Die Überraschung war groß. "Eine Frau", rief es ringsum, als Serafina Nohl als Erste am Strandbad aus dem Wasser stieg. Die 16-Jährige Stockacherin gewann in Allensbach das 38. Gnadenseeschwimmen der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft). "Ich wollte mal was Neues ausprobieren. Im Freiwasser zu schwimmen, ist schon etwas anderes. Man sieht nicht so viel. Ich habe nicht damit gerechnet, Erste zu werden. Es war sehr angenehm. Es gab keine Wellen und mit der Orientierung im Wasser hat es geklappt. 23 Minuten sind eine gute Zeit. Momentan schwimme ich nicht so viele Wettkämpfe", erzählt sie glücklich.

Hier laufen die Fäden zusammen, am Stand der Anmeldung.
Hier laufen die Fäden zusammen, am Stand der Anmeldung. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Dreieckskurs anstatt gerader Strecke

Auf den etwa 1500 Meter langen Dreieckskurs hatten sich 193 Teilnehmer begeben, im Jahr zuvor waren es 168. Der jüngste Teilnehmer war neun Jahre alt, der älteste 71 Jahre. Drei Schwimmer mussten vorzeitig aufgeben und wurden mit einem Boot an Land gebracht. Teilnehmer reisten aus Tschechien und der Schweiz an sowie aus Hamburg und Lübeck. Fischer mit Booten, Feuerwehr und andere DLRG-Gruppen unterstützten bei Organisation und Sicherheit. Für manchen Schwimmer war das viele Seegras bei dem relativ niedrigen Wasserstand etwas ungewohnt und irritierend. "Leider bekommen wir die Seekuh nicht mehr hierher", berichtet DLRG-Vorsitzender Heiner Fritze über das Mähschiff.

Lagebesprechung bei der DLRG und bei den Helfern: So läuft das Gnadenseeschwimmen ab.
Lagebesprechung bei der DLRG und bei den Helfern: So läuft das Gnadenseeschwimmen ab. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zeitlimit liegt bei 90 Minuten

Frantisek Mocker aus Tschechien steigt als letzter Teilnehmer aus dem Wasser, aber immer noch deutlich vor dem Zeitlimit von 90 Minuten. "Ich habe Probleme mit der Hüfte, sonst wäre ich schneller gewesen. Ich habe lange Laufsport gemacht, was ich nicht mehr machen kann. Ich bin zum dritten Mal hier. Ich reise extra wegen des Wettbewerb an und mache dann zwei oder drei Tage Urlaub. Ich bin nicht so schnell, bin aber gern dabei und es macht einfach Spaß. Ich mag das warme Wasser, die schöne Umgebung und die freundliche Leute", erzählt er.

Serafina Nohl, Siegerin aus Stockach: "Ich wollte mal was Neues ausprobieren. Im Freiwasser zu schwimmen, ist schon etwas anderes."
Serafina Nohl, Siegerin aus Stockach: "Ich wollte mal was Neues ausprobieren. Im Freiwasser zu schwimmen, ist schon etwas anderes." | Bild: Nikolaj Schutzbach

Wenn's im Neopren zu heiß wird

Die zehnjährige Hannah Kühne aus Villingen-Schwenningen schwimmt das erste Mal in freiem Gewässer. "Die Mama wollte unbedingt mitschwimmen. Es war manchmal schon anstrengend. Unterwegs musste ich den Neoprenanzug ausziehen, weil mir zu heiß war. Zuhause bin ich in der DLRG. Ich mache das goldene Schwimmabzeichen", erzählt sie.

Maximilian Göthel aus Allensbach: "Ich mache mit, weil es mit Spaß macht. Ich würde sagen, ich bin zufrieden."
Maximilian Göthel aus Allensbach: "Ich mache mit, weil es mit Spaß macht. Ich würde sagen, ich bin zufrieden." | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zwölfjähriger mit Erfahrung

Maximilian Göthel aus Allensbach nimmt zum zweiten Mal teil. Der Zwölfjährige ist Mitglied in der DLRG. "Ich mache mit, weil es mit Spaß macht. Ich würde sagen, ich bin zufrieden. Es war immer gleich anstrengend. Ich kenne das DLRG-ABC. Ich helfe in der Wasserrettung und mache Dienst auf dem Wachturm im Strandbad", berichtet er.

