Timo Hauer, Sprecher der Feuerwehr Allensbach, schildert, wie Feuerwehrangehörige die Anfahrt erlebt haben: Das Feuerwehrauto habe sich aus Richtung Radolfzell der Unfallstelle genähert, die meisten Autofahrer seien rechts an den Rand gefahren, um Platz zu machen. „Wir haben die linke Spur genutzt, da dort Platz war, weil der verunfallte Lastwagen die Straße komplett sperrte. Dann beobachteten wir, wie einige Autofahrer vor uns die linke Spur nutzten, um zu wenden und aus dem Stau zurückzufahren“, sagt Timo Hauer.

Nicht alle Autofahrer kennen die Regeln zur Bildung einer Gasse

Eine solche Situation sei für alle Feuerwehrleute ungewöhnlich: „Normalerweise haben wir kaum Probleme, durchzukommen“, sagt Hauer. Trotzdem glaubt er, dass es bei Autofahrern auch Nachholbedarf bei der Information zu Rettungsgassen gibt. „Viele denken, dass eine Rettungsgasse erst gebildet werden muss, wenn ein Rettungswagen sich nähert. Tatsächlich sollte sie gebildet werden, sobald ein Stau entsteht“, so Hauer.

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Bundesweit wird über die Rettungsgasse aufgeklärt

Andreas Tast, stellvertretender Referent im Sachbereich Verkehr beim Polizeipräsidium Konstanz, sieht keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Das Thema Rettungsgasse werde bundesweit durch die Polizei forciert, was bedeute, dass auf Autobahnen Banner mit dem Schriftzug „Bei Stau Rettungsgasse bilden“ aufgehängt würden. Verstöße gegen die Bildung einer Rettungsgasse würden regelmäßig an das Innenministerium gemeldet.

Polizei kann nur handeln, wenn sie Meldungen bekommt

Im aktuellen Fall bei Allensbach sei es aber nicht möglich, etwas zu melden, da die Feuerwehr keine Meldung an die Polizei weitergegeben habe. „Wir können es nur verfolgen, wenn wir die Autokennzeichen der Fahrer haben, die sich nicht an die Regel hielten“, sagt Tast.

Behinderung von Rettungsdiensten kann teuer werden

Die Bußgelder, die anfallen, wenn Autofahrer die Arbeit der Rettungsdienste behindern, sind übrigens nicht gering: Seit 2017 liegen die Bußgelder dafür zwischen 200 und 320 Euro, berichtet Tast. Wer beispielsweise keine freie Gasse bildete und zusätzlich die Rettungsfahrzeuge behinderte, muss 240 Euro zahlen.

Meist kommen Rettungsdienste gut ans Ziel

In der Regel kämen Polizei und Rettungsdienste zumindest in Konstanz und Umgebung allerdings gut an die Unfallstellen heran, sagt Andreas Tast. „Es gibt natürlich immer Ausreißer – und dieses Verhalten können wir auch nicht unterbinden.“

„Dass Autofahrer keinen Platz machen, ist die Ausnahme“

Dass es meist gut läuft, bestätigt auch Thomas Dreier, stellvertretender Rettungsdienstleiter bei den Maltesern in Konstanz, der regelmäßig am Steuer des Rettungswagens sitzt. „Es gibt Situationen, in denen Autofahrer keinen Platz machen – das ist aber eher die Ausnahme“, sagt Dreier. Manche Fahrer seien auch überfordert mit einer schnellen Reaktion auf die Lage. „Und die Autos werden immer schalldichter, sodass die Rettungsgasse auch erst etwas später gebildet wird als früher.“

Der Autofahrer schwebte zeitweise in Lebensgefahr

Wie wichtig es ist, dass Rettungsdienste Verunglückte schnell erreichen, hat der Unfall auf der B 33 jedenfalls gezeigt. Der Autofahrer sei sehr schwer verletzt, berichtet Sandra Kratzer, Sprecherin bei der Polizei Konstanz auf Nachfrage, er habe zeitweise in Lebensgefahr geschwebt. Der Fahrer des Lastwagens sei nur leicht verletzt worden.