Kinderbetreuung, Kultur und Infrastruktur sind die Schwerpunkte im Investitionsprogramm, das sich die Gemeinde Allensbach fürs Jahr 2018 vorgenommen hat. Ein neues Kinderhaus, eine neue Seegartenbühne, die Finanzierung der weitgehend abgeschlossenen Bahnsteigsanierung, Kanäle und Trinkwasserleitungen bilden die größten Kostenblocks. Insgesamt will die Gemeinde rund 4,65 Millionen Euro im Vermögenshaushalt in diese Großprojekte und viele kleinere Maßnahmen investieren – eine für Allensbach enorme Summe (siehe Info). Bürgermeister Stefan Friedrich meinte in der Haushaltsberatung: „Es ist ein ambitioniertes Ziel, wenn wir diese Maßnahmen alle umsetzen möchten.“ Und er betonte: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir alles, was wir uns wünschen, betreiben können.“ Doch zugleich schränkte er ein, dass die Verwaltung auch in der Lage sein müsse, das alles abzuarbeiten.

Die alte Seegartenbühne will die Gemeinde Allensbach in diesem Jahr endlich durch eine neue auf der Wiese im Hintergrund ersetzen. Darauf freuen sich auch die Mitarbeiterinnen des Kulturbüros – im Bild Meike Häusler (links) und Jacqueline Hellwig.
Die alte Seegartenbühne will die Gemeinde Allensbach in diesem Jahr endlich durch eine neue auf der Wiese im Hintergrund ersetzen. Darauf freuen sich auch die Mitarbeiterinnen des Kulturbüros – im Bild Meike Häusler (links) und Jacqueline Hellwig. | Bild: Thomas Zoch

Finanziert werden kann das Ganze ohne neue Schulden vor allem dank der wirtschaftlich guten Entwicklung, wie Rechnungsamtsleiterin Silvia Schlegel erklärte. Das Jahr 2017 sei nach derzeitigem Stand mit gut 1,1 Millionen Euro höheren Einnahmen und knapp 300 000 geringeren Ausgaben deutlich besser verlaufen als geplant. Unterm Strich müsse man nicht, wie ursprünglich vermutet, 875 000 Euro aus den finanziellen Rücklagen entnehmen, sondern könne diese sogar um 1,8 Millionen aufstocken. „Wir können zu Beginn des Jahres 2018 mit 4,66 Millionen Euro Rücklagen rechnen“, so Schlegel. Die günstige Entwicklung lag freilich auch daran, dass die bereits im Haushalt 2017 veranschlagten Großmaßnahmen Kinderhaus und Seegartenbühne noch nicht umsetzbar waren.

Und zur Finanzierung des ambitionierten Programms 2018 sollen den Rücklagen über zwei Millionen Euro entnommen werden, da aus dem Verwaltungshaushalt für Investitionen nur eine Zuführungsrate von einer guten Million erwirtschaftet werden könne.

Der Gemeinderat stimmte dem Haushalt zu, doch zugleich wurden auch Zweifel geäußert, dass dieses ehrgeizige Programm personell zu bewältigen sei. Und zudem wurde von verschiedenen Räten angemahnt, die Folgekosten im Auge zu behalten. Dies betonte auch der Bürgermeister. Mit rund 19,5 Millionen Euro sei der Verwaltungshaushalt so groß wie noch nie – und das liege an den steigenden Personalkosten, die wiederum vor allem durch den Ausbau der Betreuung entstehen. Rechnungsamtsleiterin Schlegel erklärte, die Personalkosten machten mit rund 4,58 Millionen Euro fast ein Viertel des Verwaltungshaushalts aus – gegenüber dem Jahr 2013 sei dies eine Steigerung um 1,6 Millionen Euro.

