Die Themen reichen von den archäologischen Funden an der Hegner Straße, die für das 11. Jahrhundert eine Tuchproduktion belegen, über eine frühere Kapelle beim Kaltbrunner Dürrainhof bis hin zu aktuellen Ereignissen des Jahres wie die Sanierung des Schlossturms bei Hegne und die Jubiläen von Feuerwehr, Seglervereinigung und Jazz am See.

Ein spannendes und bislang kaum bekanntes Kapitel der Dorfgeschichte schlägt der Aga-Vorsitzende Stefan Egenhofer auf

Er widmet den größten Beitrag in dem 40-seitigen Heft dem früheren Löwenwirt Ignaz Rumpelhardt (1802 bis 1859), der ein glühender Anhänger des gescheiterten Revolutionärs Friedrich Hecker gewesen war – und dafür bitter büßte. Rumpelhardt, geboren bei Villingen, hatte zuvor schon ein bewegtes Leben geführt. Er war zunächst Lehrer, dann Gutsverwalter beim Schloss Hegne und schließlich eine Art Vermesser fürs Amt des Straßenmeisters im Raum Konstanz und Radolfzell. Nach einer Erbschaft erwarb er 1846 das Allensbacher Gasthaus Löwen (heute Seniorenzentrum).

"Der umtriebige Wirt war aufgeschlossen für revolutionäre Ideen und viele seiner Wirtshausbesucher auch", schreibt Egenhofer. Bereits 1848 übten er und etliche andere Allensbacher sich im Waffenkampf. Nach der Niederschlagung des Aufstands im Jahr darauf wurde Rumpelhardt verurteilt zu vier Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung – er hatte die Fürsten als Räuberhauptmänner bezeichnet. In etlichen Originalbriefen dokumentiert Egenhofer den seelischen Zerfall und tragischen Tod des Mannes.

Über eine frühere Kapelle bei Kaltbrunn

Ebenso vielen nicht bekannt sein dürfte, dass es beim Kaltbrunner Dürrainhof früher eine Kapelle gab, 1394 erstmals erbaut vom Reichenauer Abt. Längere Zeit diente das Hofgut einigen Klosterbrüdern als Ort "zur Führung eines geistlichen Lebens in ländlicher Abgeschiedenheit", wie der Autor Hans-Dieter Kuhn berichtet. Der beim Konstanzer Konzil frisch gewählte Papst Martin V. stellte den Vorsteher der Kapelle sogar unter päpstlichen Schutz. Kuhn schildert bis in die Neuzeit die wechselvolle Geschichte des Hofs.

Archäologen finden Belege für eine Siedlung abseits des Dorfkerns

Neue Erkenntnisse zur Ortsgeschichte brachten die archäologischen Grabungen im Neubaugebiet an der Hegner Straße in vergangenen April. Der hierfür zuständige Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege schildert, was sich aus den Funden aus dem 11. und 12. Jahrhundert schließen lässt.

Ein besonderer Fund sei dieses kleine, quadratische Knochenplättchen mit Löchern und Verzierungen, erklärt Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege. Es stamme aus dem 9. oder 10. Jahrhundert und diente zum Weben von Borten.
Ein besonderer Fund sei dieses kleine, quadratische Knochenplättchen mit Löchern und Verzierungen, erklärt Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege. Es stamme aus dem 9. oder 10. Jahrhundert und diente zum Weben von Borten. | Bild: Zoch, Thomas

Abseits des mittelalterlichen Dorfkerns gab es demnach damals eine gehöftartige Siedlung mit erstaunlich klarer gewerblicher Ausrichtung für die Tuchproduktion.

Spektakuläre Sanierung in Hegne

Recht spektakulär war die Sanierung des Hegner Schlossturmes in der ersten Jahreshälfte – vor allem der Abschluss, als im Mai die 2,5 Tonnen schwere res­taurierte Zwiebel mit einem großen Autokran wieder montiert wurde. Das Kloster schildert in einem Beitrag die Arbeiten.

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Eine recht spekatuläre Aktion war im vergangenen Mai das Aufsetzen der restaurierten Zwiebel auf den Hegner Schlossturm mithilfe eines großen Autokrans. Bild: Thomas Zoch
Eine recht spekatuläre Aktion war im vergangenen Mai das Aufsetzen der restaurierten Zwiebel auf den Hegner Schlossturm mithilfe eines großen Autokrans. | Bild: Zoch, Thomas

 

Jubiläen bei Feuerwehr und Jazz am See

Neben den großen Vereinsjubiläen von Feuerwehr (150 Jahre) und Seglervereinigung (50) feierte das Kulturbüro mit vielen Anhängern 20 Jahre Jazz am See. Sabine Schürnbrand schildert das Entstehen der erfolgreichen Reihe – und zitiert Jazzgrößen wie Nils Landgren und Till Brönner, die belegen, dass Allensbach längst ein fester Begriff in der Jazzwelt ist. Ein Leben für die Kunst war auch das von Irene Weitz-Schlösser, die im Februar starb. Der frühere SÜDKURIER-Kulturredakteur Siegmund Kopitzki würdigt sie als große Künstlerin in einem Nachruf. "Sie lebte die Kunst. Ja, sie war Kunst." Es bleibe ein abstraktes Werk, das aktuell und brisant sei und unkorrumpiert vom Zeitgeist.

Neue Fortsetzungsgeschichten und eine üppige Jahreschronik

Neue Kapitel gibt es zudem in zwei Fortsetzungsgeschichten des Almanachs. Stefan Egenhofer geht wieder auf die Geschichte einiger Feldkreuze ein. Und Manfred Bucher beschreibt, was sich im vergangenen Jahr beim Ausbau der B33 getan hat.

Umfangreicher als in früheren Ausgaben ist die Jahreschronik ausgefallen. Denn neben wichtigen Ereignissen, die hier zusammengefasst werden, nimmt der lange und trockene Sommer recht breiten Raum ein. Bernhard Egenhofer lässt diesen in interessanten Zahlen Revue passieren – von Sonnenscheintagen, Höchsttemperaturen und Niederschlagsmengen.

Bleibt – wie eigentlich jedes Jahr – die Anmerkung, dass der Almanach zwar reich bebildert ist, aber dennoch etwas textlastig wirkt, weil die Bilder meist sehr klein sind.