Die schriftliche Aussage von Bürgermeister Stefan Friedrich steht: „Es hat nie eine Gefährdung der Kinder oder Lehrkräfte vorgelegen und das tut sie auch derzeit nicht. Das betroffene Klassenzimmer ist derzeit nicht zugänglich und alle anderen Zimmer sind derzeit nicht belastet.“

Im Frühjahr 2017 wurde in einem Zimmer im Neubau der Hegner Grundschule ein muffiger Geruch festgestellt. Untersuchungen wiesen auf eine undichte Wasserleitung hin, die umgehend repariert wurde. Raumluftmessungen ergaben keinen nachweislichen Schimmelpilzsporenbefall. So weit, so gut.

Hier trat das Wasser aus: die undichte Stelle der Wasserleitung.
Hier trat das Wasser aus: die undichte Stelle der Wasserleitung. | Bild: Schuler, Andreas

Im März dieses Jahres kam der Geruch in dem Zimmer zurück – und dieses Mal wurde eine Schimmel-Verunreinigung unterhalb der Bodenplatte festgestellt: unter anderem Aspergillus Versicolor. Dieser Schimmel kann laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg eine "allergene, eine toxische sowie eine infektiöse Wirkung besitzen", das heißt, er kann allergische Reaktionen hervorrufen oder Asthma entwickeln; eine Lebensmittelvergiftung droht, wenn sich der Schimmelpilz auf Lebensmitteln niederlässt.

Rektorin mit gesundheitlichen Problemen

Rektorin Margit Lustig-Frey, die in diesem Zimmer unterrichtete, hat aufgrund gesundheitlicher Probleme seither keinen Schritt mehr in das Gebäude gesetzt. "Frau Lustig reagiert sehr empfindlich auf Schimmel", erklärt Bürgermeister Stefan Friedrich gegenüber dem SÜDKURIER.

Zunächst war sie krankgeschrieben, mittlerweile arbeitet sie im Rathaus. Sie selbst darf sich nicht äußern, erst vor vier Wochen erhielt sie ein Schreiben vom Regierungspräsidium, dass sie zur Verschwiegenheit verpflichtet sei oder ihre Aussagen vom Präsidium absegnen lassen müsse.

Susanne Esche und Irmi Wette sind zwei Mütter, deren Kinder die Grundschule Hegne besuchen.

Susanne Esche (rechts) und Irmi Wette vor der Grundschule Hegne. Hier wurde im Frühling Schimmel entdeckt.
Susanne Esche (rechts) und Irmi Wette vor der Grundschule Hegne. Hier wurde im Frühling Schimmel entdeckt. | Bild: Schuler, Andreas

Wie zahlreiche andere Eltern, die sich nicht in die Öffentlichkeit trauen, fühlen sie sich von der Verwaltung schlecht informiert. Denn der im März eingesetzte Schimmelspürhund schlug noch an weiteren Stellen in der Schule an – ohne, dass dort gesucht wurde.

Stefan Friedrich begründet das so – und beruft sich dabei auf den Hundeführer: "Schulleitung und Eltern haben mehr in die Anzeigen des Hundes interpretiert als der Hundeführer selbst." Das Gesundheitsamt schloss eine Gesundheitsgefährdung aus – ebenfalls das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung in Kiel.

Bürgermeister fordert Respekt vor Ergebnissen

"Wir haben mehrfach Raumluftmessungen durchgeführt und alle Ergebnisse bestätigen eine Unbedenklichkeit. Wieso wird das nicht respektiert?", fragt Stefan Friedrich. Irmi Wette bedauert die Informationspolitik des Bürgermeisters und schrieb ihm: "Leider habe ich länger nichts mehr von ihnen gehört. Bedauerlicherweise kann mir die Klassenlehrerin meines Sohnes auch nichts Weiteres dazu mitteilen. Allerdings gehen ungute Gerüchte um und einige Eltern sind verunsichert, was die Gesundheit der Kinder betrifft. Wir haben bis heute keinen Bericht über eine Endabnahme der Schimmelsanierungsmaßnahme erhalten."

Hinter dieser verschlossenen Tür wurde der Schimmel festgestellt. Derzeit ist das Zimmer wegen Sanierung geschlossen.
Hinter dieser verschlossenen Tür wurde der Schimmel festgestellt. Derzeit ist das Zimmer wegen Sanierung geschlossen. | Bild: Schuler, Andreas

Am Tag nachdem der SÜDKURIER Kontakt hatte zum Bürgermeister, brachte Stefan Friedrich die Schulleiterin Margit Lustig-Frey schriftlich auf den neuesten Stand – und schloss erneut eine gesundheitliche Gefährdung auf Basis der Luftmessungen aus. "Alle Gutachten können im Rathaus eingesehen werden", schreibt er. Susanne Esche fragt sich, wieso keine abschließenden Untersuchungen getätigt werden – obwohl das Landesgesundheitsamt dies in einem Leitfaden den Schulen nahelegt.

Mutter: "Ungewissheit ist nicht gut"

"Ich denke, dass wir ein Recht haben zu wissen, wie es aussieht und wie es weitergeht", sagt sie. "Ungewissheit ist nicht gut." Irmi Wette wählt diese Worte: "Wieso wurden nicht alle Orte tief gehend und ausgiebig geprüft, wo der Hund angeschlagen hat? Es geht um die Gesundheit unserer Kinder, um sensible und sich im Wachstum befindliche Menschen. Ich betrachte diese Vorgehensweise als eine Zumutung." Für Stefan Friedrich ist die Angelegenheit erledigt, sobald der noch gesperrte Raum komplett saniert ist. "Ich verstehe die Mütter ja", sagt er. "Doch ebenso bitte ich um Verständnis, dass wir uns auf Messwerte verlassen müssen."