Eine kundenunfreundliche Lösung bei der Bahnsteigsanierung in Allensbach konnte Bürgermeister Stefan Friedrich gerade noch rechtzeitig stoppen. Die DB Station & Service hatte geplant, den Fahrscheinautomaten auf dem nördlichen Bahnsteig nicht wie auf dem gegenüberliegenden in das neue Wartehäuschen zu integrieren, sondern daneben ins Freie zu stellen. Dort hätten Fahrgäste bei Wind und Wetter ihre Tickets lösen müssen. Dem aufmerksamen Bürger Manfred Füssinger, selbst ein alter Eisenbahner, war dies aufgefallen. Der Bürgermeister hakte beim zuständigen Projektleiter nach. Und dieser habe nach einigem Hin und Her nun zugesagt: "Der Automat wird unters Dach verlegt", so Friedrich. "Das ist ein schönes Signal, dass die Bahn das jetzt in unserem Sinne und in dem der Bahnnutzer ändert." Und er sei dankbar, dass der aufmerksame Bürger dies noch so zeitig bemerkt habe, dass die Gemeinde habe eingreifen können.

Manfred Füssinger nahm die Kehrtwende mit großer Freude auf: "Dann haben wir erreicht, dass man Vernunft walten lässt. Es wäre einfach wahnsinnig schlecht, wenn die Bahn ihre Kunden im Regen stehen lässt." Denn er hatte seinen Augen nicht getraut, als er nach einigen Wochen, in denen er nicht zu Hause war, wieder mal beim Allensbacher Bahnhof den Stand der Bahnsteigsanierung anschaute. Dabei fiel ihm auf, dass der Fahrscheinautomat nur auf dem Bahnsteig Richtung Konstanz unter dem Dach des neuen Wartehäuschens steht, die DB Station & Service aber auf dem nördlichen Bahnsteig einen Sockel für den Automaten knapp einen Meter neben dem großzügig dimensionierten Unterstand errichtet hatte.

Manfred Füssinger war aufgefallen, dass der Betonsockel für den Fahrscheinautomaten links unten auf dem neuen Allensbacher Bahnsteig neben statt im neuen Wartehäuschen steht. Bürgermeister Stefan Friedrich konnte daraufhin den Projektleiter überzeugen, den Automaten unter das Dach zu verlegen. <em>Bild: Thomas Zoch</em>
Manfred Füssinger war aufgefallen, dass der Betonsockel für den Fahrscheinautomaten links unten auf dem neuen Allensbacher Bahnsteig neben statt im neuen Wartehäuschen steht. Bürgermeister Stefan Friedrich konnte daraufhin den Projektleiter überzeugen, den Automaten unter das Dach zu verlegen. Bild: Thomas Zoch

"Ich dachte, das kann nicht wahr sein", so Füssinger empört. Das sei einfach nicht zeitgemäß, die Kunden im Freien stehen zu lassen.

Füssinger hatte sich ans Ortsbauamt der Gemeinde und an den früheren Bürgermeister Helmut Kennerknecht in dessen Funktion als Kreisrat gewandt. Und dieser meinte ebenso, dass dies so nicht sein könne. Der Automat neben dem Wartehaus sei eine "äußerst kundenunfreundliche Entwicklung", so Kennerknecht. In seiner Amtszeit als Bürgermeister (bis Juli 2015) hatte er viele Jahre mit der Bahn über Planung und Kosten für die Bahnsteigsanierung verhandelt. Kennerknecht hatte sich dann an Ralf Bendl, Leiter des Amts für Nahverkehr im Landratsamt, und an seinen Nachfolger, Bürgermeister Stefan Friedrich gewandt. Diesem schrieb er: "Neben der Erhöhung der Bahnsteige war auch immer ein Ziel, weitere fahrgastfreundliche Verhältnisse am Bahnhof zu schaffen." Es sei unverständlich, wenn nach einem sehr teuren Neubau der Anlage die Nutzer des Automaten ungeschützt im Freien stehen müssen.

