Für eine neue Konzertbühne im Allensbacher Seegarten ist die erste große Hürde genommen. Das Land Baden Württemberg hat nun den von der Gemeinde erhofften Zuschuss aus dem Tourismusfördertopf zugesagt, der im vergangenen Jahr noch verwehrt worden war. "Das ist ein Meilenstein", so Bürgermeister Stefan Friedrich. "Die Finanzierung ist gesichert. Die Freude ist sehr groß." Und die Zuschusshöhe von bis zu 325 000 Euro entspreche auch dem, was die Gemeinde erhofft habe. Das seien 50 Prozent der förderfähigen Kosten. Im Haushaltsplan hat die Gemeinde in diesem und nächsten Jahr je 350 000 Euro für die neue Bühne vorgesehen. Zudem spendet die Sparkasse Reichenau noch 50 000 Euro anlässlich ihres 125-Jahr-Jubiläums.

Noch fehlt die Baugenehmigung

Doch jetzt stehe noch eine zweite Hürde im Weg: die fehlende Baugenehmigung, so der Bürgermeister. "Wir sind im Gespräch mit dem Landratsamt und dabei, unser Konzept zu verfeinern." Es gebe noch einige offene Fragen, wo die Gemeinde präzisere Angaben machen müsse – zum Beispiel zur Zahl der Zuschauer, Lautstärke, Parkplatzsituation oder zusätzliche WC-Anlagen bei Bedarf. "Daran arbeiten wir mit Hochdruck", erklärt Friedrich. Ziel sei es, zum Saisonende die alte Bühne zu verabschieden und mit dem neubau zu beginnen. "Das ist ein ehrgeiziger Zeitplan." Denn ohne Genehmigung sei keine Ausschreibung der Arbeiten möglich. Der Bürgermeister bestätigt zudem, dass einige Anwohner Einsprüche beim Landratsamt eingereicht haben. Er betont: "Wir haben ein Lärmgutachten." Und demnach soll die Belastung durch die neue Bühne keinesfalls größer sein als bisher, sondern geringer. Doch Friedrich erklärt auch: "Es ist wichtig, die Anwohner mitzunehmen." Im vergangenen Sommer habe die Gemeinde mit diesen schon das Gespräch gesucht. Und das Landratsamt als Genehmigungsbehörde sei in der Nachbarschaftsanhörung.

Kostenrahmen: 400 00 Euro

Und dann ich auch noch nicht klar, was die neue Bühne letztlich kosten wird. Im Architektenwettbewerb im Jahr 2016 war einst ein Kostenrahmen von 400 000 Euro vorgegeben. Die letzten Kostenberechnungen des Architekten Helmut Hagmüller lagen aber schon einiges höher. Und möglicherweise sind weitere Maßnahmen zum Schallschutz nötig, die Geld kosten. Einige Gemeinderäte haben schon mehrfach die steigenden Kosten moniert. Allerdings sind bei der Planung auch noch nicht alle Details geklärt, was die Ausstattung und Materialwahl betrifft. Hierüber muss der Gemeinderat noch entscheiden.

Diese Situation soll anders werden: Im Entwurf des Architekten Helmut Hagmüller, den der Gemeinderat ausgewählt hat, wird die Seegartenbühne (das linke Gebäude) neu platziert, ganz in den Südwesten ans Seeufer (die abgerundete Kante des Modells). Die Kante rechts ist das Ufer des Mühlebachs, noch weiter rechts (nicht im Modell) käme dann das Seegartenrestaurant. Bild: Thoams Zoch

Einstweilen überwiegt aber erst einmal die Freude über die Zuschusszusage. Ludwig Egenhofer erklärt: "Die CDU und ich, wir freuen uns, dass wir den höchstmöglichen Zuschuss erhalten werden. Ich persönlich hatte nie Zweifel, dass es so kommen wird." Er gehe davon aus, dass zum Ende der diesjährigen Saison mit dem Bau begonnen werden könne. Dies bedeute aber: "Die Handbremse muss jetzt gelöst werden und es muss mit Vollgas an die Ausschreibung rangehen."

