Für die Nutzer der Bundesstraße 33 steht spätestens seit Sonntaggabend eine bange Frage im Raum: Wie gut funktioniert der Autoverkehr zwischen Konstanz und Radolfzell eigentlich noch, wenn die B 33 wegen eines Unfalls überraschend gesperrt werden muss? Nach einer Kollision bei Allensbach war es zu chaotischen Zuständen auf den Umleitungsstrecken gekommen, Autofahrer berichten von Verzögerungen von weit mehr als einer Stunde auf dem kurzen Abschnitt.

Einerseits erwiesen sich die Strecken über Allensbach, Kaltbrunn und Markelfingen sowie über Dettingen, Langenrain und Liggeringen dem Verkehrsaufkommen am Ende eines besucherstarken Tages am Bodensee nicht gewachsen. Andererseits trugen aber auch Ampeln mit ungeeigneten Grünphasen erheblich zum Problem bei. So staute es sich auch deshalb teilweise mehrere Kilometer zurück. Betroffen waren beide Fahrtrichtungen.

Polizei spricht von starkem Wochenend-Rückreiseverkehr

Die Polizei bestätigte am Montag, dass die Ausweichstrecken nach dem Unfall vom Sonntagabend mit sechs Leichtverletzten und rund 75.000 Euro Schaden nahe der neuen Holzgassen-Brücke den Verkehr nicht aufnehmen konnten. Dies liege zum Teil daran, dass es sonntagabends durch den Wochenend-Rückreiseverkehr ohnehin oft nur zäh laufe, sagte ein Sprecher: "Wir gehen davon aus, dass wenn ein Hauptverkehrsweg, plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, so wie bei einem Unfall, die nachrangigen Straßen regelmäßig nicht ausreichend diese zusätzlichen Verkehrsmengen bewältigen können." Dies liege auch an Kreuzungen und Einmündungen an den Nebenstraßen. Die Polizei bestätigte auch, dass die Baustellenampel in Liggeringen ebenfalls zur Verschärfung des Problems beigetragen habe.

Landratsamt: Wir können Ampeln nicht einfach ausschalten

Und warum wurden die Ampeln nicht einfach abgestellt, um den Verkehr flüssig zu halten? Benedikt Graf, Pressesprecher des Landratsamts, erklärte auf Anfrage, dass solche Eingriffe kurzfristig kaum zu machen seien. Während bei vorab geplanten Sperrungen die Umleitungsstecken entsprechend vorbereitet werden könnten, sei dies nach einem Unfall schwierig. Es habe sich aber gezeigt: "Wenn die B 33 gesperrt werden muss, kollabiert das System, gerade wenn der Rückreiseverkehr so enorm ist wie am Sonntag." Eine fertige Lösung für einen ähnlichen Fall in der Zukunft gebe es nicht: "Am Ende zeigt sich eben, wie wichtig es ist, dass die B 33 endlich vierspurig und damit sicherer und leistungsfähiger wird."

"Es kann nicht für jede Straße eine gleichwertige Alternative geben"

Auch im Freiburger Regierungspräsidium wird der Kollaps vom Sonntag nochmals analysiert, kündigte Sprecher Matthias Henrich an. "Natürlich tut es uns leid für alle Autofahrer, die im Stau standen", sagte er. Auch bei der Planung des weiteren B-33-Ausbaus gehe man in dem Wissen vor, wie wichtig diese Straße für den Raum Konstanz ist. Henrich gab aber auch zu bedenken: "Wir können nicht für jede Bundesstraße eine zweite gleich leistungsfähige Straße bereitstellen nur für den Fall, dass eine Strecke kurzfristig gesperrt werden muss. Diese Erwartung ist einfach nicht zu erfüllen."

 

Warum B-33-Sperren
so fatal wirken

Wenn die Bundesstraße 33 zwischen Konstanz und Radolfzell dicht ist, hat das erhebliche Folgen. Warum Situation so kritisch ist:
 

  • Viel Verkehr: An einem durchschnittlichen Tag fahren bei Allensbach weit mehr als 30 000 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden über die B 33. Damit hat zweispurige Strecke ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Jede kleine Stockung wirkt sich schnell über mehrere Kilometer aus. Vor beobachten ist das vor allem im Berufs- und im Wochenend-Rückreiseverkehr.
  • Wenige Alternativen: Parallel zur B 33 gibt es über den Bodanrück nur eine einzige durchgehende Verbindung von Güttingen über Langenrain, Dettingen und Litzelstetten nach Konstanz. Auch diese gut ausgebaute Strecke ist schon unter normalen Bedingungen recht stark befahren. Die kleinen Gemeindeverbindungsstraßen ergeben zusammen keine durchgehende Strecke.
  • Langsame Information: Die B 33 war bei Allensbach für Brückenbau-Arbeiten schon mehrfach voll gesperrt. Damals lief der Verkehr, weil alles vorbereitet war und die Öffentlichkeit frühzeitig informiert wurde. Am Sonntag wurde der Stau zwar über Verkehrsfunk, Navigationsgeräte und Handys gemeldet, so die Polizei. Weiträumige Umfahrungs-Tipps seien unter Zeitdruck aber schwer zu geben, da zunächst meist niemand wisse, wie lange eine Sperrung dauere und wie sich Umleitungen auf Alternativ-Strecken auswirkten. (rau)