Friedrich sieht das ebenso und hakte beim Projektleiter nach. Diese erklärte zunächst, der Sockel sei bewusst so gesetzt worden wegen der Sonneneinstrahlung. Damit diese nicht blende, müsse das Display in Richtung Westen gerichtet sein. Wenn man den Automaten einen Meter unters Dach des Wartehäuschens versetzen wollte, müsste man ihn um 180 Grad drehen, sodass das Display Richtung Osten zeige. Damit gab sich Friedrich aber nicht zufrieden. "Ich habe ihm gesagt, es wäre kein Problem, den Automaten im Häuschen in derselben Blickrichtung aufzustellen – dann halt ein paar Meter versetzt ans andere Ende.

In welche Richtung das Display zeigt, ist uns egal. Uns geht es darum, dass der Automat unter Dach ist." Zudem wechsle der Stand der Sonne im Lauf des Tages, da könne es mal aus der einen oder der anderen Richtung eine Blendwirkung geben, betont der Bürgermeister. Der Projektleiter habe darauf zugesagt, er wolle intern prüfen, ob ein Versetzen von Sockel und Automat um mehrere Meter von der Verkabelung her möglich sei. Nach einigen Tagen habe er ihm seine Zusage für eine Korrektur gegeben, so der Bürgermeister.

Seltsamerweise soll sich der Projektleiter gegenüber dem Landratsamt weniger kooperativ gezeigt haben. Auf die Nachfrage von Ralf Bendl hatte er geantwortet: "Grundsätzlich sind an den Stationen die Aufstellung der Fahrausweisautomaten außerhalb des Wetterschutzhauses vorgesehen." Dies hatte er damit begründet, dass in den Häuschen "eine maximal nutzbare Fläche für Reisende" zur Verfügung stehe. Die Lösung auf dem Allensbacher Bahnsteig Richtung Konstanz sei eine Ausnahme. "Grund dafür waren die Platzverhältnisse im Zugangsbereich und die Ausrichtung des Displays, damit keine Sonnenstrahlen verblendend darauf einwirken. Dieser Fall trifft allerdings auf dem Bahnsteig Richtung Radolfzell nicht zu." Der SÜDKURIER bekam von der Bahn-Pressestelle auf eine Anfrage vor über einer Woche bisher keine Antwort.

Kennerknecht merkt an, dass man in Allensbach wohl kaum von einer Ausnahme reden könne. Beim Haltepunkt Fürstenberg zum Beispiel seien die Automaten auf beiden Bahnsteigen ebenso unter Dach, obwohl die Wartehäuschen dort deutlich kleiner seien. Und der ÖPNV-Experte meint, DB Station & Service könne sich auch Wartungskosten sparen, wenn die Automaten geschützt stehen: "Ich lese immer wieder, dass die DB solche Witterungsprobleme anführt, wenn Automaten wieder mal ausgefallen sind."

Die Bahnsteigsanierung

Verteilung der Kosten: Das Bahnhofsmodernisierungsprogramm für die Seehas-Strecke vereinbarte das Land Baden-Württemberg mit der Bahn bereits 2009. Wesentlich ist, dass die neuen Bahnsteige eine einheitliche Höhe haben, die mit dem Zugeinstieg übereinstimmt. Die Kommunen müssen die Planungskosten komplett zahlen sowie 25 Prozent der Baukosten tragen. Das Land übernimmt die restlichen 75 Prozent. Die Bahn selbst zahlt nur einen kleinen Teil. Der Landkreis wiederum erstattet den Gemeinden 40 Prozent von deren Kostenanteil.

Kosten in Allensbach: Nach langen Vorplanungen und Verhandlungen stimmten schließlich Ende 2016 die beteiligten Gemeinden der endgültigen Planung zu. Die Gesamtkosten für den Bahnhof Allensbach wurden damals mit rund 2,33 Millionen Euro festgelegt, wovon 537 000 Euro allein für die Planung berechnet sind. Unterm Strich zahlt die Gemeinde für die Bahnsteigsanierung in Allensbach rund 525 400 Euro. Baubeginn war im Februar 2017. (toz)