Einen ehrgeizigen Investitionsplan fürs Jahr 2018 hat die Allensbacher Verwaltung aufgestellt. Gut 4,6 Millionen Euro sollen für einige größere und viele kleine Projekte ausgegeben werden – deutlich mehr als in den Vorjahren. „Wir wollen und müssen nächstes Jahr wieder viel investieren“, sagte Bürgermeister Stefan Friedrich im Gemeinderat, der den Entwurf zur Kenntnis nahm.

Doch wenn das alles so umgesetzt würde, würde das Finanzpolster in den Rücklagen um 2,3 Millionen fast auf ein Mindestmaß schrumpfen, weil aus dem Verwaltungshaushalt nur eine Zuführungsrate von einer Million Euro für Investitionen zu erwarten sei, so Rechnungsamtsleiterin Sylvia Schlegel. Dies liege unter anderem an steigenden Personalkosten. „Ich denke, dass wir eine Obergrenze erreichen. Die Umsetzung wird der Knackpunkt sein.“ Einiges seien Pflichtaufgaben wie die Kosten für die Bahnhofsmodernisierung. Zudem seien große Projekte wie der Kinderhausbau oder die neue Seegartenbühne neu veranschlagt, weil sie 2017 noch nicht umsetzungsreif waren. Schlegel betonte auch, dass die Haushaltsplanung noch nicht abgeschlossen sei, es könnten sich manche Zahlen noch ändern. Einige Ratsmitglieder äußerten ohnehin Zweifel, dass die Verwaltung personell in der Lage sein werde, dies alles umzusetzen.

Immerhin ist die finanzielle Situation der Gemeinde Allensbach aktuell gut. Im Jahr 2017 sei mit deutlichen Mehreinnahmen vor allem bei Gewerbe- und Einkommenssteuer zu rechnen sowie mit weniger Ausgaben bei Personalkosten und Kreisumlage, berichtete Schlegel. Die Zuführungsrate für Investitionen aus dem Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt dürfte zwei Millionen Euro statt wie geplant nur 1,18 betragen. Es seien keine neue Schulden und keine Entnahme aus den finanziellen Rücklagen nötig. Letztere hätten dann zum Jahresende den stattlichen Stand von rund 2,9 Millionen Euro.

Gemeinderat Ludwig Egenhofer (CDU) meinte deshalb: „Die Ausgangslage ist gut. Für uns steht die Ampel auf Grün.“ Die CDU gehe davon aus, dass sich die Rahmendaten auch 2018 besser als erwartet entwickeln werden. Allerdings sei es schwierig, den Investitionsplan zu beurteilen, ohne die kompletten Zahlen des Haushalts zu kennen. Man dürfe nicht übermütig werden angesichts der steigenden Personalkosten, die in den folgenden Jahren den Spielraum einengen werde. Für die CDU gebe es klare Prioritäten: den Ausbau der Kinderbetreuung, kleinere Neubaugebiete in allen Ortsteilen sowie Fortschritte in der Marienschlucht und bei der künftigen Nutzung des Adler-Areals. „Es ist eine sehr ehrgeizige Vorlage. Vieles wird auf der Strecke bleiben. Dafür sind die Kapazitäten zu gering.“

Die Erneuerung der Seegartenbühne ist mit 350000 Euro im Jahr 2018 eingeplant, derselbe Betrag im Folgejahr. Einige Gemeinderäte mahnen, dies sei teurer als einst vorgesehen. Die neue Bühne soll in die Wiesenecke rechts hinten, damit die Zuschauer künftig diesen Blick auf den See haben. Bild: Thomas Zoch
Die Erneuerung der Seegartenbühne ist mit 350000 Euro im Jahr 2018 eingeplant, derselbe Betrag im Folgejahr. Einige Gemeinderäte mahnen, dies sei teurer als einst vorgesehen. Die neue Bühne soll in die Wiesenecke rechts hinten, damit die Zuschauer künftig diesen Blick auf den See haben. Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Dies meinte auch Karin Heiligmann (Freie Wähler). 3,5 Millionen Euro sei die maximal umsetzbare Größe, sagte sie. Bei den größeren Projekten falle es zwar schwer, etwas zu streichen, aber kleinere Posten könne man hinterfragen. Sie nannte als Beispiele 15 000 Euro für Weihnachtsbeleuchtung oder 70 000 für eine Umzäunung der Sportplätze in Kaltbrunn. Auch Doris Hellmuth (Bunte Liste) sah die Realisierung aller Vorhaben problematisch. Allein der Ausbau der Kinderbetreuung bedeute viel Aufwand. Neben den Posten für Weihnachtsbeleuchtung und Sportplatzumzäunung monierte sie, dass für Mobiliar im Sitzungssaal 70 000 Euro eingeplant seien. Und, dass für die Seegartenbühne 2018 und 2019 zusammen 700 000 Euro vorgesehen seien – ursprünglich sei von 500 000 als Kostenrahmen die Rede gewesen.

Der Bürgermeister meinte zu den Einwänden, die Kinderbetreuung sowie die Zukunft des Gasthauses Adler und der Marienschlucht seien wichtige Punkte. Für die Seegartenbühne seien Zuschüsse vom Land (163 000) und von der Sparkasse Reichenau (50 000) eingeplant. Bei der Umzäunung des Kunstrasens und des Rasenplatzes gehe es darum, weitere Verschmutzungen durch unerlaubte Nutzung zu verhindern. Bei der Weihnachtsbeleuchtung gehe es um eine atmosphärische Gestaltung etwa des Rathausplatzes oder des Verkehrsbüros. Die Gemeinderäte sollen den kompletten Entwurf des Haushalts 2018 kurz vor Weihnachten erhalten.

Investitionen

Der Neubau eines weiteren Kinderhauses schlägt am meisten zu Buche im Investitionsplan der Gemeinde Allensbach. Eine Million Euro sind hierfür im Jahr 2018 vorgesehen, weitere 1,2 Millionen 2019. An zweiter Stelle folgt die Bahnhofsmodernisierung. Diese ist fast abgeschlossen, doch der größte Brocken der 1,5 Millionen Euro, die die Gemeinde dafür zahlen muss, fällt laut Vertrag mit der Bahn im Jahr 2018 an: 900 000 Euro. Die Sanierung und Erneuerung von Kanälen in der Radolfzeller Straße und dem Seeweg sind 2018 mit 440 000 Euro eingeplant, der Straßenausbau des Seewegs mit weiteren 400 000. Für die neue Seegartenbühne sind 2018 und 2019 jeweils 350 000 Euro vorgesehen; gebaut wird ab Herbst aber wohl nur, wenn es den erhofften Landeszuschuss von 163 000 gibt. 150 000 Euro sind für Maßnahmen im Rahmen des Landessanierungsprogramms eingeplant (hierzu zählt auch der Adler) und 100 000 für einen Waldkindergarten. (toz)

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