Mit der Neugestaltung der Allensbacher Ortsmitte will die Gemeinde nun etwas zügiger vorankommen. Noch im September sollen vier Planungsbüros beauftragt werden, ein erstes Konzept zu erstellen. Doch offenbar gibt es zumindest in einigen Punkten vermehrt Gesprächsbedarf, je konkreter es wird. Das zeigte sich bei der Infoveranstaltung zum Projekt „Mitte(n) am See“ im katholischen Pfarrheim, zu der auch neun Gemeinderäte gekommen waren. Tina Mühleck und Lisa Frauhammer vom Beratungsbüro translake stellten dort die Inhalte vor, die den Planern als Aufgabe im Ausschreibungstext gestellt werden.

Ein Extra-Radweg wird empfohlen

Vor allem der Plan, an der Lände einen Radweg anzulegen, stieß auf Unverständnis. CDU-Gemeinderat Franz Scheppe meinte: „Wir brauchen da keinen Radweg. Wer die schöne Landschaft genießen will, kann sein Fahrrad auch schieben.“ Bürgermeister Stefan Friedrich erklärte: „Ich weiß, das Thema Fahrradfahren an der Lände ist hoch emotional.“ Beim Bürgerdialog im März hätten sich die Meinungen pro und contra etwa die Waage gehalten. Es sei aber Realität, dass vor allem Auswärtige dort sowieso mit dem Rad fahren, egal wo ein Weg ausgeschildert sei. Die Fachberater hätten deshalb einen Extra-Radweg empfohlen, um die Radler von den Fußgängern besser zu trennen.

Mühleck erklärte: „Es geht in Allensbach vor allem darum, ein Gesamtkonzept zu entwickeln.“ Dieses solle dann aber nach und nach umgesetzt werden. Daher sei die Ausschreibung unterteilt in einen Ideen- und Realisierungsteil. Letzterer betreffe laut Gemeinderatsbeschluss die Lände. Hier gehe es um ein gut durchdachtes und realisierbares Konzept als Grundlage für die Umsetzung.

Der Bürgerdialog zur Gestaltung der Allensbacher Ortsmitte im März 2019. Viele Interessierte nahmen an zwei moderierten Rundgängen mit vier Stationen teil und machten Vorschläge – hier an der Lände.
Der Bürgerdialog zur Gestaltung der Allensbacher Ortsmitte im März 2019. Viele Interessierte nahmen an zwei moderierten Rundgängen mit vier Stationen teil und machten Vorschläge – hier an der Lände. | Bild: Thomas Zoch

Im Ideenteil für die Ortsmitte mit Rathausplatz, Brunnengasse, Durchgangsstraße und Bahnhofsbereich gehe es zunächst darum, wie es aussehen könnte. Grundsätzliche Zielstellungen seien Regelungen für Durchgangsverkehr, Radfahrer, Fußgänger und Parkplätze (sollen weniger werden) sowie Angebote für alle Generationen.

Lände

Mühleck meinte: „Die Lände hat schon heute hohe Qualität.“ Aber manches sei nicht mehr zeitgemäß. Nach den Wünschen von Bürgern soll es weiterhin ruhige und belebte Bereiche geben und zudem ausreichend Sitzmöglichkeiten und Schatten – eben für alle Generationen etwas. Da Radler einen eigenen Weg bekommen sollen, soll der Zugang bei der Hinnengasse verbreitert werden. Die Gemeinde könne hierfür vom dortigen privaten Grundstück einen 2,50 Meter breiten Streifen kaufen.

Ein größeres Teilprojekt ist ein neuer Spielplatz. Dieser solle richtig toll gestaltet und etwas Besonderes werden, so Mühleck, mit Wasserspielen und Angeboten für kleine und größere Kinder. Der neue Spielplatz könne auch an anderer Stelle als der heutige sein. In jedem Fall solle die Achse Spielplatz-See frei sein.

Einen komplett neuen Spielplatz mit Wasserspielen und Angeboten für kleinere und größere Kinder soll es an der Lände geben. Das wünschen sich etliche Bürger.
Einen komplett neuen Spielplatz mit Wasserspielen und Angeboten für kleinere und größere Kinder soll es an der Lände geben. Das wünschen sich etliche Bürger. | Bild: Thomas Zoch

Eventuell müssten Trockenliegeplätze für Boote verlegt werden. In jedem Fall sollte man auch den Uferbereich mit den Booten effektiver nutzen und schöner gestalten. Hier hakte Björn Zimpel, der Vorsitzende des Angelsportvereins, nach. Die Liegeplätze sollten erhalten bleiben. Deren Nutzer hätten darauf viele Jahre gewartet. Vor allem für ältere Leute seien diese wichtig, weil sie schlecht vom Steg in ihre Boote kämen.

Als weitere Aufgaben an der Lände nannte Mühleck den Erhalt einer Festwiese, schöner gestaltete Sitztreppen zum See und eventuell einen neuen, anders konstruierten Steg. Einen Kiosk, wie von manchen gewünscht, solle es aber nicht geben. Lieber solle die vorhandene Gastronomie gestärkt werden.

