Inge Zipfler muss heute noch lachen, wenn sie an jene Fasnacht vor etlichen Jahrzehnten zurückdenkt, als sie zum ersten Mal – mit gerade mal 14 Jahren – ins Gasthaus Adler ging zum Schnurren, was früher in Allensbach „Maschgere Goh“ geheißen habe.

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„Als Wilderer“ habe sie sich kostümiert, mit großen Stiefeln, Pumphose, Hasenfell, grünem Hut und Rucksack, berichtet sie schmunzelnd. „Kein Mensch hat gedacht, dass das ein Mädle ist mit 14 Jahren.“ Und später als junge Frau sei sie dann mal mit einer Freundin an der Fasnacht durch die Gaststätten im Dorf gezogen. Jede habe einen Koffer dabei gehabt, sie selbst einen mit Unterwäsche, ihre Bekannte mit Reizwäsche. „Dann hat die ausgepackt“, berichtet sie lachend, „und wir haben das den Männern schön unter die Nase gehalten.“

Woher kommt der Brauch vom Maschgere?

Auch Amanda Baumann kann sich noch gut an den früher in Allensbach beliebten Fasnachtsbrauch erinnern. Überwiegend Frauen seien zum Maschgere gegangen, erst ab den 1960er-Jahren auch Männer. Eine gute Maskierung war ganz wichtig, damit man nicht erkannt werde bei der närrischen Neckerei – zumindest nicht so schnell.

„Vorher hat man noch ein bisschen was getrunken, damit das Mundwerk besser gelaufen ist. Und dann ist man von Stammtisch zu Stammtisch gegangen und hat die alten Männer getätschelt.“ Renate Hog erklärt, zur guten Maskerade habe es auch gehört, mit hoher und verstellter Stimme zu sprechen. „Das war jedes Jahr ein Fest.“

„Die älteren Männer waren dankbare Opfer“

Anne Karrer fügt schmunzelnd an: „Da wollte man die Männer etwas verrückt machen. Man hat ein Sündenregister vorgetragen, was einem nicht passte unterm Jahr.“ Und Erika Sax weiß noch: „Die älteren Männer waren dankbare Opfer. Man hat denen die Leviten gelesen. Wir sind alle Wirtschaften durch. Und da, wo die Musiker waren, im Löwen-Saal, war um Mitternacht Demaskierung.“

Maschgere Goh oder Schnurren war früher ein beliebter Spaß an der Fasnacht in Allensbacher Lokalen – hier ein Beispiel aus den frühen 1960er-Jahren. Eine der beiden verkleideten Frauen war Erika Sax.
Maschgere Goh oder Schnurren war früher ein beliebter Spaß an der Fasnacht in Allensbacher Lokalen – hier ein Beispiel aus den frühen 1960er-Jahren. Eine der beiden verkleideten Frauen war Erika Sax. | Bild: privat

Was hat die Bodanrückhalle mit dem Aussterben des Schnurren zu tun?

Doch während zum Beispiel in Konstanz noch heute manche Mäschgerle zum Schnurren gehen, wurde das Maschgere Goh in Allensbach immer weniger. Die Traditionsgasthäuser Löwen und Eintracht wurden abgerissen, der Adler, 1909 das Gründungslokal des Narrenvereins Alet, wurde dicht gemacht.

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Und vor allem den Bau der Bodanrückhalle Mitte der 1970er-Jahre machen die alten Närrinnen verantwortlich fürs Verschwinden des einst beliebten Brauchs. „Es ist unpersönlicher geworden“, meint Renate Hog zu den viel größeren Fasnachtspartys in der Halle. Und Anne Karrer erzählt, wenn man dort zum Maschgere wollte, „ist man blöd angeschaut worden“.

Was sagt der Alet-Präsident dazu?

Alet-Präsident Ludwig Egenhofer kennt diese Klagen älterer Fasnachter seit vielen Jahren. „Uns wurde oft vorgeworfen, dass die Fasnacht kaputtgemacht wird mit der Halle.“ Er habe immer erklärt, dass ja auch viele Gastwirte nicht mehr bei der Fasnacht mitmachen wollten. Doch nun zum 111-Jährigen des Alet wolle der Narrenrat versuchen, das Maschgere wiederzubeleben im Dorf.

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Und dabei hoffe er, dass auch Jüngere – Männer wie Frauen – mitmachen werden. „Es wird nicht einfach, aber wer nichts wagt, gewinnt nichts“, so der Präsident, der natürlich früher auch gern Maschgere ging. Wie die Fasnacht einst in Allensbach war, wolle man auch beim närrischen Straßenfest am Alet-Gründungstag, 30. Januar, beim Adler mit historischen Bildern zeigen. „Ich verspreche mir davon einen Impuls.“

Wird es eine Rückkehr zur Dorffasnet geben?

Damit der Neustart leichter falle, werde der Alet einiges organisieren. Speziell am Fasnachtssamstag, 22. Februar, solle es eine Dorffasnet wie früher geben. Die in den vergangenen Jahren veranstaltete Lumpennacht in der Halle falle aus. Der Narrenrat habe mit Gastwirten gesprochen, und bereits fünf hätten zugesagt, mitzumachen.

Es könnten auch noch mehr werden, meint Egenhofer. Diese Wirtschaften sollten wie früher dekoriert sein, und es sollte Musik dort geben. Zudem wolle man ein paar kleinere Gruppen als Lumpenmusiken organisieren, die durch die Wirtschaften ziehen. Damit Jüngere erleben können, wie es gehen kann, werde der Narrenrat auch einige Maschgere-Gruppen bilden. „Sechs oder sieben kriegen wir zusammen.“ Und die große Demaskierung von allen solle dann um 23.30 Uhr beim Narrenbaum sein.

„Und wenn nichts los ist, ziehen wir weiter.“

Damit das Maschgere funktionieren kann, sollten natürlich auch Leute in den Lokalen sitzen, betont der Alet-Präsident – und fügt an: „Ich erwarte, dass die, die früher Maschgere gingen, in den Wirtschaften sitzen.“ Und die Runde älterer Närrinnen, die sich für den SÜDKURIER an damals zurückerinnert haben, hat schon angekündigt, dies tun zu wollen. Wobei Anne Karrer schmunzelnd anmerkt: „Und wenn nichts los ist, ziehen wir weiter.“