Die Tourismusbranche in Allensbach hat auch das zweite Corona-Jahr verglichen mit anderen Regionen einigermaßen gut überstanden. Die Tourismuschefin Sabine Schürnbrand berichtet, dass im Jahr 2021 mit 224.756 Übernachtungen nur 1,8 Prozent weniger registriert worden seien als 2020. Gegenüber 2019 sind es minus elf Prozent.

Im ersten Corona-Jahr hatte Allensbach deutlich geringere Einbußen erlitten als viele andere Kommunen am See. „Es wäre schön gewesen, wenn wir diese Zahlen hätten halten können“, meint Schürnbrand.

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„Man kann nicht zufrieden sein, aber angesichts von Corona sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Die Leiterin des Kultur- und Tourismusbüros blickt zuversichtlich auf die nächste Saison. „Wir hoffen, dass sich die Lage dieses Jahr entspannt. Wir sind voller Zuversicht.“

Campingplätze sind die Verlierer 2021

Im Jahr 2020 waren die Campingplätze als wichtigste Übernachtungsbetriebe in Allensbach und Hegne die großen Gewinner. Dort hatte es sogar höhere Übernachtungszahlen gegeben als vor Corona. 2021 waren die Plätze nun die Verlierer.

Mit knapp 74.000 Übernachtungen waren es rund elf Prozent weniger als 2020. „Das ist ein Stück weit dem Wetter geschuldet“, erklärt Schürnbrand. Camper reisen oft spontan an oder ab. Und tatsächlich gab es im verregneten Juli, einem der Haupt-Urlaubsmonate, ein besonders deutliches Minus auf den Plätzen.

Mehr Gäste übernachten in Hotels

Etwas erholt habe sich die Situation in den Hotels, berichtet die Tourismus-Chefin. In diesem Bereich hatte es 2020 einen starken Einbruch gegeben mit knapp 25.000 Übernachtungen gegenüber 33.500 im Jahr 2019. Im vergangenen Jahr sei diese Zahl nun wieder auf mehr als 27.500 gestiegen.

Aber hier mache sich natürlich bemerkbar, dass es kaum Tagungen und Feste gab. Und weiter eingebüßt hätten die Privatunterkünfte wie Ferienwohnungen. Nach bereits starken Einbußen 2020 gegenüber 2019 habe es einen weiteren Rückgang um zehn Prozent bei den Übernachtungen gegeben. Auch hier seien vor allem die Hauptmonate Juli und August nicht so gut ausgefallen.

Weniger Ankünfte, aber Gäste bleiben länger

Interessant an der Statistik ist auch die Zahl der Ankünfte, was praktisch mit der der Übernachtungsgäste gleichzusetzen ist. Denn diese ging 2021 mit 34.631 um 7,5 Prozent zurück und damit deutlicher als die Zahl der Übernachtungen. Sprich: Es kamen zwar weniger Gäste, aber viele blieben offenbar länger, so Schürnbrand.

Die durchschnittliche Verweildauer sei von 3,9 im Vorjahr auf 4,2 Tage gestiegen. Das sei eine positive Tendenz, erklärt die Tourismus-Chefin. „Das sind die Zahlen, die einen zuversichtlich stimmen. Wir hoffen, dass es dabei bleibt.“ Schürnbrands Fazit: Offenbar setze sich auf der einen Seite der Trend fort, dass Deutsche eher im eigenen Land Urlaub machen.

Ältere blieben wohl lieber daheim

Aber es hätten wohl manche Gäste wegen Corona auch noch Vorbehalte. Da gingen vermutlich viele nicht so unbeschwert auf Reisen. Interessant sei hierbei ein Blick auf die Altersstruktur der Gäste, so weit hierzu Angaben vorliegen.

Demnach habe es 2021 auffallend weniger ältere Feriengäste gegeben, was daran gelegen haben könnte, dass ältere Menschen zu den Corona-Risikogruppen zählen und daher vielleicht eher zu Hause blieben.

B 33 beschert Übernachtungen

Übers Jahr betrachtet, fällt auf, dass es im April 2021 trotz Lockdowns deutlich mehr Übernachtungen gab als 2020. Da seien wohl mehr Geschäftsreisende in der Gemeinde gewesen, vermutet Schürnbrand. Möglicherweise habe sich hier die B33-Baustelle bemerkbar gemacht.

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Denn manche der dort Tätigen von weiter weg übernachten vor Ort. Einen deutlichen Anstieg bei den Übernachtungen habe es dann im Mai gegeben. Danach gab es bis September bei den Gesamt-Übernachtungszahlen jeweils Einbußen gegenüber 2020, vor allem im Juli.

Teilweise mehr Übernachtungen während Corona als davor

Wobei ein Vergleich mit 2019 interessant ist. In beiden Corona-Jahren hatte es in Allensbach vor allem von April bis Juni sehr viel weniger Übernachtungsgäste gegeben. Aber von Juli bis September waren die Übernachtungszahlen in beiden Jahren sogar höher als 2019.

In beiden Corona-Jahren war dagegen die Zahl der Führungen niedriger. Man habe erst spät, im Juni, damit beginnen können. Und aufgrund der Verordnungen waren die Teilnehmerzahlen begrenzt, so Schürnbrand. „Wir haben gemacht, was möglich war. Die Nachfrage war da.“

Besonders gut angekommen seien die neuen Advents-Streifzüge im Dorf mit Ludwig Egenhofer. Dieses Angebot wolle man in diesem Jahr fortführen, so Schürnbrand, und neben Führungs-Klassikern auch wieder neue Touren anbieten.

Und erfreulich sei es gewesen, dass 2021 wieder Kulturveranstaltungen möglich waren und im Juni die neue Bühne am See genutzt werden konnte. „Wir haben sehr viel positive Resonanz bekommen“, berichtet Schürnbrand.

Leider habe man nur begrenzte Besucherzahlen zulassen können. Und an eine baldige Rückkehr zum Normalbetrieb glaube sie nicht, doch: „Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr wieder mehr Zuschauer empfangen dürfen.“