Seit einiger Zeit schon wünschen sich Geschäftsführerin Martina Schleith und ihr Team Nachwuchs bei den europäischen Wildrindern. Doch weil beim elf Jahre alten Bullen des Parks und seiner fünfjährigen Partnerin ein Kalb auf sich warten ließ, durften nun zwei Neuzugänge aus dem Ruhrpott im Gehege auf dem Bodanrück einziehen.

Die beiden Neuen kommen aus Duisburg

„Im Zoo Duisburg wollen sie keine Wisente mehr“, sagt Martina Schleith, „daher haben sie alle Parks, die am europäischen Zuchterhaltungsprogramm mitmachen, angeschrieben.“ Zu diesem Kreis zählt auch der Wild- und Freizeitpark, der nun quasi über Nacht seinen Bestand an Wisenten verdoppelt hat.

Seit Montag leben eine 16 Jahre alte Kuh und ihre vor zwei Jahren geborene Tochter in Allensbach. Nun liegt das neu zusammengewürfelte Quartett bereits einträchtig auf der Wiese. „Die haben sich akzeptiert. Das ist nicht üblich, dass ein Kalb so schnell so nahe beim Bullen sein darf“, sagt Schleith, die wegen des Einzugszeitpunktes eine unruhige Nacht hatte.

Die Tiere kamen am späten Abend in Allensbach an

Da die Tiere erst am späten Abend nach Einbruch der Dunkelheit am Bodensee eintrafen, konnte das Parkteam nicht beobachten, wie sie sich verhalten würden. „Offensichtlich ging es aber sehr gut“, sagt die Geschäftsführerin, die gleich am nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang geschaut hat, ob alles in Ordnung ist.

Der erste Schritt ist also gemacht, jetzt fehlt nur noch der lang ersehnte Nachwuchs. „Wenn sie sich vermehren, wäre das das Highlight. Jetzt können sie loslegen“, sagt Martina Schleith, in deren Park schon lange Wisente leben, und lacht. Wobei es sogar sein könnte, dass die neue Kuh bereits trächtig ist. Die Geschäftsführerin erklärt: „Wisente können alle zwei Jahre Junge bekommen. Ihr letztes Kalb ist von 2017 und im vergangenen Jahr hatte sie keinen Nachwuchs.“

Es ist wichtig, dass sich Wisente bei der Vermehrung mischen – die Art war fast vollständig ausgerottet

Sollte demnächst tatsächlich im Wild- und Freizeitpark ein Kalb zur Welt kommen, dann würde es später wohl in eine andere Anlage umziehen. „In erster Linie haben wir die Tiere für unsere Besucher und Gäste. Wenn man damit aber zur Arterhaltung beitragen kann, nimmt man das auch mit“, sagt Schleith.

Dabei ist es wichtig, dass sich verschiedene Herden mischen, da alle heute lebenden Wisente von zwölf in Zoos und Gehegen gepflegten Tieren abstammen.

Ursprünglich kam der Wisent in fast ganz Europa vor, doch nach dem ersten Weltkrieg war er akut vom Aussterben bedroht. Das letzte freilebende Tier wurde 1927 im Kaukasus geschossen, und der Wisent war bis zur Auswilderung einiger nachgezüchteter Tiere im Jahre 1952 in freier Wildbahn ausgerottet.

Heute leben weltweit rund 6500 Wisente – vier davon nun in Allensbach

Wesentlich für das Überleben des europäischen Wildrindes war 1923 die Gründung der „Internationalen Gesellschaft zu Erhaltung des Wisents“. Inzwischen existieren 6573 Wisente, teils in ausgewilderten Populationen. Die meisten davon im Nationalpark Bialowieza in Polen und Weißrussland.

Vier dieser majestätischen Tiere begrüßen künftig die Besucher des Wild- und Freizeitparks Allensbach direkt beim Eingang. An diesem Tag liegen die Neuzugänge ganz entspannt in ihrem Gehege. „Das waren ein paar bewegte Tage für sie“, sagt Geschäftsführerin Martina Schleith, „jetzt nutzen sie diesen schönen Sonnentag, um einfach ihre Batterien wieder aufzuladen.“