Die ehrenamtliche Arbeit im Vorstand eines Vereins kostet Zeit und ist nicht immer einfach, aber sie bereitet auch Freude. Und der gegenseitige Austausch kann dabei hilfreich sein. Die das sagen, müssen es wissen, denn sie engagieren sich seit vielen Jahren: Der Sprecher der Allensbacher Vereine Edwin Braun, der zweite Vorsitzende des Sportvereins, des größten Reichenauer Clubs, Manfred Graßl, der Vorsitzende der Bürgermusik Reichenau mit stattlichen 100 Aktiven, Benedikt Wehrle, und der Vorsitzende und musikalische Leiter des vergleichsweise kleinen Fanfarenzugs Kaltbrunn, Helmut Renner. Wichtig sei es, auch mal über den Tellerrand zu schauen, was und wie es andere Vereine machen. Denn auch wenn der eine Sport macht und der andere Musik, so sind die Themen oft die gleichen: die Besetzung von Vorstandsposten, Finanzen, organisatorische Fragen, die Aktivierung und Gewinnung von Mitgliedern, die Jugendarbeit und so weiter.

Eine gute Gelegenheit hierfür sei das alljährliche Treffen von Vertretern der Vorstände aller Vereine aus Allensbach und Reichenau, zu dem demnächst wieder die Reichenauer Bezirkssparkasse auf der Insel einlädt, betont Braun. Wehrle erklärt: „Das bringt natürlich einen regen Austausch unter den Vereinen – und vor allem unter Vereinen unterschiedlicher Richtungen.“ Renner meint: „Der eine weiß was, was der andere nicht weiß.“ Und nennt als Beispiele die Frage, an wen man sich mit bestimmten Anliegen am besten wenden sollte, wo es vielleicht Fördermittel gebe oder auch zu Themen wie Steuern oder Versicherungen. Graßl fügt an, Letzteres sei gerade auch für einen Sportverein wichtig, weil Übungsleiter bezahlt werden.

Ganz aktuell könnten er und andere aus dem SVR auch beim Allensbacher Sportverein nachfragen, wie es beim Bau des Kunstrasenplatzes gelaufen sei, was nun auch in der Gemeinde Reichenau ein Thema ist. Renner nennt als weiteres Beispiel, wo er bei der Bürgermusik nachfragen könne, die Organisation von Auslandsauftritten. Wehrle bestätigt, dass es viele Themen gebe, wo der Erfahrungsaustausch den Vorständen helfen könne – bei Musikvereinen zum Beispiel auch das Thema Gema.

Braun spricht zwei Problemfelder an, die ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen: „Jeder hat zu kämpfen, Vorstandsmitglieder zu finden.“ Und wichtig sei es, auch mehr passive Mitglieder der Vereine für ein Engagement zu motivieren. Akute Vorstandsprobleme wie der Sportverein Allensbach oder die Allensbacher Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben aktuell zwar kaum Vereine in den beiden Gemeinden. Doch Graßl und Wehrle berichten, auch wenn alle Posten besetzt werden können, dass die Interessenten nicht gerade Schlange stehen. Braun meint schmunzelnd: „Wer sich bewirbt, ist gewählt. Da gibt es keinen Wahlkampf.“

Renner erklärt zum Thema passive Mitglieder, dass der FZ Kaltbrunn schon mal heilfroh war, dass solche – nebst Eltern – beim Seetorfescht am Stand halfen, weil es zu wenig Aktive gab, die schon über 18 Jahre alt waren. Graßl freut sich über viele passive Mitglieder durch Eltern, deren Kinder im Verein seien, aber für diese brauche es dann auch besondere Angebote wie etwas Alterssport. Wehrle hat da andere Erfahrungen. Längst nicht alle Eltern, die ihre Kinder zur Jungmusik schicken, würden auch passive Mitglieder. „Den Leuten, die sich bei einem Fest freuen, dass jemand Musik macht, müsste klar sein, dass viel Arbeit dahinter steckt und dass man das durch eine passive Mitgliedschaft unterstützen kann.“

Denn das Thema Geld spielt natürlich eine wichtige Rolle in der Vereinsarbeit. Umso dankbarer sind die Vorstände, dass die Sparkasse nicht nur dieses große Treffen organisiert, sondern auch noch jedem Verein ein paar hundert Euro spendet. Alexander Bertram von der Marketingabteilung der Sparkasse erklärt, insgesamt seien es in diesem Jahr rund 50 000 Euro. Graßl erklärt, man werde Gerätschaften anschaffen, Renner und Wehrle nennen Instrumente und Uniformen. Wobei Bertram anmerkt, es gehe bei diesem Fest mit kostenlosem Essen und Trinken auch darum, den Ehrenamtlichen zu danken für das, was sie für die Region leisten.

Dass neben dem Nützlichen der Spaßfaktor bei diesen Treffen natürlich auch eine Rolle spielt, erklären die Vorstandsvertreter übereinstimmend. Und sie betonen, dass ihnen die ehrenamtliche Arbeit generell auch Spaß mache: Durch gemeinsame Ausflüge oder große Auftritte, gute Zusammenarbeit, bei der man auch berufliche Erfahrung einbringen könne, oder die Freude darüber, wenn sich Kinder positiv entwickeln und Erfolgserlebnisse haben und dass sie die Tradition eines Vereins erhalten. Und den Idealfall im Ehrenamt bringt Wehrle zum Ausdruck: „Für mich ist es wirklich eine Ehre, so einen Verein weiterzuführen.“

Rund 11 000 Mitglieder

In den Gemeinden Allensbach und Reichenau gibt es insgesamt zirka 110 Vereine oder vereinsartige Gruppierungen. Die Mitgliederzahlen bewegen sich zwischen unter einem Dutzend bis hin zu um die 1000 in den beiden Sportvereinen mit mehreren Sparten. Alle zusammen haben rund 11 000 Mitglieder registriert. Auch wenn etliche Bürger in mehreren Vereinen Mitglied sind, ist das bei einer Gesamteinwohnerzahl von etwa 12 500 eine erstaunlich hohe Quote, die die Bedeutung der Vereine gerade auch in der Jugendarbeit zeigt. Was vielen Vereinen dennoch oder gerade deshalb Sorge bereitet, ist das mangelnde Interesse an der Vereinsarbeit. Zwar können die meisten bisher mehr oder weniger problemlos ihre Vorstandsposten besetzen, doch zu den Hauptversammlungen kommen oft nur wenige Mitglieder. (toz)

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