Roland Schmidt, Besitzer des Reiterhofs Hegne, ist die Anfrage nach dem Befinden der Pferde erst gar nicht recht. Den Pferden in seiner Obhut gehe es gut, sogar weit besser als ihren Artgenossen auf verschiedenen anderen Reiterhöfen.

Ein Leser hatte allerdings besorgt auf mehrere scheinbare Defizite hingewiesen: Die Pferde hätten vergangene Woche auf ihrer Koppel in der Sonne gestanden – ohne Unterstand und ohne die Möglichkeit, sich abzukühlen. Sie seien in der Mittagshitze nicht geschützt worden. Roland Schmidt hingegen macht deutlich, dass die Pferde bei heißem Wetter nur zwischen 9 und etwa 13.30 Uhr auf der Koppel stünden, danach kämen sie in ihre Boxen im Stall. "Meinen Kunden ist sehr wichtig, dass die Pferde draußen sind".

Roland Schmidt zeigt die Koppel, auf der viele der Pferde stehen, die bei ihm in Obhut sind
Roland Schmidt zeigt die Koppel, auf der viele der Pferde stehen, die bei ihm in Obhut sind | Bild: Wagner, Claudia

Warum sind manche Pferde komplett verhüllt?

Einzelne Pferde seien abgedeckt, berichtet Schmidt – das sei allerdings kein Schutz gegen Hitze, sondern gegen bestimmte Insekten. Es gebe Pferde, die von einem Sommerekzem befallen werden, das ist eine allergische Reaktion gegen den Speichel von stechenden Insekten. Pferde mit dieser Hautkrankheit scheuerten sich wund und müssten mit einer Abdeckung geschützt werden.

Pferde, die unter einem Sommerekzem leiden, werden zu ihrem Schutz abgedeckt, damit Insekten sie nicht stechen können
Pferde, die unter einem Sommerekzem leiden, werden zu ihrem Schutz abgedeckt, damit Insekten sie nicht stechen können | Bild: Wagner, Claudia

Wie die Pferde an die Tränke kommen

Wichtig sei natürlich, dass die Pferde im Freigelände genügend zu trinken hätten. Hier hat sich Roland Schmidt eine besondere Lösung ausgedacht: Um die schweren Wasserwannen nicht auf alle Koppeln schleppen zu müssen, hat er eine Frischwasserleitung gelegt. Die kleinen Trinkbecken sind an das fließende Wasser angeschlossen, die Pferde können sich mithilfe der Zunge jederzeit bedienen. Das entsprechende System haben die Pferde auch in ihren Boxen.

Diese Trinkvorrichtung sorgt dafür, dass die Tiere direkt auf der Koppel an Frischwasser aus der Leitung kommen
Diese Trinkvorrichtung sorgt dafür, dass die Tiere direkt auf der Koppel an Frischwasser aus der Leitung kommen | Bild: Wagner, Claudia

Am wichtigsten in der Mittagshitze: Ein Schattenplatz zum Abkühlen

Beim Blick über die Koppel fällt allerdings auf: Die Gelegenheit, im Schatten Schutz zu suchen, gibt es hier nicht. Hierzu schreibt Matthias Gellert, der Experte vom Veterinäramt: "Arttypischerweise suchen Pferde bei intensiver Sonneneinstrahlung oder hohem Aufkommen von Stechinsekten einen Witterungsschutz auf." Ein natürlicher Witterungsschutz könne aus Wald, Baum- und Buschgruppen oder Felsen bestehen. Wenn ein künstlicher Witterungsschutz errichtet werde, genüge im Sommer eine Überdachung ohne Wände.

Roland Schmidt sagt diesbezüglich, die Pferde stellten sich in der Regel an den Eingang, wenn sie das Bedürfnis hätten, zum Stall zu kommen. Das sei in diesem Sommer aber so gut wie nie der Fall gewesen. Ein weiteres Thema ist das Futter. Das stelle allerdings ein Problem dar, sagt Roland Schmidt. Das Freigelände sei schon längst abgegrast, die Tiere bekämen ihr Heu morgens im Stall.

Roland Schmidt bereitet das Heu für die Pferde im Stall auf. Er muss es inzwischen zukaufen, aus dem zweiten Schnitt wurde nichts.
Roland Schmidt bereitet das Heu für die Pferde im Stall auf. Er muss es inzwischen zukaufen, aus dem zweiten Schnitt wurde nichts. | Bild: Wagner, Claudia

"Normalerweise nehme ich das Heu von den Weiden. Aber in diesem Jahr fehlt der zweite Schnitt. Es wächst ja nichts mehr", berichtet Roland Schmidt. Schon jetzt müsse er Winterfutter zufüttern – und das sei eine Frage der Kosten. Das Heu bekomme er von Nebenerwerbs-Landwirten, die selbst keine Kühe hätten. Die Nachfrage sei derzeit groß – entsprechend auch die Preise.

Sein Lager sei zwar voll, sagt Roland Schmidt, aber lange werde der Vorrat nicht halten. In dieser Hinsicht geht es Schmidt ähnlich, wie Viehhaltern, die viel Geld in die Finanzierung von Futtervorräten investieren müssen. Einen Vorteil hat Schmidt: Er kann seine Kunden, die Pferdebesitzer, dazu anhalten, sich an den Kosten zu beteiligen.

Was der Experte sagt

Pferde sind ihrem Ursprung nach Lauf- und Fluchttiere der offenen Steppe. Daher besitzen sie ein ausgeprägtes Thermoregulationsvermögen, schreibt Matthias Gellert vom Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen.

Die Freilandhaltung komme daher ihrem Erkundungsverhalten sowie ihrem natürlichen Bedürfnis nach Bewegung, Licht und frischer Luft entgegen. Mangelnde Bewegung bedinge Schäden am Bewegungsapparat und den Atmungsorganen.

Pferdehalter sollten bei Hitze auf hygienisch einwandfreies Tränkewasser achten. Erwachsene Pferde hätten einen Wasserbedarf von fünf Litern Wasser pro 100 Kilo Körpergewicht, schreibt Gellert, wenn es heiß sei, gelte die zwei- bis dreifache Menge.