Es ist bis heute die größte Brandkatastrophe, die sich in Allensbach ereignete. In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1970 wurde das so genannte Allensbacher Konzil in der Kirchgasse ein Raub der Flammen. Sechs Bewohner konnten sich gerade noch retten.

Auf diesem Gemälde hat der Künstler Otto Marquardt das Allensbacher Konzil bildlich festgehalten. Links neben dem stattlichen Gebäude, das vor gut 50 Jahren niederbrannte, ist das Elternhaus von Christel Böhm zu sehen.
Auf diesem Gemälde hat der Künstler Otto Marquardt das Allensbacher Konzil bildlich festgehalten. Links neben dem stattlichen Gebäude, das vor gut 50 Jahren niederbrannte, ist das Elternhaus von Christel Böhm zu sehen. | Bild: Zoch, Thomas

Für einen 93-jährigen Mann, den damals ältesten Einwohner Allensbachs, kam jede Hilfe zu spät. Er erstickte im Rauch. Das stattliche Fachwerkhaus, das es vermutlich schon zur Blütezeit des Reichenauer Klosters im zehnten Jahrhundert gegeben hatte, wurde so stark beschädigt, dass es abgerissen werden musste.

Wie der SÜDKURIER damals berichtete, hatten aber 60 Feuerwehrleute aus Allensbach und Konstanz es verhindern können, dass die Flammen auf die Nachbarhäuser übergreifen konnten. Das Feuer war ausgebrochen, nachdem es zuvor im Dorf eine wochenlange Trockenheit gegeben hatte.

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Die Nachbarn berichten

Eine Nachbarin war Elisabeth Volle. Um 23 Uhr sei sie ins Bett gegangen. Und schon eine halbe Stunde später habe sie ihr Mann wieder geweckt und gesagt: „Das Konzil brennt.“ Sie kann sich noch gut erinnern an den Brand. „Es ging nicht lange, dann fielen die Ziegel herunter. Da war ein Haufen Holz im Haus. Wir haben die Fenster aufgemacht, weil wir Angst hatten, dass sie platzen. So eine Hitze war das.“ Volle ergänzt: „Es hat gebrannt bis am Morgen. Da gab es immer noch Glutnester“.

Christel Böhms Elternhaus war betroffen

Direkt neben dem Konzil, an der Ecke Radolfzeller Straße, ist das Elternhaus von Christel Böhm, ebenfalls ein historisches Gebäude. Dort habe in früheren Jahrhunderten der Dorfamann gelebt, der dem Reichenauer Abt unterstand, so Böhm. Nur eine schmale Gasse trennte ihr Elternhaus vom Konzil. „Die Ziegel bei uns haben geglüht.“ Der Bewohner des Dachgeschosses habe deshalb mit dem Duschschlauch das Dach mit kaltem Wasser bespritzt.

Die Nachbarn retten, was sie können

Im Erdgeschoss habe ihre schwangere Schwägerin gewohnt. Weil die Haustür zu nah an dem brennenden Nachbargebäude war, habe sie aus dem Fenster klettern müssen. Ihre Mutter habe versucht, wertvolle Sachen wie etwa ein teures Service in Sicherheit zu bringen. „Mein Elternhaus war besonders gefährdet“, betont Böhm. Ihr heutiges Wohnhaus steht auf einem Teil des Grundstücks, auf dem einst das Allensbacher Konzil war. Der Rest ist Wiese.

Ludwig Egenhofer erzählt die Geschichte

Ludwig Egenhofer hat die Geschichte des Konzils und dessen Brand in seine Gässletour aufgenommen, die er seit vergangenem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro anbietet. Die Brandursache habe nie abschließend geklärt werden können, berichtet er. Doch Egenhofer ist sich sicher: „Es war in jedem Fall Brandstiftung.“

Egenhofer über die polizeilichen Ermittlungen

Das Feuer war am nördlichen Ende des Gebäudes in einem Schopf, in dem ein Auto stand, ausgebrochen. Die Polizei habe damals zwei Männer als Verdächtige festgenommen und 24 Stunden lang festgehalten. Doch man habe es ihnen nicht beweisen können. Heutzutage würden vielleicht schon Spuren gefunden, die als Beweise taugen. Und in heutiger Zeit würde man ein solches historisches Gebäude sicher wieder aufbauen, meint er.

Zur Geschichte des Hauses

Auf seinen Gässletouren sei die Geschichte des Allensbacher Konzils den meisten Teilnehmern nicht bekannt, berichtet Egenhofer, das wüssten nur noch alte Allensbacher. „Viele Leute sagen, es ist schade, dass es weg ist.“ Wann genau das Gebäude errichtet worden war, sei nicht bekannt. Er nehme aber an, dass es das Haus schon in der Blütezeit des Reichenauer Klosters, im zehnten, elften Jahrhundert gegeben habe. Allensbach hatte damals Stadtrechte und unterstand dem mächtigen Inselkloster.Der Überlieferung nach sollen dort zur Zeit des Konstanzer Konzils 1414 bis 1418 Franziskanerinnen-Nonnen gelebt haben, es soll sogar ein Kloster gewesen sein. Für einige Besucher des Konstanzer Konzils habe es als Gästehaus gedient, daher komme der Übername.

Nach einem Bericht aus dem Allensbacher Almanach von 1970, soll das Gebäude der Überlieferung nach früher auch mal zeitweilig als Rathaus und Kaufhaus gedient haben. In späteren Jahrhunderten diente es als Wohnhaus – bis zu jener verhängnisvollen Nacht.

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