Es muss ja gar nicht viel passieren. Ein kleiner Auffahrunfall, ein kurzer Wortwechsel zwischen den Beteiligten – und schon bilden sich lange Schlangen. Immer wieder kracht es zwischen Konstanz und Allensbach auf der viel befahrenen Bundesstraße 33. Ein Schwerpunkt ist der Bereich bei Hegne, zwischen der Einmündung bei der Waldsiedlung und dem Ortsende nördlich der Straße.

Und wenn es mal wieder gekracht hat, geht zumindest eines in schöner Regelmäßigkeit schnell: der Aufbau eines kilometerlangen Staus. Bis zur Kindlebildkreuzung und bis weit in Richtung Markelfingen herrscht dann bestenfalls Stop and Go. Aber warum ist das so und was können alle Beteiligten tun, damit die Fahrt nicht zur Geduldsprobe wird? Wir haben mit Paul Brühl, dem Experten für Verkehrssicherheit beim Polizeipräsidium Konstanz, gesprochen.

Paul Brühl ist Referent für Verkehr im Polizeipräsidium Konstanz und beobachtet den Unfallschwerpunkt auf der Bundesstraße 33 Hegne schon seit sehr langer Zeit.
Paul Brühl ist Referent für Verkehr im Polizeipräsidium Konstanz und beobachtet den Unfallschwerpunkt auf der Bundesstraße 33 Hegne schon seit sehr langer Zeit. | Bild: Domgörgen, Franz
  1. Viel Verkehr birgt ein hohes Unfallrisiko – auch deshalb kracht es auf der B 33 bei Konstanz so oft. Pro Tag fahren durchschnittlich mehr als 30.000 Fahrzeuge auf der Strecke. Dort, wie sie nur zweispurig ist, ist die Straße an ihrer Kapazitätsgrenze. Das macht sich vor allem im Bereich Hegne bemerkbar, sagt Paul Brühl. Dort herrscht größtenteils Tempo 70, und es gibt "auffallend viele Auffahrunfälle".

    In den vergangenen drei Jahren gab es im Bereich von Hegne 14 Unfälle mit elf Leichtverletzten, allerdings sind in der Statistik viele kleinere Vorkommnisse gar nicht aufgenommen. Gründe sind ihm zufolge: zu geringer Abstand, Ablenkung durch das Handy, mangelnde Konzentration. Bessern wird sich die Lage wohl erst, wenn das Stück ausgebaut ist und der Verkehr flüssiger vorankommt. "Nicht umsonst", so Paul Brühl, "wird die Straße vierspurig ausgebaut".
    Hier kracht es oft: Auf der Bundesstraße 33 zwischen Konstanz und Radolfzell ist der Abschnitt bei Hegne besonders gefährlich. Meist gehen die Unfälle zum Glück glimpflicher aus als bei dieser Kollision im Jahr 2016. Die Polizei stellt vor allem bei den Auffahrunfällen eine deutliche Häufung fest.
    Hier kracht es oft: Auf der Bundesstraße 33 zwischen Konstanz und Radolfzell ist der Abschnitt bei Hegne besonders gefährlich. Meist gehen die Unfälle zum Glück glimpflicher aus als bei dieser Kollision im Jahr 2016. Die Polizei stellt vor allem bei den Auffahrunfällen eine deutliche Häufung fest. | Bild: Rau, Jörg-Peter
  2. Wenn es gekracht hat, sollten Unfallbeteiligte auf jeden Fall die Polizei anrufen. Wer die Schuldfrage vor Ort per Handschlag klärt und den Rest der Versicherung überlässt, stellt später oft fest, dass das keine gute Idee war. Das jedenfalls ist die Erfahrung der Polizei. Paul Brühl rät: Anrufen und die Anweisungen der Beamten am Telefon befolgen. Sie haben Erfahrung und können abschätzen, ob die Unfallstelle unberührt bleiben muss und der Stau notfalls in Kauf zu nehmen ist. Sinnvoll ist es auch, sofort Fotos von der Gesamtsituation und von allen wichtigen Details zu machen.
    Unglück mit schrecklichen Folgen: 2015 geschah in Richtung Radolfzell ein schwerer Unfall, bei dem ein Autofahrer ums Leben kam.
    Unglück mit schrecklichen Folgen: 2015 geschah in Richtung Radolfzell ein schwerer Unfall, bei dem ein Autofahrer ums Leben kam. | Bild: Rau, Jörg-Peter
  3. Ob man die Unfallautos schnell zur Seite zu fahren sollte, damit der Verkehr durchkommt, ist umstritten. Die Straßenverkehrsordnung schafft in diesem Punkt mehr Verwirrung als Hilfe. In Paragraph 34 heißt es, wer an einem Unfall beteiligt ist, hat "(...) bei geringfügigem Schaden unverzüglich beiseite zu fahren". Andererseits steht nur wenige Sätze weiter: "Unfallspuren dürfen nicht beseitigt werden, bevor die notwendigen Feststellungen getroffen worden sind."

