Der Sprung ins kühle Wasser gehört für viele Bodensee-Anwohner zu den großen Vorzügen ihrer Heimat. Auch etliche Allensbacher nutzen die verschiedenen Badestellen. Charlotte Jäkel und ihr Lebensgefährte schwimmen beinahe täglich an einer der Gassen, die zum Ufer führen. Den ersten Augustsonntag werden die beiden allerdings so schnell nicht vergessen. An jenem Abend wurde Jäkel zur Lebensretterin.

„Mein Lebensgefährte ist weiter rausgeschwommen, ich blieb näher am Ufer“, erzählt sie, „da fiel mir eine Frau auf, die im Wasser rollte. Mal war der Kopf oben, dann wieder die Beine.“ Jäkel reagiert geistesgegenwärtig und schwimmt sofort zu der betagten Seniorin. „Ich habe gefragt, ob alles okay ist. Sie sagte nur: Ich kann nicht mehr“, erinnert sich die Allensbacherin.

Vier Retter sind schnell zur Stelle

Während sie sich um die verunglückte Renate Leinigen aus Konstanz kümmert, kommen schon die nächsten Retter und packen mit an. „Eine Frau, die auch im Wasser war, und zwei weitere Schwimmer haben mit angepackt und mir geholfen, Frau Leinigen aus dem Wasser zu tragen“, sagt die Retterin, der es im Gespräch mit dem SÜDKURIER unangenehm ist, dass sie die Namen der anderen nicht kennt. „Ich bin bei Frau Leinigen geblieben, als Arzt und DLRG kamen. Die anderen drei sind gegangen. Schade, dass ich jetzt alleine im Vordergrund stehe. Ihnen gebührt die gleiche Ehre.“

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Die 81-jährige Renate Leinigen und ihr neun Jahre älterer Lebensgefährte Hans-Joachim Naumer sind auch regelmäßig an jener Gasse im Wasser. „Ich bin ein Stück rausgeschwommen, wie immer, und als ich zum Ufer zurück bin, war Renate ein bisschen von mir entfernt“, blickt Naumer zurück. „Als ich ihre Arme aus dem Wasser ragen sah, habe ich gedacht, sie schwimmt Rücken.“ Alles sei so schnell gegangen. „Ich weiß ja, dass sie gut schwimmen kann, sie war lange beim SK Sparta aktiv“, ergänzt der Allensbacher Naumer. „Vielleicht lag es an der Hitze.“

Die 81-Jährige war mehrfach mit dem Kopf unter Wasser

Drei Boote mit Bootsführern aus Moos, Radolfzell und Allensbach, ein Arzt, ein Einsatzleiter sowie zehn Wasserretter machen sich sofort auf den Weg, als der Notruf kommt. Ein Glück, dass die Einsatzkräfte so schnell sind, das weiß auch Charlotte Jäkel.

„Sie war desorientiert. Zwar konnte man dort noch stehen, lange hätte es aber nicht dauern dürfen“, sagt sie über Renate Leinigen – während die DLRG das Lob zurückgibt. „Durch das schnelle Eingreifen der Passanten konnte die Frau, die mit dem Kopf bereits mehrfach unter Wasser war, gerettet werden und ihnen hat sie es zu verdanken, dass sie ihre Notlage gut überstanden hat“, heißt es in einer Mitteilung.

Auch künftig wird Charlotte Jäkel, die Hans-Joachim Naumer und Renate Leinigen schon das eine oder andere Mal am gemeinsamen Lieblingsplatz beim Schwimmen begegnet war, immer die Augen offenhalten. Denn: „Es kann schneller was passieren, als man glaubt.“ Nur gut, dass es Menschen wie sie gibt, die nicht zögern, wenn andere in Not geraten.