Ludwig Egenhofer (CDU) meinte zwar: „Die Überschrift heißt gute Aussichten.“ Doch es fehlten weiter Betreuungsplätze, der Kindergartenbedarfsplan müsse fortgeschrieben werden. Zudem müsse man auch an Pflegebedürftige denken und in allen Ortsteilen an Wohnraum für Familien – an erster Stelle in Kaltbrunn. „Das Thema Dorfentwicklung steht für die CDU weit oben auf der Agenda.“ Und für die Sanierung von Straßen, Kanälen und Wasserleitungen sollte die Gemeinde vielleicht sogar noch mehr Geld ausgeben.

Auch Karin Heiligmann (Freie Wähler) begrüßte die erfreuliche Entwicklung der Finanzen, doch man dürfe sich nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Die steigenden Personalkosten seien momentan finanzierbar und notwendig, doch bei sinkenden Einnahmen werde das schwierig. Zum Investitionsprogramm meinte sie: „Das ist personell und zeitlich nicht umzusetzen.“ Wie die CDU schlug sie vor, manche Aufgaben nach außen zu verlagern. Zudem forderte sie, den Neubau der Seegartenbühne im Herbst anzugehen und Kosten für den Abriss des „Schandflecks“ Adler einzuplanen.

Tobias Volz (SPD) mahnte bei aller Freude über die wirtschaftliche Situation der Gemeinde zur Vorsicht und erinnerte, dass der Landkreis die Kreisumlage künftig erhöhen müsse: „Die Ausgaben rennen davon.“ Zudem bemängelte Volz, dass im Haushalt der bezahlbare Wohnungsbau fehle. „Wir sollten als Gemeinde ein Zeichen setzen“, meinte er. Denn das, was an Neubaugebieten auf dem Broziatareal, am Mühlbach und vielleicht anderswo geplant sei, sei kein sozialer Wohnungsbau.

Doris Hellmuth (Bunte Liste) mahnte angesichts der Folgekosten: „Wir müssen dringend darauf achten, Disziplin an den Tag zu legen.“ Obwohl auch sie den Haushalt als sehr ambitioniert bezeichnete, meinte sie, dass das Verlagern von Aufgaben nur geringfügige Zeitersparnis für die Verwaltung bringe. Bei der Seegartenbühne, monierte Hellmuth, lägen die eingeplanten Kosten deutlich über den früher vorgesehenen. Und zum Thema Kinderbetreuung merkte sie an, es gehe nicht nur um Wünsche von Eltern, sondern auch um die Notwendigkeit oder das Bedürfnis, arbeiten zu können. Und dadurch fließe der Gemeinde auch wieder Einkommenssteuer zu.

Ein mehrfach angesprochenes Thema war auch die Zukunft der Marienschlucht. Friedrich sagte, es stünden Gespräche mit Behörden an über mögliche neue Wegführungen und Konzepte. Auf Wunsch aus dem Gemeinderat will die Verwaltung darüber demnächst genauer informieren.

 

Die größten Investitionen

Der Neubau eines weiteren Kinderhauses am Standort des Montessori-Kindergartens ist im Haushalt 2018 mit einer Million Euro eingeplant und mit 1,2 Millionen im Jahr 2019. Im Gegenzug erwartet die Gemeinde Fördergelder. Für die fast abgeschlossene Bahnhofsmodernisierung muss Allensbach im Jahr 2018 mit 900 000 Euro den größten Brocken der rund 1,5 Millionen Kosten aufbringen. Der Landkreis übernimmt hiervon aber 40 Prozent. Die Sanierung und Erneuerung von Kanälen in der Radolfzeller Straße und dem Seeweg sind 2018 mit 440 000 Euro vorgesehen.

Für die neue Seegartenbühne sind 2018 und 2019 je 350 000 Euro eingeplant – allerdings wäre dies die Variante mit Extras, über die noch entschieden werden muss. Zudem sind Zuschüsse vom Land (163 000) und der Sparkasse (50 000) gegenzurechnen. Für den Ausbau der Straße am Mühlbach und des Seewegs sind je 200 000 Euro vorgesehen. Für die Ausstattung des neuen Waldkindergartens sind 100 000 eingeplant. (toz)

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