    Was ein "geringfügiger Schaden" ist, ist umstritten. Paul Brühl sagt, dass dies schon bei etwa 600 Euro nach Ansicht der Gerichte nicht mehr gegeben sei – für diese Summe bekommt man oft nicht einmal eine Stoßstange repariert. Im Zweifelsfall gilt also: Unfallstelle bis zum Eintreffen der Polizei nicht verändern.
    2014 stürzte ein Lastwagen bei der Unterführung nahe Hegne die Böschung hinab.
    2014 stürzte ein Lastwagen bei der Unterführung nahe Hegne die Böschung hinab. | Bild: Hanser, Oliver
  4. Wer im Stau steht, muss gut aufpassen, dass nicht gleich der nächste Unfall passiert. Nur noch schrittweise voranzukommen, ist ärgerlich – und ebenfalls unfallträchtig, wie Paul Brühl sagt. Autofahrer sollten nicht nur an den rechten Straßenrand fahren, damit die Einsatzfahrzeuge gut durchkommen. Im Stress wegen knapper Termine sollten sie unbedingt konzertiert bleiben, sagt der Polizeibeamte.

    Und er appelliert an Autofahrer im Stau, die Finger vom Handy zu lassen und nicht noch schnell eine Nachricht wegen der bevorstehenden Verspätung zu schicken. Gerade im stockenden Verkehr mit nur geringen Abständen kommt es schon bei kurzer Unachtsamkeit schnell zum nächsten Auffahrunfall. „Wer telefonieren muss, muss eine Freisprechanlage benutzen oder den Beifahrer darum bitten“, so Brühl.
    2010 überschlug sich ebenfalls an der unfallträchtigen Strecke ein Auto und kam auf dem nahen Radweg zu liegen.
    2010 überschlug sich ebenfalls an der unfallträchtigen Strecke ein Auto und kam auf dem nahen Radweg zu liegen. | Bild: Hanser, Oliver
  5. Wenn die B 33 zwischen Radolfzell und Konstanz voll ausgebaut ist, erwartet die Polizei einen deutlichen Rückgang der Unfallzahlen. Wenn es bei Hegne mal wieder scheppert, versucht die Polizei so schnell es geht vor Ort zu sein, erklärt Paul Brühl. „Wir wissen, wie stauanfällig die B 33 ist“, sagt er. Entspannen werde sich die Lage, wenn der vierspurige Ausbau abgeschlossen ist. Zwar erhält die Straße nicht wie eine Autobahn Standstreifen.

    Aber wenn auf einer Fahrspur Unfallfahrzeuge stehen, können auf der anderen die unbeteiligten Autofahrer langsam weiterfahren. Und: Der Gegenverkehr ist zumindest bei kleineren Unfällen dann gar nicht beeinträchtigt. Schluss ist auf der vierspurigen Straße auch mit den zuletzt ebenfalls häufigen Unfällen im Gegenverkehr, denn die beiden Fahrbahnen werden mit einem festen Teiler voneinander getrennt sein.