Monika Heinkelein aus Teningen: "Im Pulk war es schwierig, damit man nicht anstößt. Ich bin relativ weit links geschwommen."
Monika Heinkelein aus Teningen: "Im Pulk war es schwierig, damit man nicht anstößt. Ich bin relativ weit links geschwommen." | Bild: Nikolaj Schutzbach

Ausflug mit Vereinskollegen

Cristian Fais vom 1. Stuttgarter Amateur-Schwimmklub unternimmt einen Ausflug mit Vereinskollegen. "Im Bodensee zu schwimmen, ist ein gutes Angebot. Mit meinem Ergebnis bin ich zufrieden, dafür dass ich schon lange kein Sport mehr getrieben habe. Schön wäre es, wenn es wie bei meinem ersten Mal eine Fähre zur Reichenau gäbe", erklärt er. "Super", sagt Monika Heinkelein aus Teningen stolz über ihre 49 Minuten. Sie hatte damit auch ihren Ehemann Rolf überraschend um drei Minuten übertrumpft. "Ich kann stundenlang schwimmen, wenn es nicht ums Tempo geht. Im Pulk war es schwierig, damit man nicht anstößt. Ich bin relativ weit links geschwommen. Als die alle rechts an mir vorbeigezogen sind, habe ich gedacht: Oje!", berichtet sie. "Für mich war es eine Premiere", sagt Ehemann Rolf.

Hannah Kühne aus Villingen-Schwenningen: "Unterwegs musste ich den Neoprenanzug ausziehen, weil mir zu heiß war."
Hannah Kühne aus Villingen-Schwenningen: "Unterwegs musste ich den Neoprenanzug ausziehen, weil mir zu heiß war." | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zum 18. Mal dabei

Sein Freund Andreas Einhorn aus Freiburg ist seit 1990 fast immer dabei. "Zum 18. Mal", sagt dieser stolz. "Ganz hinten", beschreibt er seine Platzierungen. "Ich brauche eine starke Stunde", ergänzt er. Das war vor dem Start. Bei der zweiten Boje bekam er Krämpfe in beiden Beinen. "Auf dem Wasser waren ja viele Schiffe. Ich brauchte nur ein Zeichen geben, und die waren gleich vor Ort", erzählt er von der schnellen Hilfe.

Hannah Kühne aus Villingen-Schwenningen: "Unterwegs musste ich den Neoprenanzug ausziehen, weil mir zu heiß war."
Hannah Kühne aus Villingen-Schwenningen: "Unterwegs musste ich den Neoprenanzug ausziehen, weil mir zu heiß war." | Bild: Nikolaj Schutzbach

DLRG Öhningen unterstützt

Stefan Fottner und Simon Büche von der DLRG Öhningen sind zum ersten Mal dabei und kamen mit einem Boot zur Unterstützung. "Wir sind zur Sicherung auf dem Wasser eingeteilt", berichtet Büche. "Für mich ist es spannend, so einen Einsatz in Ruhe zu sehen und dabei zu lernen", fügt Fottner hinzu.

Gnadenseeschwimmen 2018. Bildunterschrift und Namen werden bei Bedarf nachgeliefert. Bild: Nikolaj Schutzbach
Gnadenseeschwimmen 2018. Bildunterschrift und Namen werden bei Bedarf nachgeliefert. Bild: Nikolaj Schutzbach | Bild: Nikolaj Schutzbach

Lob vom Bürgermeister

Bürgermeister Stefan Friedrich beglückwünscht alle Schwimmer im Zielraum und hängt ihnen eine Medaille um. "Ein großer Einsatz für die Hilfsorganisationen im positiven Sinn. Auch die Unterstützung durch die Angler mit ihren Booten ist wichtig. Alle waren gut präpariert für den Fall der Fälle. Das ist ein echtes Highlight im Jahreskalender. Viele Leute kommen von weit her. Das ist das beste Kompliment", erklärt er. "Es war ein sehr gelungener Tag für die DLRG", sagt ein glücklicher der DLRG-Vorsitzender Heiner Fritze.