Durchgangsstraße

Die Radolfzeller- und Konstanzer Straße könnten von 6,50 Meter auf sechs Meter verschmälert werden, so Mühleck. Das könnte den Verkehr verlangsamen und mehr Platz für Menschen schaffen.

Zudem sollen die Planer prüfen, ob und wo Parkplätze auf der Fahrbahn bleiben können. Ein Bürger warf die Frage ein, wie das gehen solle mit einer schmaleren Straße. Mühleck meinte: „Seien Sie beruhigt. Alle Planungsbüros kennen sich aus.“ Eine Bürgerin meinte, es brauche wenigstens in Abschnitten Tempo 30. Mühleck sagte, Geschwindigkeitsreduzierung sei Teil der Ausschreibung.

Rathausplatz/Brunnengasse

Der Rathausplatz solle von einem reinen Parkplatz zu einem schöner gestalteten Platz mit mehr Aufenthaltsqualität und für mehr Veranstaltungen werden, auf dem aber noch geparkt werden darf, erklärte Mühleck.

Der Rathausplatz soll von einem reinen Parkplatz zu einem schöner gestalteten Platz werden, auf dem aber auch geparkt werden darf.
Der Rathausplatz soll von einem reinen Parkplatz zu einem schöner gestalteten Platz werden, auf dem aber auch geparkt werden darf. | Bild: Thomas Zoch

Die Bäume zur Brunnengasse hin sollen erhalten werden, die Planer aber überlegen, wie es dort am Rand aussehen könnte, wenn die Bäume einmal absterben. Der Brunnen solle erhalten bleiben, könne aber versetzt werden. Bei der Torkel im Museumsgebäude solle es als temporäres Element eine Art Café geben. In der Brunnengasse könnten die Parkplätze bleiben, aber die Glascontainer sollten weg. Außerdem sei denkbar, die Ausfahrt von der Brunnengasse auf den Rathausplatz zu sperren.

Bahnhofsbereich

Der früher Latschariplatz genannte Abschnitt zwischen Bahnübergang Hinnengasse und Bäckerei Ratzek soll so umgestaltet werden, dass es dort mehr Aufenthaltsqualität und Sicherheit gebe. Die unübersichtliche Kreuzung werde von Bürgern als gefährlich empfunden. Eine schönere Gestaltung soll auch als Visitenkarte des Dorfs für ankommende Gäste dienen. Beim Bahnhof gelte es zudem, die westliche Rad-Abstellanlage neu zu gestalten.

Bürgerbeteiligung an der Planung

Mühleck sagte zusammenfassend, man hab zwar nicht alle Anregungen von Bürgern aufnehmen können. „Aber ich glaube, wie haben ein gutes Bündel an Aufgaben geschnürt. Jeder Wettbewerb ist nur so gut wie seine Ausschreibung.“ Sie erwarte tolle Entwürfe.

Bei der Infoveranstaltung zum Sanierungsgebiet Mitte(n) am See sollten sich die Bürger und Gemeinderäte nach ihrem Kenntnisstand über das Projekt aufstellen. Rechts diejenigen, die bisher wenig darüber wissen, und links die gut Informierten mit Bürgermeister Stefan Friedrich an der Spitze.
Bei der Infoveranstaltung zum Sanierungsgebiet Mitte(n) am See sollten sich die Bürger und Gemeinderäte nach ihrem Kenntnisstand über das Projekt aufstellen. Rechts diejenigen, die bisher wenig darüber wissen, und links die gut Informierten mit Bürgermeister Stefan Friedrich an der Spitze. | Bild: Thomas Zoch

Auf Nachfrage der Freie-Wähler-Rätin Karin Heiligmann sagte sie, die Büros seien in der Region und Stuttgart, hätten Erfahrung mit solchen Planungen und bekämen jeweils 6000 Euro für die Entwürfe. Der Bürgermeister meinte, es gehe darum, die Bürger nicht mit einer fertigen Planung zu konfrontieren, sondern zu beteiligen. Aber irgendwann müsse der Gemeinderat eine demokratische Entscheidung fällen. Und was gut sei, solle bleiben. Am Ende sollten möglichst viele Bürger mit möglichst vielen Einzelpunkten gut leben können.

Der Besucher Wolfgang Maurer sagte: „Ich fand die Veranstaltung sehr sinnvoll und bin froh, dass die Gemeinde das macht. Ich halte es für sinnvoll, wenn das jetzt schon besprochen wird und nicht erst in der Realisierungsphase.“

Wolfgang Maurer, ein Besucher der Veranstaltung, bewertet die bürgernahe Entscheidungsfindung positiv.
Wolfgang Maurer, ein Besucher der Veranstaltung, bewertet die bürgernahe Entscheidungsfindung positiv. | Bild: Thomas Zoch

Und Sebastien Peube meinte: „Ich glaube, dass die Leute auch ein bisschen Angst haben vor der großen Veränderung und wir es nicht allen recht machen können.“

Sebastien Peube war ebenfalls auf der Infoveranstaltung.
Sebastien Peube war ebenfalls auf der Infoveranstaltung. | Bild: Thomas Zoch