"Neubau dringend notwendig"

Für die Freien Wähler erklären Karin Heiligmann und Pius Wehrle: "Wir freuen uns ganz besonders über die Zusage des Ministeriums für Justiz- und Europaangelegenheiten. Der genehmigte Zuschuss beträgt nahezu die Hälfte der bislang geplanten und in den Haushalt eingestellten Bausumme und ermöglicht es uns nun endlich, eine neue Seegartenbühne zu bauen, die sowohl architektonisch ansprechend, als auch qualitativ so ausgestattet werden kann, dass sie auch den notwendigen Ansprüchen gerecht werden kann." Ein Neubau sei dringend notwendig. "Wir brauchen unbedingt einen adäquaten Platz für unser hervorragendes, weit über die Grenzen von Allensbach bekanntes Konzert- und Veranstaltungsangebot." Nun könne tatsächlich im Herbst mit dem Neubau damit begonnen werden. Dies sei auch eine absolut notwendige Unterstützung und Förderung des Wirtschaftsfaktors Kultur- und Tourismus. "Für die Zukunft von Allensbach werden diese Bereiche zunehmend an Bedeutung gewinnen."

Vorfreude auf die neue Bühne

Auch Tobias Volz (SPD) äußert sich sehr erfreut: "Der Neubau der Seegartenbühne ist längst überfällig." Die alte Bühne werde schon lange nicht mehr dem guten Angebot des Allensbacher Sommerprogramms gerecht. "Es wird einen architektonisch ausgesprochen gelungenen Bau geben. Natürlich freuen wir uns über den angemessenen Zuschuss des Landes und sind glücklich, nächstes Jahr das vielfältige Programm im neuen Kleid präsentieren zu können." Ein Grund zum Jubeln ist die Zuschusszusage natürlich auch für Kulturbüroleiterin Sabine Schürnbrand: "Die Freude ist riesengroß." Die tollen Künstler aus nah und fern, die hier auftreten, hätten eine angemessene Bühne verdient. Das Umsonst- und draußen-Programm für dieses Jahr von Mai bis Oktober habe sie schon weit gehend zusammengestellt, das Programm solle nach Ostern in Druck gehen.

 

 

Auch der Standort wird neu sein

  • Die alte Bühne: Ein mit Steinplatten belegter Erdhaufen mitten auf der Wiese bildet bisher die schlichte Bühne. Für größere Ensembles ist sie etwas klein und bietet keine abgetrennten Bereiche für Musiker oder zur Lagerung von Gerätschaften. Ein Problem ist vor allem die wenig wetterfeste Überdachung. Bei schlechter Witterung muss das Kulturbüro deshalb öfter Veranstaltungen ins katholische Pfarrheim oder andere Räume verlegen.
  • Die neue Bühne: Nach einem Architektenwettbewerb hat der Gemeinderat den Entwurf des Konstanzer Büros Schaudt und des Allensbacher Architekten Helmut Hagmüller ausgewählt. Dieser sieht den Standort neu in der südwestlichen Ecke der Rasenfläche vor. Dadurch haben die Zuschauer nicht nur die Bühne, sondern auch den See im Blick, und es finden auch mehr Besucher Platz vor der Bühne. Der Entwurf sieht eine einfache Konstruktion aus Holz, Stahl und Glas mit transparentem Dach vor. Hinten und an der Seite der Bühne sind Schiebeelemente, die als Trennwände dienen können, mit denen aber auch die Bühne geöffnet werden kann.
  • Das Konzertprogramm: Die Umsonst- und draußen-Reihe im Allensbacher Seegarten bietet von Mai bis Oktober praktisch wöchentlich Konzerte ganz unterschiedlicher Art. Regionale und internationale Musiker treten dabei auf. Der Eintritt ist stets frei. Die Reihe ist beliebt bei Einheimischen, Besuchern aus der Region und Feriengästen. In der Regel kommen mehrere hundert Zuschauer, bei bekannten Künstlern lag die Zahl auch schon im vierstelligen Bereich.