Mitte November hätte es endlich wieder so weit sein sollen. Die Eisenbahnfreunde Allensbach (EFA) wollten mit einer großen Modellbahnausstellung in der Bodanrückhalle kleine und große Eisenbahnfans aus der Region erfreuen. Doch nun haben die EFA ihre Ausstellung bereits abgesagt – erneut nach 2020. Es gebe einfach zu viele Unsicherheiten wegen Corona, erklärt der Vorsitzende Martin Motz.

Vorsitzender Martin Motz am EFA-Schaukasten beim Allensbacher Bahnhof. Hier hängt er auch SÜDKURIER-Artikel aus.
Vorsitzender Martin Motz am EFA-Schaukasten beim Allensbacher Bahnhof. Hier hängt er auch SÜDKURIER-Artikel aus. | Bild: Thomas Zoch

„Es kann uns keiner sagen, was im November für Regeln gelten.“ Dürften dann vielleicht nur 200 Besucher in die Halle – und 100 müssten draußen eine Stunde lang warten?, nennt er ein Beispiel. Bräuchte man Einlasskontrollen zur Impf- oder Testüberprüfung? Und bis dahin wären vielleicht auch noch nicht alle Aktiven und Helfer durchgeimpft, sagt Motz. Viele davon seien schon über 60 Jahre alt und zählen zur Risikogruppe. „Ich bräuchte wohl eine Corona-Schutz-Eingreiftruppe“, betont Motz. Dabei müsse er schon froh sein, wenn er ausreichend Helfer für die eigentliche Ausstellung hätte. Zudem: „Ich bin mir sicher, dass nur mit der Hälfte der Besucher zu rechnen wäre.“ Bei der bis dato letzten Ausstellung im Jahr 2018 waren es circa 3500. Und was wäre, wenn sich am Ende ein Besucher in der Halle anstecken würde, spricht Motz den schlimmsten Fall an.

Angepeilt werde nun der November 2022. Die Ausstellung bereits für das Frühjahr neu zu planen, hält der Vorsitzende für keine gute Idee. Von März bis September sei die falsche Zeit für eine Modellbahnausstellung, ist er überzeugt. Bei gutem Wetter kämen wenig Leute. Die Schau in die virtuelle Welt zu verlagern, ist für Motz keine Alternative: „Im Internet bekommt man die Atmosphäre nicht hin.“ Corona und der lange Lockdown hätten die Arbeiten an der Anlage ohnehin verzögert, berichtet Motz. Einen kompletten Lok-Down, wie er als Wortspiel verwendet, habe es aber nicht gegeben im Bahnbetriebswerk, der Bastelwerkstatt der EFA. Dort seien zwar nicht wie normal regelmäßig rund zehn Leute im Einsatz gewesen, aber wenigstens eine Handvoll. Er selbst, Reiner Eßrich, Ralf Sieber, Alexander Wilhelm und der Vizevorsitzende und eifrigste Bastler, Sigi Welsch, hätten dort seit November im Wechsel an der Anlage gearbeitet – das haben sie neu errichtet:

  • Oskarshofen: Im Märklin- und Wechselstrom-Teil der Anlage hatte es zwei Module mit vier Ausweichgleisen gegeben, damit Züge zwischendurch auf freier Strecke abgestellt werden können. „In der Ausstellung hat man gemerkt, das haut nicht hin, das Ding ist zu kurz“, sagt Vorsitzender Martin Motz. Deshalb hätten die Mitglieder die Abstellgleise durch ein drittes Modul auf nun 3,60 Meter verlängert.
Diese ungewöhnliche Konstruktion haben die EFA zuletzt neu gebaut: ein Bahnhof mitten auf freier Strecke. Weil die Module mit den Schienen dafür zu schmal sind, ist der Bahnhof auf einem Anbau, der seitlich angehängt werden kann.
Diese ungewöhnliche Konstruktion haben die EFA zuletzt neu gebaut: ein Bahnhof mitten auf freier Strecke. Weil die Module mit den Schienen dafür zu schmal sind, ist der Bahnhof auf einem Anbau, der seitlich angehängt werden kann. | Bild: Zoch, Thomas

Dann sei die Idee gekommen, dort gleich noch einen richtigen Bahnhof zu bauen, „es mit Leben zu füllen, mit einem Szenario, damit die Leute es schön finden“. Dafür sei auf den 50 Zentimeter breiten Modulen aber kein Platz. Aus diesem Grunde habe der Verein den Bahnhof nun auf einem 1,20 Meter mal 25 Zentimeter großen Zusatzteil gebaut, der sich wie einen Balkon seitlich anhängen lässt – auf beiden Seiten. Die Mitglieder hätten diese Station auf Oskarshofen getauft, im Andenken an das älteste Mitglied Oskar Schöndienst aus Konstanz, der im Oktober 2020 mit 92 Jahren verstorben sei, sagt Martin Motz.

