Hegne– Die Erde hat in Hegne gebebt. Es könnte am Hegner Fanfarenzug gelegen haben, der beim bunten Abend kräftig aufspielte. Oder aber an der Maulwurf-Gang, die als Whistleblower den neuen B33-Tunnel vor Hegne budellte. Mit phantasievollen Ideen inszenierten die Hegner Schlafkappen ihr diesjähriges Motto „unterirdisch“ und wurden dabei so manches Mal richtig tiefgründig. Sie zogen nicht nur kuriose Begebenheiten aus dem Leben der Hegner durch den Kakao, sondern schauten über den Tellerrand und nahmen auch die Weltpolitik aufs Korn.

Die Bankräuber begaben sich ebenfalls unter die Erde, um nicht die Reichenauer, sondern die Hegner Sparkasse auszurauben und – verbuddelten sich. Ungewollt kamen sie nach Berlin und besichtigten dort den abgasärmsten Flughafen, der für den Umweltpreis nominiert ist. Die größten Lacher erzielten die Bösewichter jedoch, als Martin Kinninger eine Laudatio auf die Brauerei Ruppaner rockte. Für Situationskomik sind die Schlafkappen weit über Hegne hinaus bekannt. Ebenso stürmisch bejubelt wurde das Männerballett, das beinahe elfengleich über die Bühne tänzelte. Apropos Elfen: Das Moderatoren-Trio Stefan Linke, Dennis Peipe und Gregor Malkmus bezirzte das Publikum als zauberhafte Elfen und vor allem versprühten sie so viel Witz, dass man die drei Hübschen gerne als eigenständige Nummer gesehen hätte. Da kann man nur sagen: Holla, die Waldfee!

Stolz können die Schlafkappen auf das niedrige Durchschnittsalter der Bühnenakteure sein. Der Nachwuchs agierte nicht nur in den Balletten, die jeweils eine Zugabe tanzen durften, sondern auch mit vorzüglichen und überzeugend dargebrachten Redebeiträgen. Mit dem Archäologen-Sketch griffen sie ein alltägliches Konstanzer Thema auf, das wegen des Autobahnbaus auch in Hegne aktuell wird. Jedes vermeintliche Relikt aus der Vergangenheit wurde untersucht, obwohl, wie Karin Deggelmann hintergründig feststellte, es auf der Welt schon genügend Scherben gäbe, denn nicht nur „der US-Präsident hat einen Sprung in der Schüssel“. Gefunden wurde auch ein mumifizierter Ur-Hegner, was eine Veränderungssperre über ganz Hegne zur Folge hatte. Aber wie reist man jetzt von A nach B? Die junge Narrengruppe hatte schon eine Lösung: „Dann gibt es Luftgondeln von Allensbach West bis Konstanz Zoll.“

Stolz können die Schlafkappen auf ihren Nachwuchs sein. Die talentierten Jung-Narren können so bekannt werden wie Gregor und Simon Malkmus, die einstmals auf der Hegner Narrenbühne als Hegner Dorfspatzen auftreten und jetzt zu den sehnlichst erwarteten Narrenmusikanten zählen. Drei Lieder sangen sie zu Freude des Schlafkappen-Publikums, das gerne noch mehr gehört hätte; doch die weiteren Zugaberufe wurden von den Gebrüdern Malkmus leider nicht erhört.

Auch Tiefgründiges und Ernstes gehört zur Fasnacht. Die nachdenklich stimmenden Themen sprachen Karin Deggelmann als Wurzel und Uli Malmus als Erbsenzähler an. Deggelmann stellte fest, dass viele Menschen entwurzelt seien; sie hofft, dass die Flüchtlinge in Deutschland Wurzeln schlagen können. Uli Malkmus plädierte für friedvolles Miteinander, denn Religion, egal welche, „soll uns lehren: Jeder ist dem anderen gleich. Vor allem ist es gar nicht recht, wenn man Glaube mit Peitschen oder Bomben lehren möcht.“

Bildgalerie im Internet:
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Die Akteure

Auf der Bühne: Gegor und Simon Malkmus, Stefan Linke, Dennis Peipe, Karin Deggelmann mit Merlin, Javin, Dernian sowie Vilja Wagner, Yasmin Fleck, Rebecca und Tamara Schieß, Martin Kinninger, Marco Krüger, Winfried Schaden, Bert Zakrzewicz, Ulrike, Matthias und Frank Koch, Uli Malkmus, Volker Fluck, Bernd Wechsel, Hannelore Malkmus.

Die Ballette: Kinderballett „Die Satansbraten“ unter Leitung von Stefan Linke, Jessica Sidler und Katharina Gut mit Lilly und Stella Mangold, Romy und Zoe Eckert, Naomi und Sonja Schieß. Hofpeter-Showballett mit Maxime Schmidt, Romina Gehweiler, Nicole Tschinkel, Vanessa Bockmeier, Franziska Steinmel, Chiara und Debora Blank, Melissa Saile und Stefanie Deichert. Männerballett „Die Unterirdischen“ unter Leitung von Katharina Gut und Jessica Sidler mit Pius und Martin Kinninger, Frank Koch, Dennis Peipe, Marco Krüger, Philip Wittmer, Jürg Sidler, Manfred Huber und Stefan Linke.

Hinter den Kulissen: Rudi Regenscheit (Technik) und Hans Leibbrand (Bühnenbild). (as)

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