Diesen Sommer werden die Leitung und die Mitarbeiter des Wildparks Allensbach wohl so schnell nicht vergessen, denn er verlief höchst ungewöhnlich. Erst habe es im Frühling und Frühsommer so viele Jungtiere gegeben wie schon lange nicht mehr, berichtet Parkleiterin Martina Schleith. Wobei eines davon, das Steinbockbaby Bärle, von Menschenhand aufgezogen werden musste, weil das Muttertier es nicht angenommen hatte. Dann wüteten gleich zwei Mal innerhalb von drei Wochen Einbrecher im Park und transportierten beim zweiten Raubzug den 600 Kilogramm schweren Tresor aus dem Kassenhäuschen ab. Da ist es schon fast eine Randnotiz, dass die lang andauernde Hitze und Trockenheit natürlich auch im Park zu schaffen machte.

Was wurde aus den Ermittlungen rund um die Einbrüche?

Die dreisten Diebe müssen für den Abtransport des Tresors ein größeres Fahrzeug gehabt haben, so viel steht fest. Fassungslos sei sie gewesen, als sie am 3. August ins Kassenhäuschen des Wildparks schaute, berichtet Martina Schleith. Der massive, rund 1,50 Meter hohe und 600 Kilogramm schwere Tresor, der zudem an Wand und Boden befestigt gewesen sei, war einfach weg. "Da bist du von Sinnen." Das Kassenhaus sei "ein Ort der Verwüstung" gewesen.

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Die Einbrecherbande hatte das große Holztor daneben aufgebrochen und war einfach mit einem offenbar größeren Fahrzeug vors Haus gefahren, ohne dass dies jemand in der Nachbarschaft bemerkt habe. Zudem sei in dieser Nacht erneut der Kiosk aufgebrochen worden sowie einige Automaten, wovon es aktuell gar nicht so viele gebe.

In dieser Ecke im Kassenhäuschen stand der massive, 600-Kilo-Tresor mit Wechselgeld. Die Schrammen an der Wand und Kratzspuren am Boden zeigen, dass die Räuber robust zu Werke gingen.
In dieser Ecke im Kassenhäuschen stand der massive, 600-Kilo-Tresor mit Wechselgeld. Die Schrammen an der Wand und Kratzspuren am Boden zeigen, dass die Räuber robust zu Werke gingen. | Bild: Zoch, Thomas

Denn am 13. Juli hatten bereits Einbrecher sämtliche Automaten im Park geknackt, die noch nicht vollständig ersetzt werden konnten, zudem das Kassenhaus und eben den Kiosk – "Eigentlich alles. Flächendeckend", so Schleith. Der Schaden liege in beiden Fällen im fünfstelligen Bereich und damit weit über dem, was die Täter erbeuteten. Im Tresor sei nur Wechselgeld gewesen, keine Einnahmen, erklärt die Parkleiterin.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums erklärte auf Nachfrage zu dem Fall: "Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse und Spurenlage ist zu vermuten, dass die Tat von mehreren Personen unter Benutzung eines Transportfahrzeugs verübt wurde." Es gebe derzeit keinen Tatverdacht. Es sei zwar möglich, dass bei beiden Einbrüchen dieselbe Bande am Werk war, doch das sei momentan spekulativ. Schleith erklärt: "Das trifft uns natürlich hart, aber der Betrieb geht ganz normal weiter. Zum Glück gibt es keine Personenschäden und keine dauerhaften Ausfälle." Und: "Wir haben in der Zwischenzeit Maßnahmen ergriffen, damit das nicht mehr so einfach möglich sein wird."

Bei welchen Park-Tieren gab es Nachwuchs

Das Jahr begann dabei erfreulich im Wildpark, denn es kamen in der ersten Jahreshälfte so viele Jungtiere zur Welt wie lange nicht, berichtet Schleith: Zwölf Frischlinge bei den Wildschweinen, jeweils rund 30 Junge bei den Rot- und Damhirschen sowie zehn bei den Sikahirschen und mit sieben Jungen so viele wie noch nie bei den Steinböcken.

Letzteres liege daran, dass es Zwillings- statt Einzelgeburten gab. Eines der Kitze sei allerdings vom Muttertier nicht angenommen worden, berichtet Schleith. Daher habe sie dieses einer befreundeten Jägerin in Tuttlingen gebracht, die viel Erfahrung in der Tieraufzucht habe. Die päppelte das Steinbockbaby auf, das nun Bärle heißt und mit dreieinhalb Monaten wieder zurück im Wildpark ist. Dort solle er jetzt in die Gruppe integriert werden, was nicht so einfach sei: "Er ist noch sehr personenbezogen." Aber er sei genauso stark wie die anderen Jungtiere. Und es ist im Park auch schon mehrfach geglückt, von Hand aufgezogene Tierbabys zu integrieren.

Der Steinbockjunge Bärle war von seiner Mutter abgelehnt wrden und wurde deshalb von einer Jägerin aufgezogen, erklärt Martina Schleith vom Wildpark Allensbach. Deshalb sei er noch sehr menschenbezogen, solle jetzt aber im Steinbockgehege in die Gruppe seiner Artgenossen integriert werden.
Der Steinbockjunge Bärle war von seiner Mutter abgelehnt wrden und wurde deshalb von einer Jägerin aufgezogen, erklärt Martina Schleith vom Wildpark Allensbach. Deshalb sei er noch sehr menschenbezogen, solle jetzt aber im Steinbockgehege in die Gruppe seiner Artgenossen integriert werden. | Bild: Zoch, Thomas

Besonders viele Tiere gibt es derzeit im Gehege der Rothirsche, nicht nur wegen der vielen Jungen. Anfang des Jahres habe man zehn neue Hirschkühe angeschafft zur Blutauffrischung, so Schleith, und seit kurzem habe man zudem einen neuen Hirsch. Den sehe man bisher aber noch wenig. "Momentan ist er noch ziemlich zurückhaltend, liegt tagsüber im Schatten und beäugt die Lage erst einmal."

Die Hitze macht Tieren und Mitarbeitern zu schaffen

Tagsüber im Schatten lagen in den vergangenen Monaten sehr viele Tiere. Wegen der Hitze seien sie nur morgens und abends aktiv gewesen, erklärt Schleith. Die Tiere hätten daher auch keine Schwierigkeiten mit der Hitze gehabt. "Die haben sich einfach wenig bewegt."

Die Bären hätten zudem morgens immer erst mal ein kühles Bad in ihrem Wasserbecken genommen. Hirsche und Wildschweine hätten schlammige Wasserlöcher, in denen sie sich suhlten. Problematischer seien die ausgedörrten Wiesen, weil es kein saftiges Gras zum Äsen gebe. Doch dankenswerterweise bekomme der Park von vielen Leuten Äpfel gespendet, von denen es durch die Wärme ja sehr viel gebe. "Die Hirsche sind ganz heiß drauf", berichtet Schleith. Aber auch Bären, Wisente oder Wildschweine äßen das Obst gerne.

Viel bewegen mussten sich dagegen die Gärtner im Park. "Die arbeiten pausenlos." Blumeninseln, Stauden und anderes mussten bewässert werden. Dass die Hitzewelle nun wohl zu Ende sei, könnte sich zudem positiv auswirken auf die Hirschbrunft und damit den Nachwuchs im nächsten Jahr, meint Schleith. "Die Hirsche brauchen kühle Nächte, dann werden sie brünftig."