  • Bus und Tanklaster: Weiter gearbeitet worden sei an der großen neuen Club1-Anlage, an die künftig mehrere Strecken-Module andocken. Die aus acht Segmenten bestehende, insgesamt sechs mal 1,80 Meter große Club1 habe man bisher nur im Rohbau zeigen können. Mittlerweile seien sechs Teile fertig und zwei in der Endphase. Es gebe einen großen Bahnhof, eine Stadt am Hang, auf der anderen Seite ländliche Gegend mit einer Nebenbahn, erklärt Motz.
Am Faller-Car-System auf der neuen Club1-Anlage haben die EFA im Lockdown getüftelt. Dort sollen nicht nur Autos fahren, sondern zum Beispiel auch dieser Tanklaster, der dann an eine Tankstelle abbiegt.
Am Faller-Car-System auf der neuen Club1-Anlage haben die EFA im Lockdown getüftelt. Dort sollen nicht nur Autos fahren, sondern zum Beispiel auch dieser Tanklaster, der dann an eine Tankstelle abbiegt. | Bild: Thomas Zoch

Mit einem speziellen System sollen dort später Autos wie von selbst auf Straßen fahren. Doch nicht nur das. Und deshalb hätten ein paar EFA-Mitglieder daran getüftelt. Da sei zum einen ein Bus unterwegs, der dann mal auch eine Bushaltestelle ansteuern und dort halten soll. Und dann seu unter einem Hochbahngleis noch eine Tankstelle entstanden, zu der dann ein Tanklaster zum Befüllen abbiegen soll.

  • 14 Ladengeschäfte: Auf der Club1-Anlage werden einmal mehrere Züge fahren. Diese Strecke führe über einen Damm, sagt Motz. Um diesen zu verschönern, habe Sigi Welsch die Idee gehabt, in den Damm eine Ladenzeile zu bauen mit 14 Geschäften – ein weiteres Detail der großen Anlage, das die Betrachter so oft fasziniert. Da gebe es nun ein EFA-Clubheim, einen Wienerwald, eine Metzgerei, eine Apotheke oder einen Blumenladen.
Eine weitere originelle Idee: Auf der neuen Club1-Anlage führt außen ein Gleis über einen Damm. In diesen hinein haben die EFA nun 14 Ladengescjhäfte gebaut – unter anderem eine Metzgerei.
Eine weitere originelle Idee: Auf der neuen Club1-Anlage führt außen ein Gleis über einen Damm. In diesen hinein haben die EFA nun 14 Ladengescjhäfte gebaut – unter anderem eine Metzgerei. | Bild: Thomas Zoch

Welsch habe für die Mini-Läden jeweils circa 15 mal zehn Zentimeter große Boxen gebastelt, die er selbst und einige andere Mitglieder mit Leben füllten. Die Ladenzeile werde zudem beleuchtet, sagt Motz. „Man kann als Besucher reinschauen in die Läden und Details erkennen – zum Beispiel Schinken und Speck in der Metzgerei.“ Für den Damm habe Ralf Sieber die Idee gehabt, einen Aufzug zum Bahnsteig anzubauen. Das mache er an einem 3D-Drucker, verrät Martin Motz.

  • Noch ein Bahnhof: Für den Märklin-Teil der Modul-Anlage sei ein weiterer großer Bahnhof in Planung, so Motz. Daran wolle man sich machen, wenn die Club1 endlich fertig sei. Doch er selbst habe schon mal Holzkästen für die drei Segmente gebaut, aus denen der 1,50 Meter mal 90 Zentimeter große Bahnhof bestehen soll. Reiner Eßrich habe diese mit nach Hause genommen und Schienen und Weichen darauf installiert. Im Homeoffice sozusagen.
Diese ungewöhnliche Konstruktion haben die EFA zuletzt neu gebaut: ein Bahnhof mitten auf freier Strecke. Weil die Module mit den Schienen dafür zu schmal sind, ist der Bahnhof auf einem Anbau, der seitlich angehängt werden kann.
Diese ungewöhnliche Konstruktion haben die EFA zuletzt neu gebaut: ein Bahnhof mitten auf freier Strecke. Weil die Module mit den Schienen dafür zu schmal sind, ist der Bahnhof auf einem Anbau, der seitlich angehängt werden kann. | Bild: Thomas Zoch