechselzonen zwischen den Hügelbereichen und den tiefer gelegenen Mooren. Die Hügelzonen seien durch Gletscher aus dem Untergrund herausmodelliert worden. Sie bilden nun die eingangs erwähnte Hügelkette. Die Niederungen entstanden dagegen erst in den letzten 10.000 Jahren.

Die Burgruine Altbodman.
Die Burgruine Altbodman. | Bild: Stefan Arendt

Die höchste Erhebung der Halbinsel ist ein 694 Meter hoher Berg im Lerchenacker südöstlich des Bodenwalds. Sie liegt damit rund 300 Meter über der Oberfläche des Sees. Bei den Hügeln des Bodanrücks handelt es sich um sogenannte Drumlins. Diese länglichen, heute oft bebauten Erhebungen sind in Richtung der vormaligen Gletscherströmung gestreckt.

Auch die Insel Reichenau ist nach der amtlichen Kreisbeschreibung (Jan-Thorbecke-Verlag, 1968) ein solcher Drumlin.

Für die Entstehung des Mindelsees ist eine Gletscherzunge verantwortlich.
Für die Entstehung des Mindelsees ist eine Gletscherzunge verantwortlich. | Bild: Robert Hahn Bauer

Eine auffällige Besonderheit der Landzunge ist der Mindelsee, ein kleines Becken, das durch eine Gletscherzunge aufgeschürft wurde. Die in der westlichen Fortsetzung des Mindelsees zwischen Kieshügeln liegenden Buchseen dürften entstanden sein, weil große Gletschereisblöcke langsam schmolzen. Sie hatten die Verbindung zum aktiven Gletscher verloren.

Weil sie von Sedimenten überdeckt und damit quasi isoliert wurden, blieben sie lange bestehen. Wegen ihrer Entstehungsgeschichte nennt man sie auch Toteislöcher.

Hier noch einmal die gesamte Ansicht des Bodanrücks von der Reichenau aus. Links ist das Ende des Untersees bei Radolfzell und Markelfingen mit der Halbinsel Mettnau zu erkennen, rechts das Horn in Konstanz am Obersee zu erahnen.
Hier noch einmal die gesamte Ansicht des Bodanrücks von der Reichenau aus. Links ist das Ende des Untersees bei Radolfzell und Markelfingen mit der Halbinsel Mettnau zu erkennen, rechts das Horn in Konstanz am Obersee zu erahnen. | Bild: Lukas Ondreka

Mischwälder bestimmten Landschaft

Doch zurück zum Leben: Die Landschaft des Bodanrücks wurde einst von Mischwäldern aus Hainbuchen und Eichen bestimmt, berichtet Hans-Joachim Zimmermann. Die erste Besiedlung dürfte mit den Pfahlbausiedlungen (fünftes bis erstes Jahrtausend vor Christus) erfolgt sein.

Bei der Besiedlung des Hinterlandes und der Rodung der Wälder hätten dann in den zurückliegend knapp tausend Jahren die neu gebildeten Klöster eine erhebliche Rolle gespielt.

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