Allensbach Hexe Thea aus Langenrain: Magie jenseits von Harry Potter

Thea Hermann ist von Beruf Hexe. Ein Nahtod-Erlebnis hatte ihr schon früh diesen Berufsweg vorgegeben. Lesen Sie hier, wie sie Menschen mit weiser Magie hilft.

Ein Hexenhaus stellt man sich anders vor: Das Heim von „Viktie Thea“, bürgerlich Thea Hermann, ist ein ganz normales Haus am Rande von Langenrain. Viktie ist isländischen Ursprungs und bedeutet „die Wissende“. Nur in einem kleinen Raum im Untergeschoss lassen sich die Themen, die Thea Hermann umtreiben und mit denen sie sich beinahe lebenslang beschäftigt, erahnen: Hier stehen Kerzen auf dem schweren Schreibtisch, ein Kristallstein: Das kleine Reich einer Hexe im 21. Jahrhundert, liebevoll sortiert.

Eine Hexe im 21. Jahrhundert

Im Alltagsleben ist Viktie Thea „eine ganz normale Frau“ mit den Gefühlen, Sorgen und Freuden ihrer Geschlechtsgenossinnen. Von Beruf ist sie Hexe. Doch wie kommt eine Frau im 21. Jahrhundert zu dieser Berufung?

Thea Hermann spricht von einem Nahtod-Erlebnis in ihrer Kindheit. Auf einem Parkplatz auf der Heimreise vom Urlaub sei sie einen Abhang hinuntergestürzt. Sie erzählt, sie sei auf einen Vorsprung gefallen, was ihr das Leben rettete. „Ich habe meinen Lebensfilm gesehen, einen Tunnel mit einem Licht am Ende, Farben, eine andere Dimension. Ein Wesen sagte mir, dass ich Menschen lehren solle.“ Zwar sollte es lange dauern, bis Thea aus diesem Erlebnis Konsequenzen zog, vergessen hat sie es jedoch nie.

Rückführung in ein früheres Leben

Viel später – längst hatte sie einen bürgerlichen Beruf als Reiseverkehrskauffrau ergriffen, geheiratet, hatte Kinder – stieß sie auf einen Prospekt von einem Kosmologen-Lehrgang in Basel. Sie besuchte das Seminar, lernte die Technik der Rückführung in ein früheres Leben und beschäftigte sich weiter mit weiser Magie.

Zu 80 Prozent seien ihre Klienten Frauen, bestätigt Thea Hermann die Vermutung, dass Hexerei auch im 21. Jahrhundert weitgehend eine weibliche Angelegenheit ist. Die Themen seien breit gefächert, ganz oben auf der Liste aber stehe Einsamkeit und der Wunsch nach einem Partner. „Viele lassen sich die Karten legen, um zu erfahren, ob ihr Wunsch nach einer Beziehung erfüllt wird.“ Männer kämen häufig nach dem Ende einer Beziehung, um zu erfahren, ob die Partnerin zu ihnen zurückkommen werde.

Hexe will Klienten nicht frustrieren

Thea Hermann sieht ihre Aufgabe nicht darin, Menschen gezielt zu frustrieren. Sollten die Karten nicht das erwünschte Ergebnis zeigen, betone sie die Chancen, die in dem aufgezeigten Weg lägen. Für die Beratungen nimmt Thea Geld an, genau festgelegte Sätze hat sie aber nicht. Es hänge auch vom Einkommen des Ratsuchenden ab, sie wolle sich nicht bereichern.

Wie geht man auf Seiten derjenigen, die professionell mit Seelsorge befasst sind, mit Hexerei um? Pfarrer Wolfgang Gaßmann, in dessen Seelsorgeeinheit Langenrain liegt, zeigt wenig Berührungsängste. Dass Menschen fasziniert seien von übersinnlichen Phänomenen, verstehe er. Er lässt auch gelten, dass es Menschen gebe, die besondere Begabungen hätten. „Unsere Welt wirkt heute oft sehr naturalistisch. Daher rührt wohl das Bedürfnis der Suche nach etwas Weitergehendem, dem Transzendenten.“

Mangel an Selbstwertgefühl und Eigenliebe

Einen wesentlichen Unterschied zur eigenen Weltanschauung möchte er bei allem Verständnis betonen: Der christliche Glaube beruhe darauf, dass Gott Dinge plane, die dem Menschen verborgen bleiben. „Ich gebe mich vertrauensvoll in seine Hand, versuche, ihn nicht zu beeinflussen.“ Mit Magie hingegen versuche der Mensch, in das Schicksal einzugreifen. Außerdem gelte für ihn als Christen die Bibel als Offenbarung. Sie sei eine Richtschnur, sie vermittle ein Gottesbild, das dem Menschen zu einer positiven Lebenseinstellung verhelfe. Ein wenig Selbstkritik lässt Gaßmann allerdings zu: „Als Theologen sind wir heute weiter von den Menschen entfernt. Wir können nicht mehr alle erreichen, manchen ist die Botschaft im Gottesdienst zu anonym.“

Anonymität erkennt auch Thea Hermann als ein problematisches Phänomen des Zeitgeists. Elektronische Kommunikation und Techniknutzung ersetzten eben nicht die menschliche Wärme, so ihre Auffassung. Vielen jungen Leuten fehle es an Selbstwertgefühl und an Eigenliebe. Mit Kerzen, Farben, der Ansprache der fünf Sinne und ein bisschen Magie hält Thea dagegen.

 

„Wahrsager sind oft sehr intuitive Menschen“

Walter von Lucadou, Physiker und Psychologe, gilt als einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Parapsychologie.

Herr Lucadou, handelt es sich bei Hexen und Magiern eigentlich um einen Trend?

Es handelt sich dabei nicht um eine einheitliche Szene, es gibt Kult-Hexen, politisch-emanzipatorische Hexen, dann die Wahrsagerinnen aus der Esoterik-Szene: ein sehr buntes Völkchen, zum Teil eine fragwürdige Geschichte. In jedem Fall ist der Begriff nicht mehr negativ konnotiert, man verwendet ihn heute freundlich-provokant.

Was halten Sie von den Methoden?

Kartenlegen ist harmlos, solange man die Leute nicht in eine seelische Abhängigkeit manövriert. Die Bilderwelt der Tarot-Karten bietet so etwas wie eine Projektionsfläche für die seelische Befindlichkeit des Klienten: sogar Psychologen arbeiten damit. Andererseits: Wenn Anbieter plump an die Sache herangehen, tut das dem Klienten nicht gut. Ich empfehle Ratsuchenden oft: Verlasst euch doch mal auf eure eigene Intuition.

Woher stammt das Bedürfnis, bei Kartenlesern Rat zu suchen?

Das ist ganz normal, der Mensch will wissen, wie seine Zukunft aussieht. Weshalb liest man den Wetterbericht? Man verlässt sich nicht zu 100 Prozent darauf. Wahrsager vermitteln leider oft, dass alles ganz fest liegt. Es sind intuitive Menschen, die schnell herausfinden, wo beim Gegenüber das Problem steckt. Das beeindruckt die Menschen.

Wo sehen Sie Gefahren bei der Tätigkeit von Hexen?

Die größte Gefahr ist, dass man viel Geld ausgibt, bei einem Wahrsager aufs falsche Pferd setzt und abhängig wird. Die Klienten bleiben sehr oft dem Wahrsager treu, die Schuld bekommt der Klient zugeschoben. Die Institution Astro-TV ist ein weiteres Problem: Manche Leute können dabei richtig süchtig werden, sie werden unselbstständig. Es gibt aber auch viele umsichtige, verantwortungsvolle Wahrsager.

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