Über den Besuch von Bürgermeister Stefan Friedrich zum 106. Geburtstag freut sich die älteste Allensbacherin sehr. Anna Franziska Keller schüttelt ihm strahlend die Hand. "Ich freu' mich, wenn ich so einen Herrn neben mir hab'", sagt sie lächelnd. Und der Blumenstrauß, den Friedrich mitgebracht habe, sei wunderbar. Sie kennt auch die Blumen, aus denen er besteht: "Margariten, Tulpen." Und fürs SÜDKURIER-Foto ruft sie spontan: "Hoch soll sie leben!" Friedrich meint: "Es ist ein absolut außergewöhnlicher Geburtstag" und überreicht einen Gratulationsbrief des Ministerpräsidenten.

Sie strickt Schals, Schals, Schals

Es gehe ihr gut, erklärt Anna Franziska Keller, die seit 2008 im Pflegeheim des Klosters Hegne lebt. Zu ihrem Geburtstagsfest gibt es wie jedes Jahr ihren Lieblingskuchen: Schwarzwälder. Die Kerzen pustet sie selber aus. "Ich will gut sein mit allen Menschen", nennt die gläubige Seniorin als Wunsch fürs 107. Lebensjahr. Ihre Schwiegertochter Heidi Keller und Heimleiterin Ina Klietz berichten, dass sie körperlich und geistig noch ziemlich rüstig sei. Das vergangene Jahr habe sie ohne schwere Krankheit verbracht. Mit dem Rollator kann sie noch selbst laufen, sehen und lesen kann sie noch ordentlich, nur das Gehör ist nicht mehr so gut. "Sie strickt in einer Tour große Schals für einen guten Zweck", so Heidi Keller. Einer davon sei beim Weihnachtsbasar verkauft worden. Zuletzt habe sie an der Fasnacht im Heim mit Freude teilgenommen. Bei der Gymnastik und dem Singkreis ist sie stets dabei. Lieder, die ihr gefallen, singe sie schön laut – und sie kenne die Texte auswendig, berichtet Heidi Keller. Wie zur Bestätigung stimmt die 106-Jährige das Volkslied "Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal" an.

Die älteste Allensbacherin Anna Franziska Keller (links) feiert im Hegner Pflegeheim ihren 106. Geburtstag. Zu den Gratulanten gehört Schwiegertochter Heidi Keller. Bild: Thomas Zoch
Die älteste Allensbacherin Anna Franziska Keller (links) feiert im Hegner Pflegeheim ihren 106. Geburtstag. Zu den Gratulanten gehört Schwiegertochter Heidi Keller. Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Achtes von 18 Kindern

Im Schwarzwald wurde Anna Franziska Keller 1912 auch geboren – als achtes von 18 Kindern einer armen Tagelöhnerfamilie. In den 1930er-Jahren kam sie nach Konstanz und arbeitete meist in Haushalten. 1939 heiratete sie, ihr Mann fiel 1941 im Krieg. Ihren Sohn Helmut musste sie allein aufziehen, er ist 2016 verstorben. Auch alle ihre Geschwister hat sie inzwischen überlebt.