Wer bei Rainers in Allensbach klingelt, der wird von Paula begrüßt. Euphorisch, schwanzwedelnd, mit jeder Menge überschwänglicher Liebe und einem geübten Zungenschlag. Paula ist ein Mischling, gut eineinhalb Jahre alt. Mit einem Blick, der die Herzen nur so dahinschmelzen lässt. Sie erfreut sich ganz offenbar ihres Lebens in Süddeutschland. „Sie ist unser Sonnenschein“, sagt Elisabeth Rainer und nimmt ihren Liebling in die Arme. Seit etwas mehr als einem Jahr gehört Paula zur Familie. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist jedoch eher traurig – aber eine mit Happy End.

Sechs Monate Sizilien, sechs Monate Allensbach

Seitdem die Rainers im Ruhestand sind, verbringen sie die sechs kalten Monate des Jahres auf Sizilien. Hier scheint die Sonne, hier wird es nie richtig kalt. Perfekt, um den Winter zu verbringen. „Wir haben eine sehr nette Italienerin kennengelernt, die mit ihren Eltern als Zweijährige nach Franken gekommen und dort aufgewachsen ist“, erzählt Elisabeth Rainer. „Irgendwann ist sie zurück nach Italien.“ Nathalie heißt sie und wohnt auf einer großen Ranch auf dem Land in Sizilien.

Altes Brot vom Bäcker für die Vierbeiner

In ihrer Region gilt sie als Frau mit großem Herzen für Hunde. So groß, dass im Laufe der Jahre Einheimische, die ihre Vierbeiner nicht mehr haben wollen, diese einfach über den Zaun werfen oder mit einer Leine am Tor festmachen. „Dabei haben Nathalie und ihr Lebensgefährte selbst nicht viel Geld“, so Elisabeth Rainer. „Doch sie geben den Hunden trotzdem Asyl.“ Futter holt die Familie sich von örtlichen Bäckern, die ihr altes Brot zur Verfügung stellen, oder Hotels, die ihre Küchenreste hergeben. Hauptsache, die Hunde überleben. Im Februar 2017, als die Rainers zum ersten Mal auf der Ranch zu Besuch waren, fielen Elisabeth Rainer und ihrem Mann zwei Welpen quasi vor die Füße. „Als eine dunkle Pferdebox aufging, waren sie plötzlich da.“

Hunde lagen zusammengepferchte aufeinander

Paula war besonders liebevoll und zutraulich – jene Paula, die heute jeden Gast freundlich begrüßt. In den übrigen Boxen der Ranch lagen zahlreiche Hunde zusammengepfercht aufeinander. Hätte Nathalie sie nicht aufgenommen – sie hätten nicht überlebt. „Es ist grausam und unvorstellbar“, sagt die Allensbacherin.

Schlaflos vor lauter Sorge um die Fellnasen

Dieses Ereignis hat Elisabeth Rainer dermaßen beschäftigt, dass sie tagelang vor lauter Sorge nicht schlafen konnte. Sie beschloss, den armen vierbeinigen Kreaturen aus Südeuropa zu helfen. Sie steht im täglichen Kontakt mit Nathalie, die nach wie vor als eine Art anonymes Auffangbecken der Einheimischen für nicht gewollte Vierbeiner fungiert.

Elisabeth Reiner und ihre Paula.
Elisabeth Reiner und ihre Paula. | Bild: Andreas Schuler

Elisabeth Rainer sammelt die Bilder und zugehörigen Beschreibungen der Hunde – und sucht nach passenden Besitzern in Deutschland. „Wir haben schon vierzehn Hunde vermitteln können“, sagt sie nicht ohne (berechtigten) Stolz. Das Prozedere ist kompliziert, aber lohnt sich in aller Regel: Zunächst schaltet sie im SÜDKURIER eine Anzeige. Daraufhin sortiert sie die Interessenten und besucht sie der Reihe nach.

Adoption an Hundeliebhaber

Wenn alles passt, kommt es zum Vollzug: 100 Euro für den Schutzvertrag, 100 Euro für alle Impfungen inklusive Chip und Gesundheitszeugnis und schließlich 100 bis 200 Euro für den Flug inklusive Flugpaten. Dann hat der Hund ein neues Zuhause. „Es ist so, dass wir Hunde gerne dorthin vermitteln, wo wir auch unsere Hunde gerne hingeben würden“, sagt die Allensbacherin. „Man merkt schnell, wenn jemand ein Herz für Hunde und Tiere im Allgemeinen hat.“ Paula hat übrigens in ihrer neuen Heimat zwei mit ihrem Frauchen befreundete Paten, die regelmäßig mit ihr spazieren gehen.

Positive Erfahrungen mit den neuen Hundebesizern

Ihre bisherigen Erfahrungen sind ausnahmslos positiv – das beweisen die Kommentare in der extra dafür eingerichteten WhatsApp-Gruppe: Herrchen und Frauchen aus ganz Südbaden schreiben regelmäßig von der großen Freude, die sie mit den neuen Familienangehörigen haben und schicken Bilder und Videos hinterher. „Das ist ein gutes Gefühl“, sagt Elisabeth Rainer. Nur Welpen, die vermittelt sie nicht. „Wir kümmern uns um Hunde, die zwei,
drei oder vier Jahre alt sind“, erklärt sie. „Die sind in der Regel als Welpe auf die Ranch gekommen und sind sehr gut zu integrieren, weil sie viel Liebe von Nathalie und ihrem Mann erfahren. Wenn wir Welpen vermitteln würden, dann wären das zehn Stück am Tag.“