Ganz auf Schnäppchen ausgelegt ist der Modellbau-Flohmarkt am kommenden Sonntag. Die Eisenbahnfreunde Allensbach (EFA) veranstalten ihn zum zweiten Mal. Der Flohmarkt soll Leute anlocken, die ihre Sammlung auflösen oder überzählige Stücke loswerden möchten. Hochpreisige Angebote solle es dabei eher nicht geben, erläutert der EFA-Vorsitzende Martin Motz.

„Wir machen Flohmarkt und keine Börse“, betont sein Stellvertreter Siegfried Welsch. „Hier lässt sich vieles günstig kaufen; gerade wer neu anfangen will – oder für Familien“, ergänzt Iris Reil. Die Lebensgefährtin von Siegfried Welsch ist nicht die klassische Frau eine Modellbahners. Reil ist aktives Vereinsmitglied und sogar als Beisitzerin im Vorstand tätig. „Ich habe schon zusammen mit Kassiererin Karin Wilhelm ein Modul gebaut. Und wir machen die ganze Grasgeschichte – also das Begrünen – und malen die kleinen Männchen an. Wir Frauen schaffen da voll mit“, sagt sie selbstbewusst.

Beim Flohmarkt ist sie fürs Catering zuständig. „Es gibt Kaffee und Kuchen und Butterbrezel sowie zum Trinken Cola, Fanta oder Bier. Halt nur so, damit etwas da ist, wenn jemand etwas will. Unter den Frauen gibt es einen Stamm, der uns immer hilft. Wir arbeiten nett zusammen. Es soll lustig sein und keinen Stress geben, sondern gesellig sein“, berichtet sie.

Eisenbahnfreunde haben eigenen Stand

Die EFA werden mit einem eigenen Stand vertreten sein. Dazu haben sie bereits etliche Kisten mit Modellbau-Zubehör zusammengetragen. Auch Siegfried Welsch hat schon einen Stand für sich reserviert. „Ich werde einen Tisch mit N-Material haben“, berichtet er. Mit N wird im Modellbau der Maßstab 1:160 bezeichnet; die Spurbreite der Schienenfahrzeuge beträgt dabei neun Millimeter. „Im Verein bin ich für den Modellbau zuständig, speziell für die Feinarbeiten und Detaillierung“, berichtet er.

Welsch ist genau das passiert, was einem Modellbahnfreund immer zustoßen kann. „Ich habe eine N-Anlage gehabt. Aber ich bin umgezogen und konnte sie nicht mitnehmen. Ich wollte ursprünglich dafür noch zwei kleine Städte bauen. Davon habe ich noch einen Haufen Häuschen übrig. Die Anlage selbst habe ich dem Verein geschenkt. Ich verlange einen Euro für Häuschen und zwei Euro für einen Bahnhof. Die Leute sollen etwas davon haben – nämlich Schnäppchen“, erzählt er. Mit dabei hat er auch eine Rennbahn Märklin Sprint, die er vor zwei Jahren nicht losbekam. „Nee, ich gehe nicht Schnäppchen jagen. Ich werde ein kleines Nebenbahn-Modul bauen. Dafür habe ich schon das meiste Material. Aber ich kann nur jedem empfehlen, hinzugehen. Da kann man locker mit ein paar Euro eine Eisenbahn zusammenbauen“, ergänzt er.

„Ich bin auch Spur-N-Bahner. Aber ich habe noch nichts zu verkaufen“, erklärt Beirat Reiner Essrich. „Auf dem Flohmarkt helfe ich je nach Bedarf am EFA-Stand oder beim Catering, damit sich die Leute auch mal ablösen können.“ Vor zwei Jahren hat er auch auf den Tischen rumgestöbert.

Bauteile kosten nur rund ein Zehntel des Neupreises

„Ich habe schon für Spur-N Wägele und kleine Sachen von fremden Anbietern gekauft. Da kosten Sachen zwei bis drei Euro, die sonst 20 oder 30 Euro kosten“, erläutert er. Es sei auch nicht schlimm, wenn mal Sachen doch nicht so richtig passen, weil sie so günstig seien. „Ich werde auch gucken, was der Siegfried verkauft“, ergänzt er. „Als Kind und Jugendlicher habe ich eine H0-Anlage auf ein Meter mal zwei Meter gehabt. Da habe ich mir geschworen, da baue ich mir mal etwas in N. Von der Modulbauweise bin ich inzwischen angefressen. Sonst hast du was, das du nicht durchs Treppenhaus bringst. Module lassen sich auch besser demontieren und lagern. Ich baue gerne Landschaften und hier lerne ich viel von der Technik. Ein wichtiger Grund im Verein zu sein ist die Gesellschaft – und dass sich dabei Erfahrungen sammeln lassen. Es gibt hier viele, die ich fragen kann: ‚Wie machst du das?‘ Es ist aufwendig, sich alles alleine beizubringen. So lassen sich auch viele Fehler vermeiden, die es sonst zwangsläufig gibt“, erzählt Reiner Essrich.

„Vor zwei Jahren hatte ich ursprünglich für mich einen eigenen Stand geplant, aber schlussendlich darauf verzichtet. Aber es lief alles gesittet und ohne Trara ab. Da stört es nicht, wenn ich einen eigenen Stand habe“, berichtet Martin Motz. Er verkauft Originalutensilien der großen Eisenbahn: „Zuglaufschilder, Mützen, Laternen und Kittel. Die haben mich fasziniert. Ich gebe die wehmütig her. Aber daheim ist halt nur so-und-so-viel Platz. Ich gebe auch H0-Rollmaterial zum Beispiel von Märk­lin, Schienen oder Dekorationsloks aus Plastik ab“, ergänzt er.

58 Tische sind auf dem Flohmarkt geplant

Ralf Sieber ist seit drei Jahren Mitglied der EFA. Er hat es übernommen, die Weichenansteuerung zu modernisieren. „Das wurde wohlwollend auf mich übertragen. Ich bin dabei, die Elektrik und Elektronik zu standardisieren“, beschreibt er seinen Aufgabenbereich. „Dieses Jahr habe ich keinen Stand. Letztes Mal habe ich mich erfolgreich von allem trennen können, was im Wege stand. Das waren vor allem Sachen, die aus meinem Bekanntenkreis stammte, wie Märklin-Anfangspackungen, Sachen die auf dem Dachboden oder im Keller für die Kinder oder Enkel aufgehoben wurden und nicht mehr gebraucht werden“, berichtet Ralf Sieber.

Martin Motz blickt auf den ersten Modellbau-Flohmarkt zurück: „Alle waren gleich von der Idee begeistert. Der erste ist überraschend gut angekommen. Wir hatten keinen hochpreisigen Verkauf. An die 45 Händler waren da. Wir haben 62 Tische dastehen gehabt. Es ist sehr viel verkauft worden. Daher haben wir uns gesagt, da setzen wir wieder an. Es kommen wieder Neue, da ja einige von vor zwei Jahren nichts mehr zu verkaufen haben. Aus Tuttlingen hat jemand angerufen. Die haben wohl etwas aus einem Erbe zu verkaufen. Die Leute kannte ich bisher nicht. Aktuell sind bei uns 58 Tische bestellt. Vor zwei Jahren haben wir 700 zahlende Erwachsene gezählt. Kinder und Jugendliche sind frei“, erklärt Motz.